Süddeutsche Zeitung

Nach der Freilassung des Ex-IWF-Chefs:Strauss-Kahn entschuldigt sich bei Mitarbeitern

Dominique Strauss-Kahn ist ein freier Mann, doch der Sex-Skandal hat ihn und alle Beteiligten schwer beschädigt. Bei einem Abschiedsbesuch bat er die Mitarbeiter des IWF nun um Entschuldigung - und erntete Applaus. Über seine Zukunftspläne schweigt er beharrlich.

Eine Entschuldigung und ein au revoir: Dominique Strauss-Kahn hat zum Abschied noch einmal den Internationalen Währungsfonds (IWF) in Washington D.C. besucht und sich für die Auswirkungen des Skandals um die angebliche Vergewaltigung eines Zimmermädchens entschuldigt.

Medienberichten zufolge betrat er das Gebäude gemeinsam mit seiner Frau Anne Sinclair unauffällig durch die Tiefgarage. Der frühere IWF-Chef habe bei dieser Gelegenheit auch kurz seine Nachfolgerin Christine Lagarde getroffen, bestätigte ein Sprecher der Organisation. Darüber hinaus wollte man sich beim IWF allerdings nicht äußern. Es habe sich um "private Treffen" gehandelt. Die französische Zeitung Le Figaro berichtet, Strauss-Kahn habe etwa zehn Minuten lang gesprochen.

Strauss-Kahn war im Mai als IWF-Chef zurückgetreten, nachdem ein New Yorker Zimmermädchen ihn beschuldigt hatte, es in einem Hotel vergewaltigt zu haben. Ein US-Gericht stellte das Verfahren gegen den Franzosen vergangene Woche ein, weil Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Klägerin bestanden. Strauss-Kahn erhielt inzwischen seinen Pass zurück und will in seine Heimat zurückkehren.

Bei seinem Abschiedsbesuch soll er seinen ehemaligen Mitarbeitern gedankt und sich bei all jenen entschuldigt haben, die "durch diese ganze Geschichte verletzt wurden", zitierte die Nachrichtenagentur AFP einen Teilnehmer. Bei den Vorfällen habe es sich um einen "Irrtum" seinerseits gehandelt.

Wie Le Figaro weiter berichtet, hätten die Anwesenden ihrem früheren Chef applaudiert, viele Mitarbeiter hätten sich mit ihm fotografieren lassen. "Es war eine herzliche Atmosphäre", zitiert das Blatt eine namentlich nicht genannte Quelle. Strauss-Kahn sprach auch über die Bedeutung der Vorstellungskraft für den Auftrag des IWF. Er betonte, dass Europa nicht in der aktuellen Bredouille stecken würde, hätten die Regierungen auf den Rat des Währungsfonds gehört.

Zu seinen beruflichen oder politischen Plänen äußerte sich Strauss-Kahn auch diesmal nicht. Über eine Rückkehr in die französische Politik, rechtzeitig zum Präsidentschaftswahlkampf, wird zwar viel spekuliert, Strauss-Kahn jedoch schweigt beharrlich.

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