Süddeutsche Zeitung

Pullach:Gymnasium wird zur Baustelle

Während der Sanierung und Erweiterung muss der Schulbetrieb ausgelagert werden.

Wenn alles nach Plan läuft, wird das Otfried-Preußler-Gymnasium in Pullach im Schuljahr 2027/2028 als Ganztagsschule in neuem Glanz erstrahlen. Das ist das wesentliche Ergebnis einer Machbarkeitsstudie, die Architekt Christian Lechner am Dienstag im Gemeinderat vorgestellt hat. Die Kosten der Sanierung und aller notwendigen Um- und Anbauten belaufen sich laut Studie auf 73,5 Millionen Euro, wobei die reinen Baukosten mit 55 Millionen Euro angegeben werden. Hinter der Höhe der finanziellen Beteiligung der Gemeinde steht dabei noch ein Fragezeichen.

Einen erheblichen Teil der Kosten wird wohl im Rahmen seines Konnexitätsprogramms der Freistaat übernehmen, den Rest müssen der Landkreis München, die Landeshauptstadt und die Gemeinde Pullach stemmen. In einer Sondersitzung werden sich die drei Mitglieder des Schulzweckverbandes laut Bürgermeisterin Susanna Tausendfreund demnächst mit der Kostenaufteilung beschäftigen.

Diese Verhandlungsrunde ist notwendig, weil die alte Zweckverbandssatzung zwar einen Verteilungsschlüssel enthält, der aber nur für einen Neubau gilt, nicht für eine Sanierung. Ein Neubau aber ist nun kein Thema mehr, die Bausubstanz des in den Siebzigerjahren entstandenen Schulbaus ist laut Lechner immer noch "hervorragend". Die Ausstattung aber gehört in seinen Augen komplett ausgetauscht.

Die Zeit drängt

Die Kostenfrage war weniger Thema im Gemeinderat als der Zeitdruck, denn Voraussetzung dafür, dass staatliches Geld für die Rückkehr zum G 9 fließt, ist eine Fertigstellung der Bauten bis zum Schuljahr 2027/2028. Die angestrebte Einigung im Zweckverband pressiert also. Architekt Lechner rechnet mit einer Planungsphase von zwei Jahren und drei Jahren Bauzeit. Die Bagger müssten also spätestens 2024 anrücken und der Gemeinderat, so erklärte Lechner auf Nachfrage, müsste noch im Sommer dieses Jahres den notwendigen Beschluss fassen. Zuvor wird sich aber die Landeshauptstadt erklären müssen.

Laut Tausendfreund ist im Gespräch, dass München den Zweckverband verlässt. In diesem Fall müsste die Landeshauptstadt Gastschülerkosten für ihre Kinder und Jugendliche bezahlen, die im Pullacher Gymnasium unterrichtet werden, und das sind nicht wenige: Von den 950 Kindern und Jugendlichen, die nach der Erweiterung im für diese Schülerzahl ausgelegten Pullacher Gymnasium die Schulbank drücken, wird annähernd die Hälfte aus München kommen.

Noch lange nicht beantwortet ist auch die Frage, wohin Schüler und Lehrer während der drei Jahre ausweichen, in denen ihre alte Schule einschließlich der Sporthalle nahezu bis auf den Rohbau entkernt und in moderne Lern- und Sportstätten umgewandelt wird. An einer Komplettauslagerung führt laut Lechner kein Weg vorbei. Der Architekt sprach dabei auch eine Schwierigkeit an, die auf den Zweckverbandzukommen könnte. Der Containermarkt sei völlig leergefegt, sagte er und empfahl dem Gremium, sich nach Mietcontainern umzusehen. Rathauschefin Tausendfreund liebäugelt dabei mit der Möglichkeit, dass die gut 400 Fremdschüler während der Bauphase in Münchner Gymnasien ausweichen.

Die sichtbar gravierendste Baumaßnahme beträfe den Pausenhof. Dieser würde bis zum Niveau des Parkplatzes abgesenkt werden, sodass der Schulzugang barrierefrei und für die Aula mehr Platz wäre. Überlegt wird dabei, sowohl die Aula als auch die Kunsträume für schulfremde Aktivitäten zu öffnen sowie die Bibliothek in den jetzigen Musiksaal zu verlegen.

Vorgesehen sind neben anderen Neuerungen auch ein Open-Air-Klassenzimmer und ein Schulgarten, vielleicht auch ein Schüler-Café.

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Quelle:
SZ vom 24.01.2020/belo
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