Süddeutsche Zeitung

Sanierung:So soll der neue Gasteig aussehen

Das Kulturzentrum wird wohl nach den Plänen des Architekturbüros Henn aus München saniert. Doch hatte der Aufsichtsrat überhaupt eine wirkliche Wahl?

Von Alfred Dürr und Heiner Effern

Der Gasteig wird höchstwahrscheinlich nach den Plänen des Architekturbüros Henn aus München saniert. Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung setzte sich dessen Entwurf für das Kulturzentrum am Freitag sowohl im Bewertungsgremium als auch im Aufsichtsrat durch. Eine offizielle Bestätigung dafür gab es nicht, der Gasteig-Aufsichtsrat hat sich und allen Experten allgemeines Stillschweigen verordnet, um der Entscheidung des Stadtrats nicht vorzugreifen. Der muss den Siegerentwurf am 24. Oktober noch endgültig bestätigen.

Damit setzten sich die Pläne durch, mit denen wohl auch die vier Alt-Architekten am besten zurechtkommen. Sie besitzen die Urheberrechte am Gasteig und könnten die knapp 500 Millionen Euro teure Sanierung ins Schleudern bringen. Mögliche Probleme mit zu erwartenden Einsprüchen hatte die SPD Anfang der Woche öffentlich gemacht. Eine geheime Sitzung jagte die nächste, bis schließlich durchsickerte, dass wohl einzig der Architekt Eike Rollenhagen Vorgaben für die Sanierung machen will. Besonders die sogenannte Bastion, also die abschottenden Mauern zur Rosenheimer Straße hin mit den Bäumen darauf, will er erhalten. Er soll sich eindeutig für den Henn-Entwurf ausgesprochen und die anderen strikt abgelehnt haben. Im Bewertungsgremium hatte deshalb am Freitag mancher den Eindruck, dass die abschließende Auswahl durch die Experten zu einer Farce geraten sei.

17 Architektenbüros hatten sich am Wettbewerb zur Generalsanierung von Europas größtem Kulturzentrum beteiligt. Drei Büros sind daraus im Mai als gleichberechtigte Sieger hervorgegangen. Neben Henn mit Rainer Schmidt Landschaftsarchitekten waren das Auer Weber Assoziierte, Stuttgart und München, mit Grabner Huber Lipp Landschaftsarchitekten sowie Wulf Architekten aus Stuttgart mit Club L 94 Landschaftsarchitekten und Theapro I Theaterprojekte Daberto und Kollegen Planungsgesellschaft. Diese drei Büros mussten ihre Entwürfe überarbeiten.

Unter anderem mit großen Glasflächen will sich der Gasteig der Zukunft zur Stadt öffnen. Henns Kernidee ist ein breites transparentes Band, das sich über den gesamten Baukörper zieht. Diese "Kulturbühne" soll zugleich die verschiedenen Institutionen und Säle, Foyer, Ausstellungsfläche und Eventbereich verbinden. Den vertikalen Abschluss des Gasteigs bildet im Obergeschoss ein Restaurant. Die raumhohe Glasfassade kann bei schönem Wetter vollständig geöffnet werden. Das Büro Henn will die Philharmonie mit minimalen baulichen Eingriffen sanieren, "um ein absolut optimales akustisches und räumliches Erlebnis zu erreichen", wie es in dem ersten Konzeptentwurf heißt. Großes Stillschweigen herrschte am Freitag darüber, wo und in welchem Umfang Veränderungen zu diesem ersten Entwurf vorgenommen wurden.

Henn will aus dem Gasteig mit seiner typischen Klinkerfassade ein Gebäude entwickeln, das seine Vergangenheit nicht verleugnet, das aber auch ganz neue architektonische Akzente setzt. 1976 begannen die Arbeiten an dem das Stadtbild prägenden Bau nach den Plänen der Architektengemeinschaft Raue Rollenhagen Lindemann Grossmann. Das Büro Henn, das von Gunter Henn und 20 Partnern geführt wird, verfügt über hohes internationales Renommee. Neben der Zentrale in der Augustenstraße gibt es Büros in Berlin und Peking.

Henn hat in München nicht nur das Fraunhofer-Hochhaus an der Garmischer Straße entworfen. Das denkmalgeschützte Hypo-Hochhaus wurde nach den Plänen des Büros einer energetischen Sanierung und völligen Neugestaltung der Innenräume unterzogen. Das äußere Erscheinungsbild blieb erhalten. Für den Autobauer BMW entwickelt Henn das Forschungs- und Innovationszentrum (FIZ) im Münchner Norden weiter. Im Kern geht es Henn immer darum, wie man die Bauten so organisiert, dass sich die Mitarbeiter und die Besucher möglichst angenehm begegnen können. 2021 sollen die Sanierungsarbeiten am Gasteig voraussichtlich beginnen und fünf Jahre später enden.

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Quelle:
SZ vom 13.10.2018/sim
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