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Mehrere Bewerber stehen schon fest:Vorbereitungen auf die Bundestagswahl 2021: Es geht langsam los

Die Corona-Pandemie macht die Nominierungsveranstaltungen für die Bundestagswahl zur Herausforderung, digitale Aufstellungsversammlungen sind nämlich nicht erlaubt. Lediglich die FDP hat ihre Kandidatin im Herbst schon gekürt.

Von Petra Schnirch und Nadja Tausche, Freising

Auch im Bundestagswahlkampf ist diesmal, bedingt durch die Corona-Pandemie, vieles anders. Nominieren die Parteien ihre Direktkandidaten sonst in der Regel bereits im Jahr vor dem Wahltermin, sind die meisten Versammlungen nun im ersten Quartal 2021 geplant - sofern dies unter strengen Hygiene-Auflagen machbar ist. Die ersten Bewerber stehen dennoch bereits fest. CSU-Bundestagsabgeordneter Erich Irlstorfer hat angekündigt, dass er erneut kandidieren wolle. Auch Johannes Huber (AfD) würde gern noch einmal in den Bundestag einziehen. Für die Grünen haben mit Leon Eckert und Martin Heyne bisher zwei Bewerber den Hut in den Ring geworfen. Nur die FDP hat sich schon festgelegt und ihre Kandidatin Eva Maria Schmidt Ende September nominiert.

Erich Irlstorfer gab bei seinem Jahrespressegespräch Mitte Dezember bekannt, dass er wieder antreten wolle. Seine Chancen stehen naturgemäß gut. Für die CSU war das Direktmandat im Wahlkreis 214, zu dem auch der Landkreis Pfaffenhofen und der südliche Teil von Neuburg-Schrobenhausen gehören, eine sichere Bank. Auch wenn Irlstorfer bei der Bundestagswahl 2017, ebenso wie seine Partei, starke Verluste hinnehmen musste, lag er mit 39,53 Prozent im Landkreis Freising noch immer mit weitem Abstand vor den anderen Bewerbern. Außerdem ist er in Nicht-Corona-Zeiten viel im Wahlkreis unterwegs. Die Nominierung wird laut Irlstorfer vermutlich erst im April stattfinden, "wir wollen niemanden gefährden", sagt er. Einen weiteren CSU-Bewerber gebe es bisher nicht, allerdings seien die Gremien noch nicht zusammengetreten.

Bei den Grünen gibt es mindestens zwei Bewerber

Schon sehr früh machte Leon Eckert seine Ambitionen öffentlich. Der Kreisverband der Grünen gab die Kandidatur Ende August bekannt, denn der Dritte Bürgermeister von Eching hoffte darauf, dass sich die Grüne Jugend Bayern in ihrem Spitzenvotum hinter ihn stellen würde, was ihm einen guten Listenplatz garantiert hätte. Dies gelang zwar nicht, trotzdem hofft der Kreisverband auf eine gute Platzierung. Allerdings werden die aussichtsreichen Positionen auf der Landesliste in diesem Jahr sehr umkämpft sein, glaubt Maximilian Breu, einer der beiden Sprecher des Kreisverbands.

Ob Eckert tatsächlich das Rennen macht, muss sich ohnehin erst zeigen. Denn auch der Kirchdorfer Gemeinderat Martin Heyne, Sprecher des noch jungen Ortsverbands, bewirbt sich um die Kandidatur, er hat sein Interesse Ende November angemeldet. Offen ist, ob es weitere Bewerber geben wird. Vor vier Jahren schickten die Grünen nach dem überraschenden Parteiwechsel von Birgit Mooser-Niefanger Kerstin Schnapp aus dem Kreisverband Pfaffenhofen ins Rennen, sie kam im Kreis auf 11,25 Prozent.

Geplant ist die Aufstellungsversammlung im Februar oder März. Breu hofft, dass diese dann stattfinden kann. Denn es gebe keine Möglichkeit, sie in digitaler Form zu organisieren - er habe bereits im Landratsamt deswegen angefragt.

Die SPD-Mitglieder haben voraussichtlich Ende Januar die Wahl. Kreisvorsitzender Andreas Mehltretter verriet nur so viel, dass es bisher zwei Kandidaten gebe, einen aus dem Landkreis Freising, einen aus Pfaffenhofen. Namen wollte Mehltretter noch nicht nennen. Der genaue Termin soll in den kommenden Tagen bekanntgegeben werden. Die Nominierungsversammlungen gelten als privilegiert, wie er erklärt, sie könnten mit entsprechenden Hygiene-Auflagen also trotz Corona-Beschränkungen durchgezogen werden.

Auf der Liste wollen alle Bewerber weit nach vorne

Dass das Direktmandat nur schwer zu erringen sein dürfte, weiß Mehltretter. Er erhielt 2017 für die SPD 14,08 Prozent der Erststimmen im Landkreis. Er hofft deshalb, dass es dem Bewerber aus dem relativ großen Wahlkreis 214 diesmal gelingt, einen der vorderen Plätze auf der SPD-Landesliste zu ergattern.

Bei der AfD rechnet man damit, dass sich mehrere Kandidaten aufstellen lassen. Die besten Chancen dürfte der Abgeordnete Johannes Huber haben. Bei der Bundestagswahl 2017 hatte er auf Platz 13 der Landesliste kandidiert und war in das Parlament eingezogen, wenn auch recht knapp. Im Landkreis erhielt der Nandlstädter damals 11,33 der Erst-Stimmen. Er will noch einmal antreten: "Es macht mir weiterhin Spaß." Dieses Mal strebe man einen Platz weiter vorne an, sagt Thomas Kanzelsberger, Leiter von Hubers Wahlkreisbüro: "Wenn man die derzeitigen Umfragewerte in Bayern anschaut, ist davon auszugehen, dass es mit dem Platz dieses Mal nicht reichen würde." Huber selbst will keine feste Zahl nennen. "Man muss erst mal auf die Liste gewählt werden - und am Ende entscheiden die Mitglieder", sagt er.

Zur Vorbereitung auf die Wahl hat sich der Kreisverband schon zusammengesetzt und überlegt, welche Themen eine Rolle spielen könnten. Wann die Aufstellungsversammlung stattfindet, ist Kanzelsberger zufolge noch unklar: Angestrebt werde der Februar. Auch bei der AfD befürchtet man, dass Corona einen Strich durch die Rechnung machen könnte. "Es besteht schon ein bisschen die Sorge, ob wir überhaupt die Aufstellungsversammlung halten können", sagt er - die müsse laut aktueller Satzung als Präsenztermin stattfinden.

Bei der FDP habe man im September die Gelegenheit genutzt, heißt es

Auch bei der FDP verändert die Krise die Abläufe. "Normalerweise würde jetzt gerade schon mehr passieren", sagt Kreisvorsitzender Timo Ecker. Dass man keine Veranstaltungen planen könne, weil man nicht wisse, ob sie dann auch wirklich stattfinden, mache das Ganze nicht einfach. Einen großen Teil der Arbeit hat die Kreis-FDP aber schon erledigt, die Kandidatin für die Bundestagswahl steht: Eva Maria Schmidt aus Hallbergmoos. Im September wurde sie einstimmig nominiert. Man habe damals die Gelegenheit genutzt und zu einer Präsenzveranstaltung eingeladen, als das noch möglich war, so Ecker. Welchen Platz sich die FDP auf der Landesliste erhofft, kann er nicht konkret sagen, "aber dass wir unter die ersten Zehn kommen, ist eher unwahrscheinlich." Ziel der Kreis-FDP sei ein Ergebnis über dem Landesschnitt. 2017 erzielte Thomas Neudert aus Wolnzach im Landkreis 7,04 Prozent, bayernweit kamen die Liberalen auf 10,2 Prozent.

Die Linken wollen ihren Kandidaten vermutlich Anfang März benennen, Ende März soll die Landesliste fertig sein - bis dahin wollen die Freisinger ihren Bewerber spätestens nominiert haben. Derzeit würden gerade intensive Gespräche geführt, sagt Kreisvorsitzender Nicolas Graßy. "Zu Namen kann ich noch nichts sagen." Vermutlich werde man sich im Wahlkreis auch diesmal im Vorfeld auf einen Kandidaten einigen, "die Zusammenarbeit klappt gut". Vor vier Jahren holte der Freisinger Stadtrat Guido Hoyer im Landkreis 5,77 Prozent der Stimmen.

Die Freien Wähler sind derzeit dabei, einen passenden Kandidaten zu finden. "Wir sind mit einer sehr fachkompetenten Person im Gespräch", verrät der Landtagsabgeordnete Benno Zierer. Den Namen behält er noch für sich - man wolle ihn im Laufe des Januars bekanntgeben, sagt er. Die Erwartungen an den Kandidaten oder die Kandidatin sind derweil klar formuliert: "Es soll ein Kümmerer sein", so Zierer. Jemand, den man einfach mal anrufen könne, der für die Menschen im Wahlkreis ansprechbar sei. Auch eine gewisse lokale Bekanntheit müsse die Person mitbringen. 2017 kam Direktkandidat Robert Weller aus Freising im Landkreis auf 7,96 Prozent. Das Prozedere im Vorfeld der Bundestagswahl sei durch die Corona-Pandemie generell schwieriger geworden, erläutert Zierer, der Vorsitzende der Freisinger FW-Kreisvereinigung ist. Man könne sich nicht einfach mal zusammensetzen, zudem seien die Jahreshauptversammlungen ausgefallen.

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