Süddeutsche Zeitung

SV Siegfried Hallbergmoos:Ringer messen sich bald wieder

Die Sportler freuen sich darauf, wenn im Oktober wieder der Wettkampfbetrieb startet. In anderen Kontaktsportarten wie Handball oder Eishockey geht es noch früher los.

Von Alexander Kappen, Hallbergmoos

Auf diese Nachricht hatten die Amateursportler im Landkreis wie im ganzen Freistaat gewartet. Dienstag vor einer Woche verkündete die bayerische Staatsregierung, "dass der reguläre Wettkampfbetrieb in Kontaktsportarten unter Beachtung der Hygiene- und Schutzmaßnahmen sowohl im Freien als auch in geschlossenen Räumen zugelassen wird". Das heißt, dass von den Fußballern über die Handballer und Eishockeyspieler bis hin zu den Ringern alle Teams demnächst in die Saison starten beziehungsweise die bereits angefangene fortsetzen können.

Während es auch bei den Bayernliga-Handballerinnen der HSG Freising-Neufahrn, die laut Spielplan am 3. Oktober in die Saison starten, oder den Landesliga-Eishockeyspielern aus Moosburg und Freising, bei denn es am 16. Oktober losgeht, physisch voll zur Sache geht und Abstand halten im Wettkampf unmöglich ist, haben die Ringer den intensivsten Körperkontakt. Aber auch hier ist ein Wettkampf mit bis zu 20 Teilnehmern vom 19. September an wieder möglich. Bei den Oberliga-Ringern des langjährigen Bundesligisten SV Siegfried Hallbergmoos, dem Aushängeschild des Landkreises in dieser Sportart, freut man sich auf den bevorstehenden Saisonstart am 24. Oktober. Man nehme die Hygieneauflagen und sonstigen geforderten Corona-Schutzmaßnahmen sehr ernst und setze sie, wenn man die genauen Vorgaben dann kenne, gewissenhaft um, beteuert Vorsitzender Michael Prill. Gesundheitliche Bedenken habe im Kreis der Sportler und Vereinsverantwortlichen bisher niemand geäußert. "Die Politiker werden sich schon was dabei gedacht haben, dass sie Wettkämpfe unter bestimmten Vorsichtsmaßnahmen wieder zulassen", sagt der Siegfried-Vorsitzende.

Der Rückzug der Ringer des SV Siegfried in die Oberliga kam genau zum richtigen Zeitpunkt

Die Herangehensweise beziehungsweise der Umgang mit der Coronakrise ist nicht nur von Verein zu Verein, sondern auch von Sportart zu Sportart unterschiedlich. Beim ohnehin kontaktlosen Tischtennis hat der Verband vergangene Woche bekanntgegeben, dass in Ligaspielen und Turnieren in der kommenden Saison keine Doppel ausgetragen werden, in denen sich die Spieler naturgemäß am nächsten kommen. Die Ringer dagegen kämpfen, weil es anders ja gar nicht geht, Kopf an Kopf, Haut an Haut und den Gegner fest umschlungen, um Punkte. So wie in all den Jahren zuvor eben auch.

Dennoch ist es natürlich keine Saison wie jede andere. Das fing schon bei der Vorbereitung an. "Beim Lockdown war erst mal gar nix möglich, außer individuelles Training daheim und Onlinetraining", sagt der Vereinsvorsitzende. Von Mitte Juni an wurde dann wieder gemeinsam, aber kontaktlos und mit Abstand im Verein trainiert. "Das waren halt Kraft- und Fitness-Einheiten ohne irgendwelchen Körperkontakt", so Prill. Im August war dann wieder richtiges Ringer-Training möglich, aber nur in festgelegten, unveränderbaren Kleingruppen von maximal fünf Leuten. "Im Ringen geht das ganz gut, da fasst man in der Regel die Leute aus der gleichen Gewichtsklasse in einer Gruppe zusammen", sagt Prill. Natürlich sei so ein Training in Coronazeiten, unter Einhaltung eines zuvor erarbeiteten Hygienekonzepts, "viel mehr Aufwand", sagt Prill, ohne sich zu beklagen, denn: "Wir wollen ja nicht irgendwen in Gefahr bringen, und es müssen alle mit dieser Situation umgehen."

Die nächste Herausforderung besteht nun darin, unter Berücksichtigung der Verbandsvorgaben und in Zusammenarbeit mit der Gemeinde ein Konzept für den Wettkampfbetrieb in der Hallberghalle zu entwickeln, so wie es in anderen Vereinen und Sportarten auch gemacht werden muss. Bis zu 200 Zuschauer sind bei Indoor-Sportarten nun wieder erlaubt. "Wir haben Glück, dass wir so eine große Halle haben, da müsste das schon funktionieren, aber andere Vereine mit kleineren Hallen bekommen mit den nötigen Abständen vielleicht nur noch 30 Zuschauer unter", sagt der SVS-Boss. Beim SV Siegfried wäre es übrigens nicht ausgeschlossen gewesen, "die Saison ohne Zuschauer zu ringen, wenn die Vorgaben so gewesen wären", sagt Prill.

Bewährte Spitze

Der SV Siegfried Hallbergmoos kann weiter auf eine bewährte Führung bauen. Vorsitzender Michael Prill wurde am Montag auf der Jahreshauptversammlung im Amt bestätigt. Er bekleidet auch den Posten des Sportleiters. Stellvertretende Vorsitzende sind Damian Edfelder und Eva-Maria Münzer. Letztere ist auch Jugendleiterin. Jeannette Ketterer (Schatzmeisterin), Beate Prill (stellvertretende Schatzmeisterin), Thomas Kopp (Schriftführer), Helmut Ernst (stellvertretender Jugendleiter), Christian Bauer (Wettkampfreferent), Andreas Geipel, Markus Niedermair, Gerhard Schmidl (alle Rechtsausschuss), Christian Edfelder, Josef Fritsch und Andreas Niedermair (alle Beisitzer) komplettieren den Vorstand, der ohne Gegenstimme gewählt wurde. Wolfgang Förg und Rudolf Lamprecht prüfen die Kasse. axka

Die Hallbergmooser haben nach der vergangenen Saison den Schritt gemacht, der ihnen jetzt wohl das finanzielle Überleben sichert. Der Verein zog sich freiwillig aus der kostspieligen Bundesliga zurück, um mit überwiegend heimischen Athleten in der zweitklassigen Oberliga sein Heil zu suchen. "In der Bundesliga in der Coronazeit wäre es für uns um die Existenz gegangen", betont Prill, "viele Verträge wären schon fix gewesen, und wenn dann nur wenige Zuschauer zugelassen werden und Einnahmen wegbrechen, hat man ein Problem - wir haben also genau den richtigen Zeitpunkt gefunden, um in die Oberliga zurückzugehen."

Dort geht es für die SVS-Ringer kommende Saison nur darum, "dass wir uns ganz ohne Druck so gut wie möglich präsentieren", sagt der Vorsitzende. Viele Vereine treten aufgrund der Coronakrise diesmal nicht in Liga-Wettkämpfen an, so dass Auf- und Abstieg im Ringen für ein Jahr ausgesetzt wurden. Es geht also - zumindest vorübergehend - "einfach nur darum, dass wir unseren Sport wieder ausüben können", sagt Prill. Oder anders ausgedrückt: Um ein bisschen Normalität.

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SZ vom 16.09.2020/ilos
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