Süddeutsche Zeitung

Tío Bar:Eine Bar wie eine WG-Küche

Zwar ist die Tío Bar noch nicht lange in der Theresienstraße - doch sie hat sich schon etabliert. Vor allem, weil das Outfit Nebensache ist und aus einem Bier leicht mehrere werden.

Klar, Bars gibt es viele in München - nicht zuletzt in der Maxvorstadt. Besonders hoch ist die Bardichte rund um die Uni. Aber auch dort fehlen Bars, in die man ohne einen Gedanken an das eigene Outfit zu verschwenden reinspazieren kann. Eine Bar also, die sich eher nach WG-Küche anfühlt, als nach, nun ja, einer x-beliebigen Bar eben. Und was ist eigentlich mit Bars jenseits der Augustenstraße? Die lassen sich an einer Hand abzählen. Eine neue ist erst Ende letzten Jahres hinzugekommen: die Tío Bar in der Theresienstraße.

Dass die Bar erst vor Kurzem eröffnet hat, merkt, wer einen Blick auf das Interieur wirft: Die Wände sind bis auf einige Kacheln um die Barregale herum noch strahlend weiß, die Farbe auf den vielen zusammengewürfelten Holzstühlen, die bis auf die Füße türkis, blau, grün oder weiß gestrichen worden sind, ist noch nirgends abgeblättert und über jedem einzelnen Tisch hängt ganz akkurat angebracht eine schlichte, schwarze Lampe im Industriallook. Den Raum lässt das zwar insgesamt hell wirken, aber auch der Gedanke an ein großes schwedisches Möbelhaus ploppt kurzzeitig auf. Das muss zwar nicht per se etwas Schlechtes sein, aber besonders einzigartig ist es eben auch nicht.

Die Musik von Mumford & Sons, ein gemischtes, und angenehmerweise gar nicht mal so hippes Publikum, ein sympathischer Kellner, der an einem Mittwochabend grundlos Marillenschnaps (drei Euro) spendiert, und die Tatsache, dass es Augustiner Helles vom Fass (3,90 Euro) gibt, führen aber dann trotzdem dazu, dass man sich auf Anhieb wohl fühlt.

Wer zudem den nahegelegenen Salon Irkutsk kennt und schätzt, kann sich nicht zuletzt wegen der ähnlichen Farbgebung gut vorstellen, dass die Tío Bar in ein paar Jahren ähnlich urig sein wird. Die nötige Patina braucht eben ein bisschen Zeit. Ein guter Anfang ist ein kleines Tischchen vor der Tür auf dem der Aschenbecher steht: Dessen Füße sind zwei Erdmännchen. Richtig schön ist das zwar nicht, aber zumindest erinnert man sich daran.

Und schon jetzt lädt auch eine breite Fensterfront dazu ein, an einem der Tische - bevorzugt an jenem ganz in der Ecke unweit des Tresens oder auf einem der bequemen Sessel am anderen Ende des Raums - Platz zu nehmen und die Welt da draußen von innen zu beobachten. Wenn so aus einem Feierabend-Bier dann doch zwei oder drei werden, kann übrigens auch ein Blick auf die Speisekarte nicht schaden: Denn, mal ehrlich, so ein bisschen Weißbrot mit San Daniele Schinken, Manchego-Käse oder Oliventapenade geht ja eigentlich immer (ab 4,90 Euro).

Adresse: Theresienstraße 134, 80333 München, 089/24591125, Öffnungszeiten: Montag bis Mittwoch 9 bis 22 Uhr, Donnerstag und Freitag 9 bis 23 Uhr, Samstag 10 bis 23 Uhr, Sonntag 10 bis 18 Uhr, info@tio-bar.de

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SZ vom 05.02.2020
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