Süddeutsche Zeitung

Motorworld in München:Viel Raum für edles Blech

Zwölf Jahre haben die Planung und der Umbau des früheren Ausbesserungswerk der Deutschen Bahn in Freimann gedauert. Nun können Auto-Fans dort die exklusivsten Fahrzeuge der Welt anschauen.

Von Sabine Buchwald

Vor den Türen werden noch die letzten Parkplätze planiert. Innendrin warten sie schon, die edlen Objekte, für die sich die Besucher auf den Weg nach Freimann machen sollen. Die Ferrari-Dichte hier ist weit höher als auf der Münchner Maximilianstraße. Auch Bugatti, McLaren, Lotus, Mercedes, BMW und viele Marken mehr, bei denen Autofans glänzende Augen bekommen, stehen hier, als ob sie aus der Portokasse zu erwerben wären. Selbst Raritäten wie einem für knapp 300 000 Euro angebotener Donkervoort kommt man in der Motorworld sehr nahe.

Mehr als 25 der weltweit wertvollsten und exklusivsten Fahrzeugmarken gebe es hier zu sehen, wirbt der Veranstalter. München ist nun der neunte Standort der Motorworld Gruppe, der coronabedingt unspektakulär leise gerade eröffnet worden ist. Zwölf Jahre hat man daran geplant, gebaut und renoviert.

Wie an den anderen Orten legt Gründer und Vorstandsvorsitzender Andreas Dünkel großen Wert aufs Ambiente. Die erste Motorworld entstand in den alten Hallen des Landesflughafens von Baden-Württemberg in Böblingen-Sindelfingen. In Freimann ist es das 75 000 Quadratmeter große Areal des ehemaligen Ausbesserungswerkes der Deutschen Bahn mit der unter Denkmal stehenden zentralen Lokhalle. Gelände von solchen Ausmaßen und vor allem solche Gebäude gibt es in und um München kaum noch. In der 185 Meter langen, 90 Meter breiten und bis zu 18 Metern hohen Halle wurden früher Lokomotiven repariert. Gigantisch große, fahrbare Haken lassen ahnen, welche Gewichte hier einst bewegt wurden. Der Bau ist eine der größten historischen Stahltragwerkshallen Europas. Solche Gebäude zu erhalten und wieder zugänglich zu machen gehört zur Motivation von Dünkel.

Seine Motorworld ist 365 Tage im Jahr bis 22 Uhr ohne Eintritt zugänglich. Man ist hier nicht im Museum, die Einnahmen werden über Mieten generiert. Dafür gibt es 120 Glasgaragen, in denen man sein Luxusauto dauerhaft parken kann. Einschlägige Autohändler von sogenannten Young- und Oldtimern sowie Supersport-Cars haben sich hier versammelt. Dazu findet man Geschäfte mit Bezug zum Automobil im weitesten Sinne: sei es der Hutmacher, der Cabrio-Fahrer ausstatten möchte, die Künstler mit entsprechenden Motiven oder Mechaniker, die Wartungsleistungen für die empfindlichen Fahrzeuge anbieten. Es gibt diverse Restaurants mit vor allem italienischer und deutscher Küche sowie ein Vier-Sterne-Hotel. In speziellen Zimmern kann man dort sogar mit Blick auf sein neu erworbenes Gefährt einschlafen.

Ansonsten aber lässt sich in der Motorworld auch einfach schauen und staunen. Über den silberfarbenen Rolls Royce etwa, der auf der Ablage die Handschuhe und auf dem Kofferraumdeckel die Unterschrift von Muhammad Ali trägt; über flügeltürige Lotus-Wagen oder die beiden Pferdeköpfe vorne auf dem alten Citroën 2CV (Deux Chevaux).

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Quelle:
SZ vom 14.06.2021/vewo
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