Süddeutsche Zeitung

München:Start-up bringt nachhaltige Grillkohle auf den Markt

Die Idee dazu kam Aaron Armah, als er die Arbeitsbedingungen in Ghana sah. Statt auf Holz aus den Tropen setzt er auf Stadtwald.

Holzkohle brennt ohne Flamme. Dafür wird sie von grillenden Menschen geschätzt - und fast nur für die wird sie inzwischen hergestellt. Holz wird dafür unter Luftabschluss erhitzt. Den Beruf des Köhlers gibt es hierzulande kaum noch, das Produkt entsteht heute in Retortenöfen. In Afrika dagegen gibt es die Meiler, die Holzhaufen, die erst abgedeckt und dann in Brand gesetzt werden, noch zahlreich.

Dem Start-up "Nero Grillkohle" ist es wichtig, dass kein Holz aus den gefährdeten Tropenwäldern verfeuert wird. Zum Start der Grillsaison hat das Drei-Mann-Unternehmen deshalb Kohle mit Nachhaltigkeits-Zertifikat auf den Markt gebracht. In verschiedenen Münchner Bioläden sieht man nun die Säcke mit "Naturland"-Siegel. Ein Anruf bei "Nero"-Mitbegründer Aaron Armah, 34.

SZ: Nachhaltige Grillkohle? Wie kamen Sie denn auf diese Idee?

Aaron Armah: Wir grillen selbst sehr gerne. Und dann haben wir einmal Urlaub in Ghana gemacht und dort diese mittelalterlichen Meiler gesehen, in denen Holzkohle hergestellt wird. Wir haben die schlechten Arbeitsbedingungen gesehen, das ganze Tropengehölz am Straßenrand und die Kinder, die auf den Holzstapeln herumgesprungen sind. Mein Vater kommt aus Ghana. Da kommt man auch mit den Leuten vor Ort leicht ins Gespräch. Nach der Reise haben wir dann selbst recherchiert.

Dennoch: Warum sollte sich der Kunde für nachhaltigkeits-zertifizierte Grillkohle interessieren? Braucht er das?

Der Handel mit Tropenholz wird in der EU zwar reguliert - aber alles, was als Grillkohle gilt, darf zurzeit noch uneingeschränkt importiert werden. Wir hatten eine Untersuchung der Nichtregierungsorganisation TFT mit Zahlen für den deutschen Markt vorliegen. Sie geht aufgrund einer Stichprobe davon aus, dass bis zu 50 Prozent der hier verkauften Grillkohle - das waren 2016 etwa 250 000 Tonnen - Tropenhölzer enthält. Auf Basis dieser Zahlen haben wir errechnet, dass in Deutschland somit jedes Jahr eine Regenwaldfläche von 1900 Fußballfeldern im Grill verschwindet. Wir verwenden nur Holz aus dem Stadtwald Saarbrücken und arbeiten mit einem Holzkohlewerk in Gyé-sur-Seine in Frankreich zusammen. Die Transportwege sind also sehr kurz. Wir nehmen auch nur Resthölzer, also solche, die sich für die Möbelherstellung nicht eignen. Der Stadtwald Saarbrücken umfasst etwa 2000 Hektar und jährlich fallen da etwa 4000 Tonnen Restholz an.

Die Umweltorganisation WWF sagt, dass Deutschland die meiste Grillkohle nicht aus Afrika oder Südamerika importiert, sondern aus Polen.

Das ist richtig. Es wird dort aber auch viel Holzkohle zum Beispiel aus Afrika nur umgepackt. Nigeria ist ein großer Exporteur von Holzkohle, und verschifft sie zum Beispiel vorwiegend nach Polen. Die Herkunft des Holzes wird bei Grillkohle gerne verschleiert. Eine Pflicht die Holzquellen anzugeben gibt es leider nicht.

Wie ist denn bisher der Absatz für Sie?

Seit 2015 gibt es uns, aber dieses Jahr sind wir zum ersten Mal mit unserer bio-zertifizierten Grillkohle in den Läden vertreten, in etwa 700 deutschlandweit. Wir warten noch auf besseres Wetter.

Andere Firmen bieten als Alternative Grillkohle aus Olivenkernen, Weinstöcken oder Kokosschalen an.

Grundsätzlich finden wir das gut. Aber bei Kokosprodukten zum Beispiel fragen wir uns, unter welchen Umständen diese hergestellt wurden. Klar werden für Olivenkerne oder Kokosschalen keine Bäume gefällt. Uns ist es aber wichtig, dass die Lieferwege kurz sind, damit die Umwelt geschont wird. Deshalb haben wir uns gegen die Produktion in fernen Ländern entschieden. Quellen für Grillkohle sind schließlich nah: Wir haben hier in Deutschland einen nachhaltig bewirtschafteten Waldreichtum.

Wie viel zahlt man für Ihre Grillkohle?

Unsere Holzkohle kostet etwa 2,50 Euro pro Kilogramm. Es gibt im Discounter sicher die gleiche Menge auch für 1,50 Euro, aber dann weiß man eben nicht, unter welchen Arbeitsbedingungen sie hergestellt und ob dabei die Umwelt gefährdet wurde.

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Quelle:
SZ vom 16.05.2017/vewo
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