Süddeutsche Zeitung

Geplantes Gymnasium in Herrsching:Ruhiger Ausblick

Vom Streit um die neue Schule ist bei zwei Info-Abenden wenig zu spüren

Wenn man so will, wird in der Ammerseegemeinde ein erbitterter Kampf ausgetragen. Auslöser dafür ist der Plan des Landkreises, auf dem Mühlfeld ein neues Gymnasium zu bauen. Doch dagegen regt sich Widerstand. Eine Gruppe von Bürgern rund um die CSU-Gemeinderäte Willi Welte und Klaus Pittrich wollen die Schule lieber an der Seefelder Straße haben und wehren sich daher mit allen Mitteln gegen die Pläne des Kreises - allerdings nur auf dem Papier. Denn zur offenen Auseinandersetzung aller Protagonisten coram publico ist es bisher nicht gekommen - und das obwohl die Gegner in dieser Woche gleich zwei Mal die Gelegenheit dazu hatten.

Bereits am Montag hatte der Förderverein für ein zweites Gymnasium im westlichen Landkreis Starnberg zu einer Informationsveranstaltung zu den Bauplänen gebeten. Mehr als 100 Menschen waren der Einladung gefolgt, viele davon waren Eltern, die wissen wollten, was für ein Gymnasium genau das werden wird. Die Veranstaltung hatte ihren Grund: Welte, Pittrich und ihre Mitstreiter hatten nach ihrem für unzulässig erklärten ersten Bürgerbegehren gegen den Standort am Mühlfeld ein zweites initiiert. Der Verein fürchtete wohl, dass dieses, anders als das erste, für zulässig erklärt werden würde und damit die weiteren Planungen verzögern könnte. Deshalb hatte der Vorsitzende Jens Waltermann, der auch im Gemeinderat sitzt, und seine Stellvertreterin Sonja Sulzmaier den Info-Abend organisiert. In der Zwischenzeit aber hatte das Gremium auch das zweite Bürgerbegehren für unzulässig erklärt - und die Initiatoren auch gegen diese Entscheidung Klage eingereicht. Einen Verhandlungstermin für beide Klagen vor Gericht gibt es aber noch nicht.

Während sich also am Montag vor allem Eltern für das Vorhaben interessierten, waren es am Donnerstag, bei der frühzeitigen Beteiligung der Öffentlichkeit an der Planung, Anwohner. Diesmal hatten Gemeinde und Landkreis geladen - und wiederum waren dem mehr als 100 Menschen gefolgt. Die Anwohner, etwa aus der Panoramastraße, sorgten sich über die Erschließung des Geländes, befürchteten ein vermehrtes Verkehrsaufkommen allein durch Schulbusse oder hatten Angst vor der Höhenentwicklung des Gebäudes und dem Verlust ihres bislang freien Ausblicks. Sorgen, die die Planer - die Architekten Felix Schürmann und Tobias Pretscher vom Büro Schürmann Dettinger, die Landschaftsarchitektin Anke Raupach, Dietmar Narr (Bebauungsplan) und Maja Niemeyer (Flächennutzungsplan) nebst Kreiskämmerer Stefan Pilgram, Landrat Karl Roth und Bürgermeister Christian Schiller - wohl größtenteils zerstreuen konnten. Unter die Zuhörer hatte sich wieder Sonja Sulzmaier gemischt, Waltermanns Stellvertreterin im Förderverein. Sie trug mit ihren Argumenten wohl auch zur Entspannung bei: 60 Prozent aller Herrschinger Grundschüler träten derzeit ins Gymnasium über, sagte sie, zwei Drittel der künftigen Schüler am Mühlfeld kämen also nicht mit S-Bahn oder Schulbus, sondern aus dem Ort selbst.

Sie appellierte mit Blick auf einen neuen "unsäglichen" Bürgerbrief der Gegner an alle Herrschinger Haushalte, Populismus aus der Debatte herauszuhalten: "Sie nennen sich Team 'Bürger für Herrsching', aber sie sind Wutbürger gegen Herrsching." Unmittelbar etwas darauf entgegnen konnten die Initiatoren der Bürgerbegehren allerdings nicht. Sie glänzten, wie am Montag auch, durch Abwesenheit. Streitigkeiten werden in Herrsching wohl auch weiterhin auf dem Papier ausgetragen.

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SZ vom 14.12.2019
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