Süddeutsche Zeitung

Prozess am Amtsgericht:Geprellter Kunde überlistet Handy-Betrüger

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Ein Informatikstudent, der im Internet ein wertloses Imitat eines iPhones verkauft hat, wird vom Käufer in eine Falle gelockt - und zu einem Jahr Haft ohne Bewährung verurteilt.

Von Andreas Salch

Wenn der andere hartnäckig bleibt, wird es eng: Diese Erfahrung musste ein 32-jähriger Student aus Nordrhein-Westfalen machen, der jetzt in einem Strafverfahren vor dem Amtsgericht München wegen gewerbsmäßigen sowie versuchten gewerbsmäßigen Betrugs und Urkundenfälschung zu einem Jahr Haft ohne Bewährung verurteilt wurde. Der junge Mann, der zuletzt in Neuss lebte, hatte Ende Dezember 2021 über eine Verkaufsplattform im Internet mehrere iPhone 13 Pro Max zum Verkauf angeboten. Ein Kunde aus Wuppertal meldete sich, vereinbarte ein Treffen mit dem Studenten und kaufte das iPhone zum Preis von 1300 Euro. Als der Student längst weg war, musste der Mann jedoch feststellen, dass er einem Betrüger aufgesessen war. Denn das vermeintliche iPhone entpuppte sich bei genauerem Hinsehen als wertloses Imitat.

Doch der übers Ohr gehauene Käufer wollte die Sache nicht auf sich beruhen lassen und zeigte sich hartnäckig. Er begann das Verkaufsportal, in dem er auf die iPhone-Attrappe gestoßen war, nach weiteren Anzeigen des Studenten zu durchsuchen. Und siehe da, er wurde fündig. Er entdeckte eine identische Anzeige, die der Student unter einem anderen Namen erstellt hatte. Dann drehte der geprellte Käufer aus Wuppertal den Spieß um. Für die Übergabe des iPhones schlug er München vor. Anschließend ging er zur Polizei in Bochum und erstattete Anzeige.

Die Beamten nahmen daraufhin Kontakt zu ihren Kollegen in München auf. Wie vereinbart, kam der Informatikstudent zur Übergabe des iPhones nach München. Statt des geprellten Käufers aus NRW erschienen jedoch zwei Polizeibeamte in Zivil. Als der Student auch ihnen eine Attrappe eines iPhone 13 Pro Max und dazu noch eine gefälschte Rechnung über dessen Kauf andrehen wollte, nahmen ihn die Beamten fest. Der Student kam für sechs Monate in Untersuchungshaft.

In der Verhandlung vor dem Amtsgericht München legte er ein umfassendes Geständnis ab und entschuldigte sich. Die Beweislage war schließlich eindeutig. Für die Tat in Wuppertal verhängte die zuständige Richterin eine Freiheitsstrafe von neun und für die Tat in München eine über acht Monate. Daraus bildete sie eine Gesamtfreiheitsstrafe von einem Jahr - ohne Bewährung. Denn der Student aus Neuss ist bei der Justiz kein unbeschriebenes Blatt. Sein Bundeszentralregister enthält bereits elf Einträge. Außerdem ist der 32-Jährige einschlägig wegen Betrugs vorbestraft. Das Urteil des Amtsgerichts München ist noch nicht rechtskräftig.

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