Süddeutsche Zeitung

Heiße Tage:Der Sommer kann kommen

Bis zu 36 Grad soll es in den kommenden Tagen geben. Die Stadt ist auf die Hitzewelle vorbereitet, auch der Sylvensteinspeicher ist gut gefüllt.

Brütende Hitze legt sich über München. Die Temperaturen werden in den kommenden Tagen auf 36 Grad steigen, das wäre der heißeste Junitag, der jemals gemessen wurde. Den bisherigen Hitzerekord hält das Jahr 2013, am 18. Juni kletterte das Thermometer an der Messstelle des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in München auf 35,2 Grad. Doch soweit das möglich ist, ist die Stadt gut auf die erste Hitzewelle des Jahres vorbereitet.

Wasserpegel

"Bei den hohen Temperaturen schmilzt auch der Schnee sehr schnell", sagt Lothar Bock vom Regionalen Klimabüro des DWD. "Selbst auf der Zugspitze werden in den kommenden Tagen Höchstwerte um und über zehn Grad Celsius erwartet." Für den Schneeferner bedeutet das, dass er weiter abschmilzt, das Wasser rauscht zu Tal und lässt die Flüsse anschwellen - und das mitten im Hitzefrühsommer. Die Menschen denken bei Hitze schnell an Trockenheit und Dürre. Doch wegen der starken Gewitter in den vergangenen Tagen sind auch die Böden noch relativ feucht. Dazu kommt die Schneeschmelze, die vor allem den Pegel des Inns hat ansteigen lassen. Die Isar führt derzeit noch genügend Wasser, der Fluss wird über den Sylvensteinsee vom Wasserwirtschaftsamt Weilheim reguliert. Der Speicher südlich von Lenggries sei derzeit gut gefüllt, auch in den kommenden Monaten werde genügend Wasser die Isar hinunter rauschen, wie Roland Kriegsch sagt. "Wir sind gerüstet", meint der Leiter des Wasserwirtschaftsamts. Bis die letzten Schneefelder in den bayerischen Alpen geschmolzen sind, eignet sich die Isar gut für eine Abkühlung: das Wasser ist noch recht frisch. anl

Kliniken

"Wir haben unsere Notfallkapazitäten erhöht, um ähnlich wie bei einer Grippewelle gewappnet zu sein", sagt Johannes Maxrath, Chefarzt der Zentralen Notaufnahme und Kardiologe am Rotkreuzklinikum München. Gerade ältere Menschen würden ihren Alltag häufig nicht dem Wetter anpassen und hätten dadurch vermehrt Herzprobleme. Auch die Mitarbeiter im Klinikum rechts der Isar sowie in der München Klinik rechnen aufgrund der Hitze mit mehr Patienten in den Notaufnahmen. Besonders für ältere Menschen und solche mit chronischen Herz-Kreislauf-Erkrankungen können Temperaturen über 30 Grad stark belastend sein. "Bei älteren Menschen ist das Durstempfinden weniger ausgeprägt, deswegen droht eine Dehydrierung, die mit Kopfschmerzen, Schwindel und Bewusstseinstrübungen einhergehen kann", warnt Brigitte Buchwald-Lancaster, Ärztin für Altersmedizin der München Klinik. Sie rät, zwei bis drei Liter am Tag zu trinken. Gerade ältere und chronisch kranke Menschen sollten mittags die Sonne meiden und sich in kühlen Räumen aufhalten. Patienten, die aufgrund einer Herzschwäche normalerweise nicht zu viel trinken dürfen, sollten unbedingt Rücksprache mit ihrem Arzt halten. inra

Feuerwehr

Leichte Kleidung tragen, Schatten aufsuchen, viel trinken: Was die Feuerwehrleute ihren Mitbürgern raten, können sie selbst im Ernstfall nur bedingt umsetzen. Bei den derzeitigen Temperaturen sind sie froh, wenn der Einsatzleiter "Marscherleichterung" anordnet. Dann wird die mehrlagige Schutzkleidung erst am Brandherd selbst vollständig angelegt oder geschlossen - Vorrang hat immer die Sicherheit im Einsatz. Vor allem unter dem Mantel kann sich die Hitze gefährlich stauen. Wer den 2000 Hauptamtlichen der Münchner Berufsfeuerwehr und ihren mehr als 1000 ehrenamtlichen Kollegen derartige Strapazen ersparen möchte, passt in den nächsten Tagen besonders auf. Die üblichen Vorsichtsmaßnahmen beim Umgang mit Feuer gelten bei Hitze, Sonnenschein und Wind erst recht. Wer das Traumwetter zum Grillen nutzen möchte, sollte immer Wasser zum Löschen dabei stehen haben. Und in der freien Natur ist Feuermachen sowieso verboten. Noch ist rund um München die Waldbrandgefahr nach dem Starkregen der vergangenen Woche gering. Doch der Wind aus der Sahara und die Hitze trocknen Böden, Wiesen und Wälder schnell aus. Spätestens am Mittwoch rechnet auch die Münchner Branddirektion mit zunehmender Waldbrandgefahr. bm

Wasserwacht

Die ehrenamtlichen Helfer der Münchner Wasserwacht kann man mit einer Hitzewelle nicht erschrecken. "Das ist unser Standardgeschäft", sagt Daniela Haupt von der Kreiswasserwacht. "Bei Badewetter machen wir an den Wochenenden und an Feiertagen unsere ganz normalen Wachdienste." Ob am Heimstettner oder dem Lerchenauer See, am Flaucher oder der Langwieder Seenplatte - die neun Ortsgruppen der Wasserwacht leisten in ihren Stationen, am Ufer und im Wasser Erste Hilfe und retten Menschen in Not. Hitze ist dabei kein Garant für stressige Tage: "Es gibt Tage mit 36 Grad und fast keinen Einsatz. Und manchmal rücken wir bei 25 Grad stündlich aus", erzählt Daniela Haupt. Pauschal könne man nur sagen: Je mehr Menschen zusammenkommen, desto mehr passiert. Für die Retter ist eine Reihe heißer Tage eigentlich das schönste am Sommer: "Wir sind alle sehr gerne am und im Wasser, sonst hätten wir ein anderes Hobby", sagt Haupt. lod

Straßenmeisterei

"Zu heiß kennen wir eigentlich nicht. Bestenfalls angenehm warm", scherzt Frank Plate von der Straßenmeisterei München. Hitzefrei gebe es für seine Leute daher trotz der sommerlichen Temperaturen nicht. "Oberkörperfrei gibt es bei uns auch nicht", betont der Hauptstraßenmeister. Und auch keine kurzen Hosen. Die Arbeiter müssen ihre ganz normale Sicherheitskleidung tragen. "Das Verletzungsrisiko ist sonst zu hoch", erklärt er. Trotzdem tue die Straßenmeisterei ihr Möglichstes, um die Arbeit erträglich zu gestalten: "Ab Temperaturen über 28 Grad stellen wir unseren Mitarbeitern Wasserflaschen zur Verfügung." Um Sonnenstiche zu vermeiden, teile die Behörde zudem Hüte aus. "Wenn es trotzdem zu heiß wird, können wir auch unsere Arbeitszeit vorverlegen", erklärt er. Statt um sieben Uhr dürfen die Mitarbeiter der Straßenmeisterei in den kommenden Tagen bereits um sechs Uhr anfangen. "Dann ist für die Kollegen um kurz vor drei Schluss mit der Arbeit", sagt Plate. SZ

Trinkbrunnen

"Viel trinken!", so lautet der wohl häufigste Ratschlag bei Hitze. Wer auf dem Weg durch die Innenstadt ins Schwitzen gerät, kann sich kostenlos an einem von derzeit elf Trinkbrunnen oder dem Trinkwasserspender am Rindermarkt erfrischen. Am Marienplatz etwa am unscheinbaren Kräutlmarktbrunnen, am Merkurbrunnen im Tal, am Kosttor oder gleich an acht Brunnen am Viktualienmarkt. Jede Woche nimmt das Baureferat Wasserproben, zweimal pro Woche wird geputzt - so soll Trinkwasserqualität sichergestellt werden. Was nach einem uralten Brauch klingt, ist in München eine echte Neuerung: ausgewiesen sind die Trinkbrunnen als solche erst seit diesem Frühjahr. Um nicht nur den Durst der Altstadtbesucher zu löschen, werden derzeit die Bezirksausschüsse befragt, welche der 44 weiteren Frischwasserbrunnen in der Stadt sich für das Projekt eignen würden. Zudem können die Stadtteilgremien weitere Trinkwasserspender beantragen. Nur auf eine Frage hat das Baureferat keine Antwort parat: Nämlich die, ob die Münchner bei Hitze die Trinkbrunnen auch tatsächlich mehr nutzen. lod

Eiscafés

Beim Eiscafé Eismeer im Glockenbachviertel weiß man sich gegen die hohen Temperaturen zu wehren. "Die Räume der Kühlgeräte halten wir gut gelüftet und kühlen sie teilweise per Klimaanlage runter", erklärt Chef Robert Maier-Kares. Das ist nötig, damit es den Maschinen nicht zu heiß wird. Ansonsten kommt das Natureis mit der Hitze gut klar, denn es ist bei jeder Temperatur in einem abgedeckten Behälter - das ist wichtig, damit es seine Haltbarkeit ohne Konservierungsstoffe bewahrt. Gekühlt wird neben dem Eis auch das gesamte Café. "Ab 30 Grad machen wir die Schotten dicht," sagt Maier-Kares. Und das kommt gut an. Besonders ältere Leute und Rettungskräfte kämen für eine Ruhepause ins Café und schätzten, dass man sich hier abkühlen könne. Steigen die Temperaturen, sinkt beim Eismeer mittags der Umsatz. "Wenn es so heiß ist, kommen die Leute später und wir haben deshalb länger geöffnet". Statt meterlangen Schlangen erwarten einen nach der Mittagspause also deutlich kürzere Wartezeiten. aren

Tierschützer

Einer Wüstenrennmaus macht diese Hitze naturgemäß wenig aus, Papageien und Sittichen auch nicht. Aber die liebsten Haustieren der Deutschen, die Hunden und Katzen, leiden ganz schön unter den Temperaturen. Deswegen hat das Tierheim in Riem alle ehrenamtlichen Gassigeher aufgerufen, möglichst früh mit den Hunden spazieren zu gehen. Oder gegen Abend, wenn die Sonne nicht mehr so brennt. Im Zwinger haben die Hunde spezielle Bademuscheln. "Manche liegen da den ganzen Tag drin", sagt Judith Brettmeister vom Tierschutzverein. Schwieriger ist es mit den wasserscheuen Katzen. Wenn die Sonne auf das Flachdach des neuen Katzenhauses brennt, hängen die Pfleger feuchte Tücher für die 160 Bewohner auf. Wer den Wildtieren im Sommer etwas Gutes tun will, stellt Schalen mit frischem Wasser in den Garten oder auf den Balkon. Am besten mit einem Stein darin, der ein bisschen aus dem Wasser schaut, dann haben Bienen und andere Insekten einen guten Landeplatz. Alle Hundehalter erinnern die Tierschützer an die oberste Regel für den Sommer: "Kein Hund im Auto!" anh

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Quelle:
SZ vom 25.06.2019, anl, lod, inra, bm, aren, anh/cck
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