Süddeutsche Zeitung

Klimaschutz:Starnberg muss weiter strampeln

Der Landkreis war der erste in ganz Bayern, der sich mit dem Etikett "fahrradfreundlich" schmücken durfte. Nun soll er die Auszeichnung wieder erhalten, muss aber nacharbeiten.

Von Astrid Becker

Entspannter kann man wohl kaum eine Entscheidung treffen: Erst diskutiert man ein wenig, dann schwingt man sich aufs Pedelec, tourt damit recht unangestrengt auf den Fahrradschutzstreifen durch den Andechser Ortsteil Erling und diskutiert im Biergarten des Klostergasthofs auf dem Heiligen Berg. Und am Ende kann man sich im Landratsamt Starnberg auf die Schultern klopfen, weil man es wieder einmal geschafft hat: als erster Landkreis in Bayern als fahrradfreundlich zertifiziert zu sein - allerdings nicht ganz ohne Einschränkung.

Denn bis sich der Landkreis Starnberg ganz offiziell wieder fahrradfreundlich nennen darf - die offizielle Verleihung des Titels ist vermutlich im Januar -, muss er noch einige Vorgaben erfüllen: etwa Beschlüsse im Kreistag zu den einzelnen Vorhaben fassen, die Zeitpläne und die Priorisierungen beinhalten. So zumindest formuliert es Sarah Guttenberg von der "Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundliche Kommunen in Bayern (AGFK Bayern)", einem Netzwerk bayerischer Kommunen, das 2012 von 38 Gründungsmitgliedern und mit Unterstützung der bayerischen Landesregierung ins Leben gerufen worden war.

Auch Starnberg gehört zu diesen Gründungsmitgliedern und war bereits 2013 als erster Landkreis Bayerns als "fahrradfreundlich" vom Innenministerium ausgezeichnet worden. Einfach ist der Erwerb dieses Zertifikats nicht: Es muss zum Beispiel der politische Wille deutlich erkennbar sein, den Radverkehr zu fördern und die Bevölkerung dafür zu sensibilisieren. Das Zertifikat wird alle sieben Jahre erneuert, und es reicht dafür nicht, sich auf dem auszuruhen, was bereits umgesetzt worden ist. "Für mich ist die Zertifizierung ein Ansporn", sagt Landrat Stefan Frey (CSU) am Donnerstag.

Frey ist selbst leidenschaftlicher Radler. Er hat die Vorgaben der Bewertungskommission, in der neben den Landtagsabgeordneten Ute Eiling-Hütig (CSU) und Anne Franke (Grüne) auch Vertreter des bayerischen Verkehrsministeriums und des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) sitzen, bereits ohnehin auf der Agenda: zum Beispiel die Radwege zwischen dem Grafrather Ortsteil Mauern im Landkreis Fürstenfeldbruck und dem Wörthseer Ortsteil Etterschlag, zwischen Andechs und Herrsching, zwischen Herrsching und seinem Ortsteil Breitbrunn und zwischen dem Seefelder Ortsteil Unering und dem Weßlinger Ortsteil Hochstadt binnen der nächsten fünf Jahre zu realisieren, und zwar in dieser Reihenfolge. Damit soll sich der Kreistag vermutlich im Oktober befassen - und dann auch genauere Zeitpläne und Priorisierungen festlegen. Zudem plant er, auch personell Verkehrsmanagerin Susanne Münster mit Radwegebeauftragten zu unterstützen - auch ein Kriterium, das für die Auszeichnung relevant ist.

Überzeugt in vielen Bereichen hat der Landkreis die Jury aber bereits: etwa für seine Bemühungen um ein Alltagsradwegenetz und den Ausbau der E-Ladesäulen-Infrastruktur. Aber auch, weil ihm gelungen ist, in Erling ein Modellprojekt durchzusetzen: Piktogramme auf der Ortsdurchfahrt anzubringen, die auf den Radverkehr hinweisen - womöglich auch ein Grund, warum die Exkursion der Jury mit dem Pedelec am Donnerstag so entspannt ausfiel.

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SZ vom 06.08.2021
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