Süddeutsche Zeitung

Streit um IAA-Ausstellungsflächen:Kein Stern mehr auf dem Odeonsplatz

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Grün-Rot will bei der nächsten IAA die sogenannten "Open Spaces" für Automobilhersteller auf zentralen Plätzen verkleinern. Doch das Wirtschaftsreferat sieht deshalb den guten Ruf des Messestandorts bedroht.

Von Andreas Schubert

Die Messe IAA Mobility hat vergangenes Jahr 400 000 Besucher angezogen - aber auch einiges an Kontroversen ausgelöst. Neben den Protesten der Klimaschützer regte sich Kritik an der Ausstellung auf den öffentlichen Plätzen im Zentrum Münchens, den sogenannten Open Spaces. Die waren vielen zu überdimensioniert, vor allem den Mercedes-Stand am Odeonsplatz direkt vor der Feldherrnhalle hielten Kritiker für zu groß und deplatziert.

Deshalb haben sich unter anderem Vertreter des Stadtrats und der betroffenen Bezirksausschüsse, die Veranstalter - also die Messe München und der Verband der Automobilindustrie (VDA) - sowie Umweltverbände zu einem "Runden Tisch" zusammengefunden, um die Kritik aufzuarbeiten.

An diesem Dienstag wurden die Ergebnisse der Runde in einer gemeinsamen Sitzung des Wirtschafts- und des Kreisverwaltungsausschusses diskutiert. Ein wesentlicher Wunsch, der beim Runden Tisch geäußert wurde, war, die Ausstellungsflächen am Königsplatz und Odeonsplatz zu verkleinern und stattdessen den Open Space zu entzerren. Das haben nun die Fraktionen der Grünen und der SPD in einem Änderungsantrag aufgegriffen.

Der sieht vor, den Platz vor der Feldherrnhalle nicht mehr als Ausstellungsfläche zu nutzen, sondern dort einen "konsumfreien Ort" zum Verweilen zu schaffen. Am Königsplatz soll zudem die Netto-Ausstellungsfläche um 2000 Quadratmeter reduziert werden, um eine Querungsmöglichkeit für Fußgänger und Radler zu schaffen. Als Ausgleich sollen in der Ludwigstraße nördlich des schon bestehenden Open Space Flächen zur Verfügung gestellt werden, sofern das Kreisverwaltungsreferat keine Einwände hat.

Die Abstimmung über die Vorlage wird vertagt

Auch über die Trasse der sogenannten Blue Lane, die das Messegelände in Riem und die Innenstadt verbindet, solle neu nachgedacht werden. Die Route über die A94 und die Prinzregentenstraße, die dem umweltfreundlichen Verkehr vorbehalten war, hat sich im Nachhinein als Fehlschlag erwiesen, nicht zuletzt, weil sie auch von anderen Autofahrern benutzt wurde und sich auch dort Staus bildeten. Zuletzt soll der Open Space 2023 nicht mehr eingezäunt werden, wie es wegen der Corona-Vorschriften 2021 der Fall war.

SPD-Fraktionschefin Anne Hübner und Grünen-Fraktionschef Dominik Krause kritisierten die Vorlage des Wirtschaftsreferenten, da sie im Prinzip alles so belassen wolle, wie es 2021 war. Hübner nannte die Änderungsvorschläge fair, sie stellte das Konzept der IAA Mobility nicht grundsätzlich in Frage. Dennoch sind sie insofern heikel, weil die Nutzung der öffentlichen Plätze den Veranstaltern vertraglich zugesichert ist. Außerdem war sie ein wesentlicher Teil der Bewerbung um die IAA. Wirtschaftsreferent Clemens Baumgärtner (CSU) warnte deshalb davor, dass München die IAA wieder verlieren und seinen Ruf als Messestandort beschädigen könnte. Zudem könne es zu Schadenersatzforderungen kommen.

Der VDA selbst zeigt sich prinzipiell offen für Anregungen, wie Geschäftsführer Jürgen Mindel in der Sitzung betonte. Allerdings betonte er, dass der VDA darüber mit den Ausstellern sprechen müsse, das benötige Zeit. Auch mit dem KVR muss zunächst noch geklärt werden, ob eine Verlegung von Ausstellungsflächen überhaupt machbar ist. Die Abstimmung über die Vorlage und den Änderungsantrag wurde deshalb in die Vollversammlung des Stadtrats am 29. Juni vertagt - nicht viel Zeit für Gespräche und neue Planungen. Bürgermeisterin Katrin Habenschaden (Grüne) forderte deshalb alle Beteiligten dazu auf, sich gut zu vernetzen.

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