Süddeutsche Zeitung

Trachten- und Schützenumzug:Wiesn-Tradition trotzt Regenwetter

Lesezeit: 2 min

Es ist nass, kalt und ungemütlich während des traditionellen Trachten- und Schützenumzugs zur Wiesn. Doch davon lassen sich die Teilnehmenden nicht unterkriegen - im Gegenteil.

Von Sarah Maderer

Schläfrig und leer gefegt mutet München am Sonntagmorgen an, bei Dauerregen und kühlen zehn Grad. Doch folgt man den dampfenden Pferdeäpfeln auf der Erhardtstraße entlang der Isar, dann begegnet man vereinzelten Pferdegespannen, die sich am Maxmonument dem großen Trachten- und Schützenumzug anschließen. Ein Touristenpaar springt auf einen noch leeren Wagen, beglückt von der an Lokalkolorit unüberbietbaren Mitfahrgelegenheit.

Seit 1950 findet der traditionelle Umzug der Trachtler am ersten Wiesnsonntag statt. Mit etwa 9000 Beteiligten, 60 Zugnummern und einer Länge von sieben Kilometern ist er einer der größten Umzüge der Welt. Zu den Marschklängen der Uffinger Trommler und dem Glockengeläut von St. Lukas setzt sich der Tross um kurz nach zehn in Bewegung, von der Maximilianstraße über den Stachus bis zur Theresienwiese.

Trachten-, Sport- und Schützenvereine, Spielmannszüge und Musikkapellen in traditionellen Uniformen sorgen für ein buntes Spektakel. Von aufwendig geschmückten Fasswagen der Brauereien und Jongleuren auf dem opulenten Circus-Krone-Wagen, über den Trachtenverein der Schäffler im Hopfen- und Sonnenblumen-gekränzten Gespann, bis zu Jagdvereinen mit ausgestopftem Wild und aufgeregten, von Pferden eingekesselten Jagdhunden. So mancher Greifvogel möchte sich vom Arm seines Trägers losmachen, sicherlich keine Werbeveranstaltung für den Tierschutz.

Doch zunächst heißt es abwarten. Mit Zugnummer und Wartezone, genauestens definiert auf Straßenname, Haus- und sogar Fensternummer, stellen sie sich entlang der Isar auf. So auch die Musiker und Musikerinnen der Stadtkapelle Donauwörth, die in ihrer royalblauen Uniform - zu der dankenswerterweise ein regenabschirmender Hut gehört - nahe der Praterwehrbrücke auf ihren Einsatz warten. Nach ihrer ersten Bewerbung musste die Kapelle drei Jahre auf ihre Teilnahmeerlaubnis warten, umso größer ist nun die Freude, bereits das dritte Mal mitlaufen zu dürfen.

Über eine Stunde wird es dauern, bis sich die Donauwörther mit der Zugnummer 55 bereit machen können und sich alle Ehrengast-Kutschen dem Zug angeschlossen haben. Den Anfang macht Oberbürgermeister Dieter Reiter mit Gattin Petra in offener Kutsche und wetterfestem Anorak. Lächeln und Winken, sobald sich die vier Zugpferde in Bewegung setzen. Während Regen und Wind zunehmen, macht sich die weiß-blaue Kutsche der Söders bereit. Gemeinsam unter einem Schirm strahlen der Ministerpräsident und seine Frau der Menge entgegen. Nach längerer Wartezeit darf sich Wiesnchef Clemens Baumgärtner hinter der Kutsche der Zweiten Bürgermeisterin Katrin Habenschaden einreihen.

Zur Halbzeit haben Kälte und Nässe manch kleinen und großen Zuschauenden mürbe gemacht. Die Ausdauer der Marschierenden, deren Tracht nicht selten kurzärmlig ist, ist bewundernswert. Mit steigender Zugnummer sinkt nicht etwa die Begeisterung der Trachtler. Am Ende der Wartezone hält sich ein Tanzkreis aus dem Allgäu mit Livemusik und Schuhplattler warm und bei Laune - die Gemeinschaft macht den Verein.

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