Süddeutsche Zeitung

Johnny Depp und Amber Heard:Rosenkrieg mit allem, was ein Drama braucht

Das einstige Schauspieler-Ehepaar wirft sich seit Jahren gegenseitig häusliche Gewalt vor. Jetzt beginnt ein Prozess gegen die Boulevardzeitung, die Depp einen "Ehefrauen-Schläger" nannte.

Von Veronika Wulf

Es ist eine Rolle, die Johnny Depp über die Jahre als Hollywood-Schauspieler perfektioniert hat: ein bisschen zwielichtig, ein bisschen sexy - und vor allem wusste man oft nicht so recht, ob man diesem Typen trauen kann. Als durch die Karibik torkelnder Pirat hat er die Rolle selbst geprägt. Jetzt holt sie ihn im echten Leben ein, und auch einige Fans fragen sich, ob er die Wahrheit sagt oder doch nur eine Rolle spielt.

Hat Johnny Depp, 57, seine Ex-Frau Amber Heard, 34, geschlagen? Diesen Vorwurf hatte die US-Schauspielerin 2016 erhoben. Depp habe sie 14-mal gewalttätig angegriffen, einmal über drei Tage hinweg, als er 2015 mit ihr in Australien gewesen sei und unter Drogen- und Alkoholeinfluss gestanden habe. Kaum eineinhalb Jahre nach der Hochzeit hatte Heard die Scheidung eingereicht und gegen Depp eine einstweilige Verfügung erreicht. Bilder ihres Gesichts mit Hämatomen kamen an die Öffentlichkeit.

Depp wies die Vorwürfe stets zurück und beschuldigte sie später seinerseits: Heard habe 2015 eine Flasche auf ihn geworfen und eine Zigarette in seinem Gesicht ausgedrückt. Wieder sollten Fotos die Tat belegen. Und eine Tonbandaufnahme, die die britische Daily Mail Anfang des Jahres veröffentlichte, in der Heard offenbar in einer Therapiesitzung zugibt, handgreiflich geworden zu sein.

"The Sun" bezeichnete Depp als "Frauen-Schläger"

Der Rosenkrieg hat alle Zutaten, die ein Drama braucht: eine schöne, reiche Frau, einen schönen, reichen Mann, eine bittere Trennung inklusive öffentlicher Schlammschlacht und ausreichend Publikum. Da es ein moderner Rosenkrieg ist und die Beteiligten selbst für Bild- und Tonmaterial sorgen, darf auch das nicht fehlen: ein Boulevardblatt, das den Schlamm erst richtig aufwirbelt. In diesem Fall die britische Zeitung The Sun, die Depp in einem Artikel von 2018 als "wife beater" bezeichnete. Da der Begriff in diesem Zusammenhang ganz eindeutig nicht ein Muskelshirt meinte, das im Englischen bezeichnenderweise ebenfalls so genannt wird, sondern tatsächlich einen "Ehefrauen-Schläger", verklagte Depp den verantwortlichen leitenden Redakteur Dan Wootton und den Verlag der Sun, die News Group Newspapers, gleich dazu.

Nun hat der Prozess begonnen, der voraussichtlich drei Wochen dauern wird. Sowohl Heard als auch Depp erschienen am Dienstag im High Court in London. Die beiden hatten sich seit Jahren nicht mehr gesehen, zumindest nicht so, dass es die Öffentlichkeit mitbekam. "Das sind alles Lügen", sagten Depps Anwälte über die in der Sun veröffentlichten Misshandlungsvorwürfe. Depp sei "kein Frauenschläger und ist das auch nie gewesen". Es wird erwartet, dass im weiteren Verlauf des Prozesses Depps frühere Partnerinnen Vanessa Paradis und Winona Ryder aussagen werden, die sich beide öffentlich bereits auf seine Seite gestellt haben.

Beim Prozessauftat betrat Heard das Gerichtsgebäude durch einen anderen Eingang als ihr Ex-Mann. Britische Medien schreiben von einem "Showdown". Denn natürlich ist es nur vordergründig der Verlag der Sun, gegen den Depp dort antritt. Eigentlich ist es seine Ex-Frau, gegen die er kämpft.

Ein weiterer Prozess in den USA steht noch aus

Das tut er nicht nur in London, sondern auch in den USA, wo er eine zweite Verleumdungsklage eingereicht hat - in diesem Fall direkt gegen Heard. Sie hatte 2018 in einem Artikel in der Washington Post über Erfahrungen mit häuslicher Gewalt berichtet, allerdings ohne Depp namentlich zu nennen.

Auch Geld darf in dem Rosenkrieg nicht fehlen: 50 Millionen Dollar Schadenersatz verlangen Depps Anwälte von Heard wegen des Artikels. Zuvor hat er ihr 2016 in einem außergerichtlichen Vergleich sieben Millionen Dollar gezahlt, woraufhin Heard ihre Vorwürfe häuslicher Gewalt zurückzog. Zumindest bis zu dem Artikel in der Washington Post.

Doch Geld ist nicht alles, vor allem nicht für einen Schauspieler, der viel davon hat, etwa in Form einer ganzen Insel auf den Bahamas. Natürlich kämpfen beide Prominente auch um ihr Ansehen. Wer in diesem Drama die Täterrolle spielte und wer die Opferrolle, werden vielleicht die Gerichte klären können. Fest steht, dass mindestens einer lügt, zu sehr widersprechen sich die Darstellungen. Fest steht aber auch: Für den guten Ruf ist es wohl trotzdem zu spät - und zwar bei beiden.

Bestens informiert mit SZ Plus – 4 Wochen kostenlos zur Probe lesen. Jetzt bestellen unter: www.sz.de/szplus-testen

URL:
www.sz.de/1.4960311
Copyright:
Süddeutsche Zeitung Digitale Medien GmbH / Süddeutsche Zeitung GmbH
Quelle:
SZ/nas
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über Süddeutsche Zeitung Content. Bitte senden Sie Ihre Nutzungsanfrage an syndication@sueddeutsche.de.