Süddeutsche Zeitung

Freisinger im Krisenmodus:Trainieren mit dem Ballroboter

Der Moosburger Tischtennis-Spieler Jochen Kahlert und seine Vereinskollegen müssen weiter warten, bis sie wieder trainieren dürfen. Bis dahin heißt es kreative Alternativen zu suchen.

Die Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie treffen die Menschen im Landkreis auf den unterschiedlichsten Ebenen. Für manche bedeuten sie nur Einschränkungen in ihrem Freizeitverhalten, die meisten haben aber konkrete Sorgen - ob es nun um Gefahren für die eigene Gesundheit, um die schwierige Betreuung der Kinder oder die Rettung des eigenen Geschäfts oder Unternehmens geht. Die SZ gibt in einer Serie Einblicke in das Leben der Menschen im Krisenmodus.

Es sind Lockerungen in Sicht. In Schulen, Kitas, Gastronomie, Geschäften und anderen gesellschaftlichen Bereichen. Auch in Sportarten, die kontaktlos ausgeübt werden. Das trifft auf Tischtennis prinzipiell zu. Das Problem ist, dass der reguläre Trainings- und Wettkampfbetrieb nicht irgendwo auf einer Steinplatte im Freibad, sondern in einer Halle stattfindet. Während Freiluftsportler wie Golfer und Tennisspieler bald wieder ihrem Hobby nachgehen können, müssen Jochen Kahlert und seine Vereinskollegen weiter warten.

Jochen Kahlert, 45, leitet zusammen mit Rainer Achleitner die Tischtennis-Abteilung der SG Moosburg. Gespielt wird dort wie überall in Bayern schon seit dem 13. März nicht mehr, als der Verband die Saison wegen der Corona-Pandemie abbrach und den damaligen Tabellenstand als Abschluss-Klassement wertete, obwohl manche Teams einige Spiele mehr absolviert hatten als andere. Für Mannschaften auf einem Abstiegsplatz, die vielleicht noch den Klassenerhalt geschafft hätten, "ist das natürlich ein bisschen frustrierend", sagt Kahlert. Er weiß, wovon er spricht, in seinem Verein sind drei der vier Mannschaften durch den Saisonabbruch abgestiegen. Zwar hat der Verband nach einem Gerichtsurteil eine Quotientenregel für Härtefälle nachgeschoben (Punkte geteilt durch Spiele), die für mehr Gerechtigkeit sorgen soll. Aber für die SGM-Teams ändert das nichts.

Da sie alle in unteren Klassen auf Bezirksebene spielen, sei das nicht so dramatisch, sagt Kahlert. Viel schmerzlicher sei, "dass der Sport fehlt, man kann nicht trainieren und die Leute aus seiner Mannschaft nicht treffen". Manche trainieren daheim im Garten mit Familienmitgliedern, einem Ballroboter oder spielen gegen eine nach oben geklappte Plattenhälfte. Aber das ist kein gleichwertiger Ersatz.

"Wenn die Fußball-Bundesliga wieder spielen darf, ist das ein Zeichen für die Sportwelt in Deutschland"

Ob und wie es mit einem regulären Training weiter geht und wann die neue Punktspielsaison unter welchen Bedingungen stattfinden kann, steht noch in den Sternen. "Wenn die Fußball-Bundesliga wieder spielen darf, ist das aber ein Zeichen für die Sportwelt in Deutschland", meint Kahlert: "Warum sollte dann in kontaktlosen Sportarten im Amateurbereich, wo wir eh wenig bis keine Zuschauer haben, nicht auch gespielt werden dürfen?" Problematisch seien sicherlich Turniere mit vielen Teilnehmern oder im Mannschaftsspielbetrieb auch das Doppel, bei dem man sich sehr nahe komme. Dafür müsse man aber kreative Lösungen suchen und etwa Mannschaftsspiele ohne Doppel austragen.

Obwohl niemand weiß, wie es weitergeht, müssen Kahlert und seine Vorstandskollegen den Laden am Laufen halten und die neue Saison planen. So stehen demnächst die Mannschaftsmeldungen für die neuen Saison an. Absprachen und Vorstandssitzungen werden nun per Videokonferenz abgehalten. "Hätten wir auch nicht gedacht, dass wir das mal machen", sagt Kahlert. Das sei zwar kein Vergleich dazu, wenn man sich persönlich zusammensetze. Aber wenn es mal schnell gehen muss, kann er sich auch in der Nach-Corona-Zeit vorstellen, "dass wir das mit den Videokonferenzen teilweise weiterführen".

Eine neue Abteilungsleitung, die eigentlich in diesem Frühjahr hätte gewählt werden sollen, will man dann aber doch lieber in einer richtigen Versammlung küren, wenn das wieder möglich ist. Bis dahin hat sich das alte Vorstandsteam bereit erklärt, weiterzumachen.

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Quelle:
SZ vom 07.05.2020/nta
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