Süddeutsche Zeitung

CDU-Parteitag:Watschn à la Merkel für Seehofer

Beim CSU-Parteitag hatte Seehofer die Kanzlerin gedemütigt. Ihre Revanche ist subtil - umso schmerzhafter für den Bayern.

Von Christoph Meyer

Nach außen reicht Merkel Seehofer die Hand

Gerade einmal drei Wochen ist es her, dass Horst Seehofer die Kanzlerin vor der versammelten CSU-Basis auf dem Parteitag in München demütigte. Wie ein Schulmädchen belehrte der Mann aus Bayern die Kanzlerin wegen ihrer Flüchtlingspolitik.

Doch das ist nach Merkels Rede auf dem Parteitag der CDU in Karlsruhe nur noch eine Randnotiz. Merkel setzt sich mit ihrer Asylpolitik durch.

Die CSU spielt in ihrer Rede kaum eine Rolle. Nur am Rande geht sie auf die Vorkommnisse beim CSU-Parteitag ein: "Es kommt auf CDU und CSU an, egal, was es mal für einen Parteitag gibt", sagt sie und scherzt: "Langweilig war der letzte nicht." Das klingt wie eine Versöhnungsgeste in Richtung Seehofer - zumindest nach außen.

Seehofers Gastauftritt in Karlsruhe könnte unangenehm werden

In Wirklichkeit ist es eine Demütigung für den CSU-Chef. Die Kanzlerin demonstriert dem Bayern ihre Überlegenheit: moralisch, weil sie sich nicht auf sein Niveau herunterlässt und politisch, weil die Machtverhältnisse eindeutig zu ihren Gunsten stehen: Von den etwa 1000 Delegierten des CDU-Parteitags stimmen nur fünf nicht für den Leitantrag des Bundesvorstands - und der sieht keine Obergrenzen für Flüchtlinge vor, wie sie Seehofer seit Monaten fordert.

Wie sehr Merkel ihre Partei im Griff hat, wird deutlich, als sie dem bayerischen Ministerpräsidenten und der CSU-Landesgruppenvorsitzenden Gerda Hasselfeldt ausdrücklich dankt - aber kaum einer applaudiert. Erst als Merkel auffordernd mit den Armen wirbelt, wird geklatscht. Eine eindeutige Botschaft nach München.

Am Dienstag soll Seehofer auf dem CDU-Parteitag sprechen. Der Auftritt könnte unangenehm werden.

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