Süddeutsche Zeitung

Donald Trumps Wähler:Die Vergessenen, die Trump möglich gemacht haben

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Sie fühlen sich abgehängt, von den Medien übersehen und von der Politik ignoriert: auf der Suche nach den Amerikanern, die Trump zum mächtigsten Mann der Welt gemacht haben.

Von Hubert Wetzel und Matthias Kolb

Wie konnte Donald Trump bloß US-Präsident werden? Der Wahlsieger selbst lieferte in der Nacht seines Triumphs eine Erklärung, als er in einem Hotel in Manhattan an ein Mikrofon schritt und einen Satz sagte, der im Englischen viel poetischer klingt als im Deutschen: "The forgotten men and women of our country will be forgotten no longer." Die vergessenen Männer und Frauen in unserem Land werden nicht mehr vergessen sein - sie haben ihre Stimme erhoben und Trump ins Weiße Haus geholfen.

Der forgotten man: jener weiße Wähler, der sich von den Eliten abgehängt, von den Medien übersehen und von der Politik ignoriert fühlt. Man findet ihn nicht in den Metropolen an den Küsten, wo die Eliten leben, auch nicht in Washington, wo die große Politik gemacht wird. Man findet ihn in Johnstown und Harrisburg in Pennsylvania, dem Bundesstaat, den seit 1992 kein republikanischer Präsidentschaftskandidat mehr gewonnen hat und in dem die Wähler nun zu Trump übergelaufen sind; man findet ihn in Youngstown, Ohio, einem Staat, der seit Barack Obamas Siegeszug eigentlich für die Demokraten reserviert war.

Die Vergessenen sind aus dem Schatten getreten

In den Kleinstädten des amerikanischen Rostgürtels trifft man auf Menschen wie Bob Hirsch, der einmal Demokrat und Gewerkschafter war, und nun den Republikaner wählte; auf Lisa Vranicar-Patton, die eine Eisbahn betreibt und nebenher ein Trump-Wahlkampfbüro eröffnet und Flugblätter verteilt hat; oder auf Jesse Wright, der mitansehen musste, wie die Stahlhütten und Walzwerke seiner Heimat dichtgemacht wurden, wie Arbeitsplätze weggezogen sind und mit ihnen der Wohlstand und die Sicherheit und alles, was ein gutes Leben ausmacht.

Die Vergessenen sind aus dem Schatten getreten und haben den umstrittensten Kandidaten der US-Geschichte ins Weiße Haus gewählt. Ihre Enttäuschung und ihre Wut sind es, die Donald Trump zum mächtigsten Mann der Welt gemacht haben. Ihr Frust ist freilich kein rein amerikanisches Phänomen, wie ein Blick auf den Erfolg europäischer Populisten zeigt.

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