Süddeutsche Zeitung

Früherer US-Außenminister:Henry Kissinger ist tot

Als Außenminister prägte der Republikaner maßgeblich die US-Außenpolitik: Nun ist der Nobelpreisträger im Alter von 100 Jahren gestorben.

Der frühere US-Außenminister Henry Kissinger ist gestorben. Der Nobelpreisträger, der in Deutschland geboren wurde, starb in seinem Haus in Connecticut im Alter von 100 Jahren. Das gab seine Beratungsfirma bekannt.

Als Sicherheitsberater und Außenminister der US-Präsidenten Richard Nixon und Gerald Ford prägte der Republikaner maßgeblich die US-Außenpolitik. Seine Bemühungen führten zur diplomatischen Öffnung Chinas, zu Rüstungskontrollverhandlungen zwischen den USA und der Sowjetunion, zur Verbesserung der Beziehungen zwischen Israel und seinen arabischen Nachbarn und zum Pariser Friedensabkommen mit Nordvietnam.

"Henry hat nie einen Fehler in seinem Kopf gemacht"

Ford nannte Kissinger einen "Super-Außenminister", wies aber auch auf dessen Schärfe und Selbstsicherheit hin, die Kritiker eher als Paranoia und Egoismus bezeichneten. Ford sagte: "Henry hat nie einen Fehler in seinem Kopf gemacht." Während viele seine Brillanz lobten, kritisierten andere Kissinger für seine Unterstützung antikommunistischer Diktaturen, vor allem in Lateinamerika.

Kissinger wurde 1923 als Heinz Alfred Kissinger im mittelfränkischen Fürth geboren. Die jüdische Familie floh 1938 vor dem Naziregime in die USA. Dort wurde Kissinger fünf Jahre später eingebürgert und änderte seinen Vornamen. Sein Aufstieg erinnert an die Idee des amerikanischen Traums: Nach Schule und Militärzeit studierte Kissinger in Harvard; später lehrte er dort. 1969 berief ihn der damalige Präsident Richard Nixon zum Sicherheitsberater, später zum Außenminister. In Sachen Außenpolitik war er der einflussreichste Politiker in Washington.

Ein bedeutender Meilenstein in seiner Karriere war die Vorbereitung der Reise Nixons nach China. In geheimer Mission reiste Kissinger nach Peking, ebnete den Weg für einen Besuch Nixons und die Normalisierung der Beziehungen. Kissinger wurde der gefeierte Architekt der amerikanisch-chinesischen Annäherung. Damit endeten seine diplomatischen Erfolge nicht. Kissinger handelte Abrüstungsverträge und Friedensabkommen aus und wurde zum Medienstar.

Trotz aller Proteste erhielt er 1973 den Friedensnobelpreis für seinen Beitrag zum Friedensvertrag mit Vietnam. Kissinger blieb auch nach seinem 100. Geburtstag aktiv, nahm an Sitzungen im Weißen Haus teil, veröffentlichte ein Buch über Führungsstile und sagte vor einem Senatsausschuss über die nukleare Bedrohung durch Nordkorea aus. Im Juli 2023 besuchte er überraschend den chinesischen Präsidenten Xi Jinping.

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