Süddeutsche Zeitung

Externe Firmen sollen übernehmen:Mercedes will Niederlassungen verkaufen

Lesezeit: 1 min

Auch der imposante Standort an der Donnersbergerbrücke könnte betroffen sein. Kündigungen soll es keine geben, trotzdem nennt der Betriebsrat die Pläne "vollkommen inakzeptabel".

Von Andreas Schubert

Freunde der Automarke mit dem Stern freuen sich jedes Jahr im Advent wieder, wenn sie über die Donnersbergerbrücke fahren. Dann nämlich erstrahlen, bunt ausgeleuchtet, in Münchens größtem Adventskalender edle oder historische Mercedes-Modelle. Ob es diese vorweihnachtliche Aktion im Mercedes-Benz-Center an der Arnulfstraße auch in Zukunft geben wird, ist ungewiss. Denn der Vorstand von Mercedes-Benz will seine konzerneigenen Niederlassungen in Deutschland verkaufen. Betroffen wären etwa 80 Betriebe mit rund 8000 Mitarbeitern. In der Münchner Niederlassung, zu der die Betriebe an der Arnulfstraße, der Landsberger Straße, am Otto-Hahn-Ring und der Ingolstädter Straße sowie in Gauting und Wolfratshausen gehören, arbeiten etwa 750 Mitarbeiter.

Schließen sollen die Autohäuser und Werkstätten nicht. Stattdessen sollen externe Händler den Vertrieb und den Service übernehmen. Der Autobauer selbst will sich mehr auf die Herstellung fokussieren. Im Ausland haben den Verkauf schon seit Längerem externe Firmen übernommen.

Auch wenn für die Beschäftigten bis Ende 2029 betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen sind, wollen der Münchner Betriebsrat und die Gewerkschaft IG Metall die Pläne aus Stuttgart nicht einfach so hinnehmen. Am Dienstag haben sich die Mitarbeiter zu einer außerordentlichen Betriebsversammlung getroffen. Der Betriebsrat bezeichnete die Vorstandspläne als "vollkommen inakzeptabel und in keinster Weise nachvollziehbar", teilte die IG Metall nach der Versammlung mit. Die Mitarbeiter hätten in den vergangenen Jahren "zahlreiche Entbehrungen auf sich genommen und viele Zugeständnisse gemacht", um die Profitabilität der Niederlassungen sicherzustellen. Diese seien seit fünf Jahren profitabel. Gewerkschaftssekretär Kai Winkler, der bei der Versammlung dabei war, berichtete von Wut innerhalb der Belegschaft.

Sollte es trotz des Widerstands aus der Belegschaft zu einem Verkauf kommen, müsste der Käufer wohl die Beschäftigungssicherung mit übernehmen. Wer die Niederlassungen kaufen wolle, kaufe auch eine starke und organisierte Belegschaft. "Die gibt es nur mit Tarifbindung", sagte Winkler.

Mercedes ist seit 1892 in München vertreten. Das Autohaus an der Arnulfstraße gibt es seit 1959. Im Jahr 2003 wurde der Neubau eröffnet, seither leuchtet auch jeden Dezember der Adventskalender.

Bestens informiert mit SZ Plus – 4 Wochen kostenlos zur Probe lesen. Jetzt bestellen unter: www.sz.de/szplus-testen

URL:
www.sz.de/1.6346061
Copyright:
Süddeutsche Zeitung Digitale Medien GmbH / Süddeutsche Zeitung GmbH
Quelle:
SZ
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über Süddeutsche Zeitung Content. Bitte senden Sie Ihre Nutzungsanfrage an syndication@sueddeutsche.de.