Süddeutsche Zeitung

Altlasten in der Kiesgrube in Plörnbach:Nichts Genaues weiß man nicht

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Gut ein Jahr nach Bekanntwerden der Belastungen stehen konkrete Ergebnisse der angestellten Untersuchungen immer noch aus.

Von Peter Becker, Haag

In der Rubrik "Update" beleuchtet die SZ aktuelle Entwicklungen bei verschiedenen Themen im Landkreis. Auf welchem Stand ist ein Projekt? Wurde gegen Missstände vorgegangen und wie? Diesmal geht es um eine Kiesgrube bei Plörnbach, in der offenbar jahrelang umweltschädliche Materialien verfüllt worden sind.

Ein Bauunternehmer hatte vor gut einem Jahr auf Missstände in einer Kiesgrube im Bereich der Gemeinde Haag aufmerksam gemacht. Dafür macht er seinen Pächter, ebenfalls ein Bauunternehmer, aus dem Landkreis Freising verantwortlich. Der soll dort offenbar asbesthaltiges Material und Straßenaufbruch, der Polycyclische Aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) enthält, entsorgt haben. Fotos sollen beweisen, dass das Verfüllmaterial auch mit Plastik und Styropor durchsetzt ist. Der Besitzer der Kiesgrube fühlte sich seinerzeit vom Landratsamt im Stich gelassen, weil dieses nicht seinen Bitten nachgekommen war, dort mal nach dem Rechten zu sehen.

Das Landratsamt hatte signalisiert, die Grube doch zu untersuchen

Das Landratsamt reagierte auf den Vorwurf mit den Worten, dass der Behörde bis zu den damaligen Vorwürfen keine Erkenntnisse vorgelegen hätten, die weitergehende Maßnahmen gerechtfertigt hätten. Das Landratsamt Freising und die technische Gewässeraufsicht des Wasserwirtschaftsamtes München haben seit der Genehmigung des Trockenkiesabbaus mit Wiederverfüllung im Jahr 1998 den betroffenen Betrieb regelmäßig überwacht. Festgestellte Verstöße seien in Zusammenarbeit mit dem Wasserwirtschaftsamt München moniert und das beanstandete Material in der Regel entfernt und entsorgt worden.

"Zu einer Grundwassergefährdung kam es im gesamten Zeitraum nicht", teilte das Landratsamt mit. Kurzfristig hatte das Landratsamt dann signalisiert, doch eine Untersuchung der Grube zu planen. Über das weitere Vorgehen, hieß es, werde dann entschieden. Der verdächtigte Bauunternehmer ließ über seine Anwältin mitteilen, er habe stets vorschriftsgemäß verfüllt.

Die Auswertung der Ergebnisse dauert noch an

Gut ein Jahr später stehen nach Angaben der Pressestelle des Landratsamts konkrete Ergebnisse von Nachforschungen noch aus. Ein Sachverständiger hatte im vergangenen November auf dem Gelände der Kiesgrube "eine orientierende Altlastenuntersuchung" durchgeführt. "Es wurden insgesamt fünf Bohrungen, jeweils bis in eine Tiefe von 10 bis 16 Meter, sowie Oberbodenuntersuchungen vorgenommen. Die Auswertung der Analyseergebnisse sowie die Erstellung des Gutachtens dauern noch an", teilt das Landratsamt auf Nachfrage mit.

Wenn das Gutachten der Behörde vorliegt muss es vom Wasserwirtschaftsamt sowie dem Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten hinsichtlich der Verunreinigung von Wasser und Boden beurteilt werden. "Erst dann kann seitens des Landratsamtes darüber entschieden werden, ob und wenn ja, welche weiteren Maßnahmen erforderlich sind", teilt die Pressestelle mit.

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SZ vom 15.02.2022/ilos
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