Süddeutsche Zeitung

Raketenangriffe und Vergeltungsschläge:Nahostkonflikt spitzt sich gefährlich zu

  • Nach Beratungen mit Israels Premierminister Netanjahu teilte die Armee mit, eine weitere Infanterie-Brigade sowie ein Artillerie-Bataillon in den Süden zu verlegen.
  • Am späten Dienstagabend hatte es Raketenalarm in den israelischen Gemeinden rund um den Gazastreifen gegeben.
  • Die israelische Luftwaffe bombardierte als Reaktion weitere Ziele im Gazastreifen.

In der zweiten Nacht in Folge gingen die Auseinandersetzungen in den israelischen Gemeinden rund um den Gazastreifen weiter. Bereits am späten Dienstagabend hatte es Raketenalarm gegeben, am Mittwoch feuerten in den frühen Morgenstunden militante Palästinenser eine Rakete auf das Industriegebiet der israelischen Stadt Aschkelon, die vom Raketenabwehrsystem Iron Dome abgefangen wurde. Wenige Stunden zuvor war bereits ein auf Aschkelon gerichtetes Objekt von Iron Dome neutralisiert worden.

Nach Angaben der israelischen Armee wurden auch Brandsätze über den Grenzzaun geschickt. Die israelische Luftwaffe bombardierte als Reaktion am Dienstagabend und Mittwochmorgen weitere Ziele im Gazastreifen. Unter anderem wurde ein Militärkomplex der Hamas in Khan Yunis und ein Stützpunkt in Rafah getroffen.

Nur zwei Wochen vor der Parlamentswahl am 9. April in Israel spitzt sich der Konflikt mit der radikalislamischen Hamas-Organisation gefährlich zu. Im großen Stil wurde am Dienstag militärisches Gerät an die Grenze zum Gazastreifen verlegt - vor allem Panzer. Nach Beratungen mit Israels Premierminister Benjamin Netanjahu teilte die Armee am Dienstagabend mit, Generalstabschef Aviv Kochavi habe beschlossen, eine weitere Infanterie-Brigade sowie ein Artillerie-Bataillon in den Süden Israels zu verlegen und weitere Reservisten zu mobilisieren. Bereits zuvor waren tausend zusätzliche Soldaten in die Region verlegt und Reservisten aktiviert worden. Sie sollen vor allem beim Raketenabwehrsystem Iron Dome eingesetzt werden.

Netanjahu, der auch als Verteidigungsminister fungiert, trat nach den Beratungen im Militärhauptquartier nicht auf. Am Nachmittag war er von Israel aus in einem Video-Schaltgespräch zur Jahrestagung der israelisch-amerikanischen Lobbyorganisation AIPAC nach Washington zugeschaltet worden, die er wegen seiner vorzeitigen Rückkehr aufgrund der Eskalation rund um den Gazastreifen nicht besuchen konnte. Bei diesem Gespräch kündigte Netanjahu an: "Wir sind bereit, noch viel mehr zu tun. Wir werden tun, was zur Verteidigung unseres Volkes und unseres Staates notwendig ist."

Auslöser der jüngsten Auseinandersetzungen war am Montagmorgen ein Raketenangriff aus dem Gazastreifen auf ein Haus in Zentralisrael, rund 30 Kilometer nordöstlich von Tel Aviv. Das Haus wurde zerstört, sieben Menschen wurden verletzt. In der Nacht auf Dienstag griff die israelische Armee daraufhin Ziele im Gazastreifen an, nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Gaza wurden sieben Menschen verletzt. Militante Palästinenser feuerten in der Nacht zum Dienstag insgesamt 60 Raketen Richtung Israel ab.

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