Süddeutsche Zeitung

Erdbeben auf Sumatra:Suche nach Opfern aufgegeben

Fünf Tage nach den verheerenden Erdbeben in Indonesien stellen Rettungsmannschaften die Suche nach Überlebenden in Padang ein. Behörden warnen vor Seuchengefahr.

Fünf Tage nach dem verheerenden Erdbeben auf der indonesischen Insel Sumatra haben Rettungsmannschaften die Hoffnung aufgegeben, in der Großstadt Padang noch Überlebende zu finden. "In Padang stellen wir die Suche ein, aber in anderen Regionen suchen wir weiter", sagte ein Sprecher der Katastrophenschutzbehörde.

In der Stadt waren nach dem Beben der Stärke 7,6 am Mittwoch hunderte Häuser eingestürzt. Unter den Trümmern werden noch hunderte, vielleicht tausende Opfer befürchtet. Außer Padang waren fünf weitere Bezirke von dem Erdbeben schwer getroffen worden. Das Gesundheitsministerium schätzt die Zahl der Toten auf mehr als 1200.

Die Gesundheitsbehörden befürchten den Ausbruch von Krankheiten. Tausende Menschen mussten in Zelten und unter Plastikplanen ausharren. "Wir haben Desinfektionsmittel im Erdbebengebiet versprüht, um die Ausbreitung von Krankheiten zu verhindern", sagte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums.

"Ich habe zwar Angst, aber wir müssen wieder zur Schule"

Viele Überlebende klagten über mangelnde Hilfe. In Padang waren noch immer 70.000 Wohnungen von der Trinkwasserversorgung abgeschnitten. In einigen Stadtgebieten war die Stromversorgung unterbrochen.

Noch schlimmer sah es in den Gebieten außerhalb der Regionalhauptstadt aus. Am Montag machte heftiger Regen den Überlebenden zusätzlich zu schaffen. Erdrutsche blockierten Straßen, dadurch wurde die Versorgung mit Hilfsgütern erschwert. Viele Dörfer konnten hier immer noch nicht erreicht werden. Meteorologen erwarteten auch für die kommenden Tage keine Besserung der Wetterlage und sagten Gewitter voraus.

Dennoch kehrte auf Sumatra langsam wieder Normalität ein. In Padang öffneten Schulen und Banken wieder. "Ich habe zwar Angst, aber wir müssen wieder zur Schule, weil wir bald Arbeiten schreiben", sagt die 14-jährige Dewi Fortuna Putri von der Senior High School 1. Von Dienstag an soll der Betrieb wieder völlig nach Stundenplan laufen. "Das wird schwierig, weil viele Gebäude schwer beschädigt sind", sagt die Lehrerin Sofiati Yunus.

Das UN-Kinderhilfswerk Unicef hat Zelte und andere Materialien für Schulen in der Katastrophenregion bereitgestellt. Unter den 180.000 Gebäuden, die bei dem Erdbeben zerstört wurden, sind nach Angaben der indonesischen Behörden auch hunderte Schulen.

Unterdessen tobte der Taifun "Parma", der am Wochenende auf den Philippinen mindestens 17 Menschenleben gefordert hatte, mit bis zu 126 Stundenkilometern weiter über den Norden des Landes und auch das Meer zwischen den Philippinen und Taiwan. Seit drei Tagen regnet es dort ununterbrochen, heftige Windböen peitschen über das Land.

In Taiwan wurden mehr als 6000 Menschen vor dem Taifun in Sicherheit gebracht. Die Behörden befürchteten am Montag, dass der herannahende Tropensturm tödliche Erdrutsche auslösen könnte. Betroffen sei vor allem der südliche Teil der Insel, aber auch der Osten. Einige Dorfbewohner hätten zum Verlassen ihrer Häuser gezwungen werden müssen.

Anfang August hatte der Taifun "Morakot" in Taiwan mehr als 600 Menschen getötet. Der Regierung wurde damals vorgeworfen, sich nicht ausreichend um den Schutz der Bevölkerung gekümmert zu haben. Erst am 26. September hatte der Taifun "Ketsana" schwere Schäden auf den Philippinen sowie in Vietnam und Kambodscha angerichtet. Mindestens 288 Menschen kamen ums Leben.

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dpa/AP/AFP/afis
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