Süddeutsche Zeitung

Fluchtwege und Fehlalarme:Wie der Brandschutz in Hellabrunn funktioniert

Nach der Feuerkatastrophe im Zoo von Krefeld erklärt Münchens Tierpark-Chef Rasem Baban, wie sie sich auf den Brandfall vorbereiten. Denn für die Feuerwehr ist der Zoo ein schwieriges Einsatzgebiet.

Das Münchner Urwaldhaus hat auch keine Brandmelder. Genauso wie das Menschenaffenhaus im Krefelder Zoo keine hatte, das in der Silversternacht abgebrannt ist, nachdem mutmaßlich eine sogenannte Himmelslaterne ein Feuer auslöste. Mehr als 30 Tiere kamen ums Leben. Kann das also in München ganz genauso passieren? "Zu 100 Prozent lässt sich ein Brand nie ausschließen", sagt der Tierpark-Chef Rasem Baban und erklärt das Brandschutzkonzept in Hellabrunn.

"Wir bauen alle neuen Gebäude nach den Brandschutzvorgaben." Das Menschenaffenhaus wurde im Jahr 2001 eingeweiht, zu einem Zeitpunkt, an dem es laut Baban noch keine Vorschrift gab, Brandmelder mit einzubauen. Das liegt vor allem auch daran, dass man nicht einfach handelsübliche Brandmelder in einem Affenhaus anbringen kann. "Da herrschen schwierige Bedingungen", sagt Baban und meint die hohe Staubentwicklung durch Stroh, Heu, Sand oder trockene Erde. Normale Brandmelder würden bei solchen Bedingungen "alle drei Minuten auslösen". Im Menschenaffenhaus gibt es derzeit den Richtlinien entsprechend Feuerlöscher und Fluchtwege - für die Besucher. Allerdings ist für dieses Jahr ein nachträglicher Einbau einer Brandmeldeanlage geplant. Eine, die es im renovierten Elefantenhaus bereits gibt.

Der Architekt Baban hat bei der Renovierung des Elefantenhauses die Bauarbeiten auch dazu genutzt, eine moderne Brandüberwachung installieren zu lassen, die an das Gebäude und die Bewohner angepasst ist. Allerdings habe es in der Vergangenheit schon auch den ein oder anderen Fehlalarm gegeben. "Es gibt ja Brandmelder, die auf Hitze reagieren oder auf Rauch." Das Elefantenhaus hat Rauchmelder. Werden die ausgelöst, geht der Alarm sowohl direkt an die Feuerwehr als auch an die Diensthabenden des Zoos. "In so einem Fall wäre man dann zusammen im Einsatz."

Für die Feuerwehr ist der Zoo ein schwieriges Einsatzgebiet. Man kann da nicht einfach alle Bereiche betreten, die man als Feuerwehrmann im Falle eines Feuers betreten wollen würde. Etwa, wenn es um das Gehege eines Tigers geht. Deshalb gibt es zweimal im Jahr Ortsbegehungen mit allen Löschmannschaften, die dann geschult werden, welche Bereiche sie meiden müssen zum Beispiel.

Im Brandfall gehe es vor allem darum, die Tiere ins Freie zu bringen, sagt Baban. Aber nicht durch ein automatisches Öffnen der Tore. "Denn wir müssen eben immer zu jedem Zeitpunkt wissen, wo die Tiere sind, sonst sind alle Rettungskräfte noch zusätzlich in Gefahr, nicht nur durch das Feuer."

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SZ vom 03.01.2020/syn
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