Süddeutsche Zeitung

Tierschutz:"Ich empfehle gerade jetzt, Hunde an die Leine zu nehmen"

Im Frühjahr bekommen Rehe, Hirsche und Enten Nachwuchs. Jäger Josef Ernst erklärt, wie Hundehalter beim Spaziergang Rücksicht auf die Jungtiere nehmen können. In manchen Fällen kann eine Begegnung auch für den Hund gefährlich werden.

Jetzt im Frühjahr kommen im Wald, auf den Feldern und in den Auen Jungtiere zur Welt. Gleichzeitig stöbern immer wieder frei laufende Hunde Wildtiere auf, die dann flüchten und ihr Gelege oder die Jungtiere verlassen. Worauf Hundehalter jetzt achten sollten und warum Rotwild, Rehe, Hasen oder Enten oftmals Schaden nehmen, erläutert Josef Ernst, selbst Hundehalter und seit 32 Jahren auch Jäger.

SZ: Warum sind frei laufende Hunde, die sich von den Wegen entfernen, ein Problem?

Ernst: Die Wildtiere geraten in Panik, wenn beispielsweise ein Hund ein Entengelege in der Isarau aufstöbert. Die Elterntiere flüchten, die Eier kühlen aus und gehen kaputt. Denn die Isar-, Moosach- und Amperauen sind ein Dorado für Enten, aber dort gibt es eben auch schöne Spazierwege für Hundehalter. Außerdem flüchten Rehe, Rotwild oder Wildschweine panisch, wenn sich ihnen ein Hund nähert und rennen oftmals über Straßen. Deshalb kommt es immer wieder zu Verkehrsunfällen mit Wild.

Erwischen Hunde eigentlich Wildtiere, die flüchten?

Nein, gesunde, erwachsene Tiere können flüchten. Allerdings kommt es vor, dass Hunde ein Rehkitz oder ein Hirschkalb töten. Bei Schwarzwild wird es für den Hund gefährlich, denn eine Bache mit Frischlingen wird den Hund angreifen. Auch Hirschkühe können sehr aggressiv sein.

Was sollten Hundebesitzer gerade jetzt beim Spaziergang vermeiden?

Neulich stand bei Hangenham eine Gruppe Rehe auf einem Feld. In unmittelbarer Nähe überquerte ein Mann mit drei angeleinten Hunden das Feld. Natürlich flüchteten die Rehe dann in Panik. Ich habe dann mit dem Hundehalter gesprochen und ihn gebeten, nicht mit den Hunden quer über ein Feld zu laufen, sondern die markierten Wege zu benutzen. Vor einige Tagen haben Hundehalter mit Autos ihren Vierbeiner im Wald gesucht. Das Tier war in der Abenddämmerung nicht angeleint beim Joggen mit dabei und hatte dann offensichtlich ein Reh oder einen Hasen gewittert und verschwand. Am nächsten Morgen wurde der Hund dann in Marzling aufgegriffen. Wir Jäger suchen immer das Gespräch mit den Hundebesitzern und natürlich erschießen wir keine Hunde, auch wenn sie offensichtlich ohne Besitzer im Wald unterwegs sind.

Kommt es auch einmal vor, dass herrenlose Hunde gezielt jagen?

Das passiert immer mal wieder. Manchmal tun sich mehrere Hunde, die beispielsweise auf Bauernhöfen frei gehalten werden, zusammen, verschwinden aus dem Dorf und jagen im Wald. Einer von ihnen hetzt das Wild, der andere schneidet ihm den Weg ab. Mehrere Hunde können dann auch ein erwachsenes, gesundes Tier reißen.

Haben Sie selbst auch einen Hund, wenn Sie im Wald sind?

Ja, er hört aufs Wort und bleibt bei uns, wenn wir unterwegs sind. Ich habe Verständnis für Hunde, natürlich macht es ihnen Spaß, zu rennen und sich auszutoben. Aber ich empfehle allen Hundebesitzern, gerade jetzt im Frühjahr und auch in der Morgen- oder Abenddämmerung, wenn viel Wild unterwegs ist, ihre Tiere an die Leine zu nehmen, damit erst gar kein Tier zu Schaden kommt.

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Quelle:
SZ vom 06.04.2018/clli
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