Süddeutsche Zeitung

Prozess wegen Körperverletzung:Jérôme Boateng muss vor Gericht

Der frühere FC-Bayern-Spieler ist angeklagt, seine Ex-Freundin mit einem gläsernen Gegenstand beworfen zu haben.

Von Patrick Bauer, Lena Kampf und Jana Stegemann

Die Staatsanwaltschaft München I erhob bereits am 11. Februar 2019 Anklage - doch erst zwei Jahre und acht Monate später beginnt der Prozess vor dem Amtsgericht München gegen Jérôme Boateng. Das hat das Gericht nun in einer Pressemitteilung bekannt gegeben. Nach zehn Jahren beim FC Bayern ist der 32-jährige Weltmeister von 2014 seit Kurzem vereinslos.

Verantworten muss sich Boateng in einem wohl eintägigen Prozess am 9. September wegen einfacher vorsätzlicher Körperverletzung zum Nachteil seiner ehemaligen Lebensgefährtin. Boateng soll 2018 in einem Urlaub einen gläsernen Gegenstand nach ihr geworfen haben. Das Paar trennte sich kurze Zeit später nach zehnjähriger Beziehung. Boatengs Verteidiger sagte auf Anfrage der SZ: Sein Mandant bestreite die Vorwürfe "vehement und energisch".

Die Staatsanwaltschaft hatte den Profifußballer ursprünglich wegen gefährlicher Körperverletzung angeklagt. Laut dem zuständigen Richter seien jedoch keine hinreichenden Anhaltspunkte für diesen Tatbestand erkennbar. "Die Geschädigte hat nach Ansicht des Richters etwa widersprüchliche Angaben zu den Gegenständen gemacht, die verwendet worden sein sollen", sagte ein Gerichtssprecher damals. Auch Videoaufnahmen der erlittenen Verletzungen würden nach Ansicht des Richters nicht auf gefährliche Körperverletzung hindeuten. Gegen diese Entscheidung legte die Staatsanwaltschaft München Beschwerde beim Landgericht ein - ohne Erfolg.

Verhandlung im Saal des NSU-Prozesses

Den langen Zeitraum von fast drei Jahren zwischen Anklageerhebung und Prozessbeginn im Fall Boateng erklärt das Amtsgericht München so: Wegen Corona sei ein früherer Termin nicht möglich gewesen.

Verhandelt werden soll im größten Saal des Oberlandesgerichts, dem Schwurgerichtssaal A101 im Strafjustizzentrum. In dem für Millionen umgebauten Saal an der Nymphenburger Straße fand der weltweit beachtete, fünf Jahre andauernde NSU-Prozess statt. 2014 wurde hier Ex-Formel-1-Boss Bernie Ecclestone gegen Zahlung von 100 Millionen Euro im Korruptionsprozess freigesprochen. Aktuell wird in A101 gegen den mutmaßlichen Attentäter von Waldkraiburg verhandelt.

In einem zweiten Ermittlungsverfahren ermittelt die Staatsanwaltschaft München gegen Boateng ebenfalls wegen Körperverletzung zum Nachteil seiner Ex-Freundin Kasia Lenhardt. Dieses Verfahren war im Juli 2020 vorübergehend eingestellt, nach dem Suizid der 25-Jährigen aber wieder aufgenommen worden. Boateng war laut einer Sprecherin der Staatsanwaltschaft gegen diese Ermittlungen vorgegangen. Sein Anwalt habe im Juni 2020 Strafanzeige wegen Strafverfolgung Unschuldiger gegen die sachbearbeitende Staatsanwältin erstattet.

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