Süddeutsche Zeitung

Gemeinsame Erklärung:Imame verurteilen den IS-Terror

Seine Taten seien unmenschlich und unislamisch: 16 Münchner Imame haben in einer gemeinsamen Erklärung den Terror des Islamischen Staates im Irak und in Syrien verurteilt. Sie appellierten auch an die deutsche Politik.

Von Bernd Kastner

Es ist ein starkes Zeichen, das es so noch nicht gegeben hat: 16 Imame haben in einer gemeinsamen Deklaration den Terror des sogenannten Islamischen Staates (IS) verurteilt. "Nicht im Namen Allahs und nicht in unserem Namen", ist der Text überschrieben, den Benjamin Idriz im Namen seiner Kollegen am Freitag vor Medienvertretern vortrug.

"Weil wir Muslime sind, sind wir entsetzt über die Verbrechen, die im Namen unserer Religion im Irak und in Syrien begangen werden." Die Taten des IS seien unmenschlich und unislamisch. Die Imame erklärten sich solidarisch mit allen, die unter Gewalt leiden, seien es Christen, Juden, Jesiden, Schiiten oder Sunniten.

Idriz hatte seine Münchner Kollegen aus ethnisch unterschiedlich geprägten Gemeinden in die Geschäftsstelle des Münchner Forum für Islam (MFI) in der Hotterstraße eingeladen. Mit der Erklärung wollen sie die bundesweite Aktion der muslimischen Dachverbände verstärken. Ebenfalls am Freitag besuchte die Migrationsbeauftragte der Bundesregierung, Aydan Özoguz, die Ditib-Moschee in der Schanzenbachstraße, wo die Dachverbände im Namen von 300 bayerischen Moscheegemeinden "Hass und Unrecht" verurteilten.

Extremismus gemeinsam bekämpfen

In der von Idriz initiierten Erklärung rufen die Imame die Muslime dazu auf, ihre Stimme noch lauter gegen kriegerische Gewalt zu erheben. Jugendliche sollten wachsam sein und auf keinen Fall in die Kriegsgebiete gehen, um dort ihr Leben "für falsche Zwecke zu opfern". Die Imame appellieren aber auch an die deutsche Politik: Diese müsse gemeinsam mit den Moscheegemeinden den Extremismus bekämpfen.

Ein Generalverdacht gegen Muslime sei kontraproduktiv: "Die Politik muss dringend differenzierter vorgehen und unterscheiden, von welcher Seite tatsächlich Gefahr ausgeht." Idriz war selbst über Jahre vom Innenministerium extremistischer Bestrebungen bezichtigt worden. Nun loben die Imame den Verfassungsschutz, weil er die Islamfeinde der Partei "Die Freiheit" unter Beobachtung gestellt hat. Diese hat ein Bürgerbegehren eingereicht, um eine MFI-Moschee zu verhindern.

Diplomat nimmt sich spontan Zeit

Das bislang nicht finanzierte 30-Millionen-Projekt könnte durch den Besuch des Emirs von Katar bei Ministerpräsident Horst Seehofer doch noch voran gekommen sein. Zwar war Idriz nicht zum Essen mit dem Emir eingeladen, doch nach dessen Abreise besuchte der Imam nach eigenen Angaben den Botschafter Katars unangemeldet in dessen Hotel.

Spontan habe sich der Diplomat mehrere Stunden Zeit genommen, um sich über das Forum für Islam zu informieren und das von der Stadt angebotene Grundstück an der Dachauer Straße zu besichtigen. Idriz will nun rasch ein Treffen des Botschafters mit der Stadtspitze initiieren.

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SZ vom 20.09.2014/amm
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