Süddeutsche Zeitung

Förderung junger Bands:Schwitzende Hände und der Hu-Moment

Bei der Demo-Listening-Session der Fachstelle Pop schicken junge Musiker Songs ein und bekommen Anregungen von Experten. Das sorgt manchmal für Gänsehaut.

Von Nicole Salowa

Sanfte Gitarrenklänge strömen aus den Lautsprechern der Kranhalle im Feierwerk. Laura Glauber schließt ihre Augen - aufmerksam lauscht sie dem ersten Song des Abends. Als Vocalcoach und Sängerin der Band Lauraine wird sie als eine der vier anwesenden Expertinnen und Experten gleich ihr Feedback abgeben. Es ist die vierte Ausgabe der Demo-Listening-Session der Fachstelle Pop vom Feierwerk. Im Vorfeld durften junge Musiker ungeschliffene Aufnahmen ihrer Songs einschicken - "willkommen sind alle, die im weiten Feld der Popkultur aktiv sind. Genreunabhängig", heißt es auf der Website der Fachstelle Pop. Damit sind die Musiker selbst, sowie die Besucher der Session gemeint, die auf den Holzstühlen Platz nehmen.

"Vibey", lobt Daniel Fahrländer (Fahrlænd) den Song von Caitlin Dalton. "Der Refrain könnte aber etwas mehr aufmachen, vielleicht mit einem Synthesizer oder einer Orgel", wirft er ein und ahmt dabei mit dem Mund Instrumente nach. Jeder der insgesamt acht Songs wird sorgsam unter die Lupe genommen. Das Ziel: Jungen Musikern konstruktive Kritik geben, sie auf ihrem Weg unterstützen. "Wirklich mutig, dass ihr eure Demos präsentiert. Ich erinnere mich noch, als ich das mit schwitzenden Händen zum ersten Mal machte", sagt Mario Radetzky (Blackout Problems).

Die Lichter der Scheinwerfer lassen den Raum in einem warmen Orange erstrahlen, in einer Sitzecke am Rande des Raums sitzt die Band Plume, die fünf Bandmitglieder halten Händchen, warten darauf, dass ihr Song abgespielt wird.

Als dritter Track des Abends ertönt die sanfte, aber kräftige Stimme von Lisette Lowe. "Ich hatte einen Hu-Moment", sagt Laura Glauber und meint damit, dass der sich in Wellen aufbauende Ambient-Indie-Track Gänsehaut bei ihr auslöste.

Genreunabhängig - das beweist die Demo-Listening-Session mit einer Songauswahl, die es schafft, die Münchner Musikszene in ihrer Vielfältigkeit widerzuspiegeln. Von Pop über Emo-Rap bis hin zu Alternative Rock bekommen Publikum und Jury knapp zwei Stunden einen Einblick in die Welt der jungen Newcomer. "Es ist so nice, was man für verschiedene Dinge hört an so einem Abend und dabei erlebt, was diese Stadt zu bieten hat", sagt Mario Radetzky. Und vielleicht war ja auch eine Band dabei, die im kommenden Jahr beim "Sound of Munich Now" zu hören ist. Oder zwei.

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