Süddeutsche Zeitung

Ende von "Don't ask, don't tell":Amerikas schwule Soldaten

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Der US-Kongress erlaubt Homosexuellen, offen als Soldaten zu dienen. Nicht zum ersten Mal ist das Militär Gradmesser gesellschaftlichen Wandels in Amerika.

Reymer Klüver

Jimmy Carter, der Ex-Präsident, der sich auf seine alten Tage zum Chef-Provokateur der Nation gemausert hat, bringt die Sache auf den Punkt. Ja, sagt Carter, seine Landsleute würden inzwischen auch einen Schwulen zum Präsidenten und damit zum Oberkommandierenden ihrer Streitkräfte wählen. Vielleicht nicht unbedingt 2012 (denn da sollen sie Barack Obama wiederwählen), aber danach - kein Ding der Unmöglichkeit mehr.

Carter denkt nur zu Ende, was sich seit Jahren abzeichnet: Schwule und Lesben werden in den USA gesellschaftlich immer mehr akzeptiert, nicht nur in den liberalen Küstenstädten, sondern eben auch im weiten und weitaus konservativeren Land dazwischen. Dem hat nun der Senat in Washington Rechnung getragen. Mit klarer Mehrheit hat er den Bann Homosexueller in den US-Streitkräften aufgehoben.

Das US-Militär hat sich in der Tat stets nicht nur als Gradmesser gesellschaftlichen Wandels in den USA erwiesen. Ironischerweise war diese Bastion des Konservatismus in Amerika immer wieder auch Vorreiter der Reformen.

Nachdem die Rassendiskriminierung (per präsidentiellem Dekret) in den Streitkräften aufgehoben worden war, gab es in anderen Teilen der Gesellschaft kein Halten mehr. Frauen in Kampfjets brachten neue Chancen für die Gleichberechtigung in der Zivilgesellschaft.

Die Aufhebung des Schwulenbanns wird das Ende der Diskriminierung Homosexueller weiter beschleunigen. Insofern kann man den Senatsbeschluss nicht hoch genug einschätzen. Er ist ein bedeutendes Indiz dafür, dass Amerika trotz der sklerotischen Erscheinungen im politischen System, die Wandel erschweren, zu innerer Reform in der Lage ist.

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Quelle:
SZ vom 20.12.2010/jab
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