Süddeutsche Zeitung

Filmfest München:Glamour auf dem Parkplatz

Das Filmfest München trotzt der eigenen Festivalabsage - und lädt zu acht sommerlichen Premieren ins Auto- und Open-Air-Kino ein. Gezeigt wird Neues von Klaus Lemke, Maggie Peren und anderen.

Von Bernhard Blöchl

Das Filmfest München ist ausgefallen, herzlich willkommen beim Filmfest München. Zwar sind die Kino-Events, die unter dem korrekten Namen "Filmfest München Pop-up" in den kommenden Sommerwochen hygienekonform und doch im großen Stil über die Bühne gehen, kein Ersatz für das nach der Berlinale wohl bedeutendste Filmfestival Deutschlands. Können und wollen es nicht sein. Außergewöhnlich und spannend ist die spätabendliche Minireihe dennoch. Sie garantiert, dass das Filmfest auch im Jahr des Virus Präsenz zeigt.

Die Idee, die das Führungsduo Diana Iljine und Christoph Gröner mit ihrem Team seit einigen Wochen vorantreibt, lag auf der Hand, ist zeitgemäß und populär: Um den seit vielen Jahren gelebten Festivalgrundsatz der urbanen Sommer-Events gerecht zu bleiben, will man Filme im Auto- und Open-Air-Kino zeigen. Anders als zum Beispiel beim Dok-Fest wird es keine Online-Edition geben. Auch eine mögliche kleine Lösung unter strengen Auflagen in den Partnerkinos schied aus. Groß und laut soll es stattdessen zugehen, für mehrere hundert Filmfans gleichzeitig. Bemerkenswert an dem Ansatz ist das Prinzip, sich auf Uraufführungen (und eine Deutschland-Premiere) zu konzentrieren - aus der ursprünglichen Festivalplanung, versteht sich. Sieben deutsche Produktionen und eine internationale Arbeit stehen auf dem Programm von 15. Juli bis 26. August: "die wilderen Noten des Filmfests", wie Gröner verspricht. Star- und Premierengäste auf der Bühne sollen die Vorführungen noch attraktiver machen.

Zum Auftakt stellt der Schauspieler Kida Khodr Ramadan (4 Blocks) sein Regie-Debüt vor: In Berlin wächst kein Orangenbaum ist Kiez-Hommage, Gangster- und Familiendrama und mit Ramadan und Stipe Erceg kernig besetzt (15.7.). Humorvoll setzt sich Alexander Schubert (Heute-Show) mit der Kriminalität auseinander: In seiner Provinz-Komödie Faking Bullshit inszeniert eine unterforderte Polizeiwache Straftaten, um die eigenen Arbeitsplätze zu sichern. Mittendrin im turbulenten Irrsinn: Bjarne Mädel als Obdachloser, der sich als Mittäter einspannen lässt (23.7.). Einen großen Auftritt hat Friedrich Mücke in Sebastian Markas dystopischem Thriller Exit über ewiges digitales Leben (31.7.). Scheinbar ewig wiederum kreist Maggie Perens Zeitschleifen-Variation, die Liebeskomödie Hello again, um eine Hochzeit, die verhindert werden soll (12.8.).

Fast alle Veranstaltungen finden im Pop-up-Autokino neben dem Zenith in Freimann statt, wo man entweder im eigenen Pkw oder - eine neue Entwicklung - auf Liegestühlen sitzen kann (Beginn im Juli um 21.30 Uhr, im August um 21 Uhr). Bei mindestens zwei Premieren dürfen die Veranstalter auf das erwünschte Spektakel hoffen: bei Klaus Lemkes neuem München-Film Ein Callgirl für Geister (23.8.) und bei der Kino-Version des Youtube-Krachers Lord & Schlumpfi über zwei bayerische Knalltüten auf ihrem Weg zum Wacken-Festival (27.7.). Lemke- und Metal-Fans sollte man bekanntlich nie unterschätzen. Ebenfalls aus der Reihe tanzen die dänisch-amerikanische Bratwurstkomödie Gutterbee und die zweite Staffel der bayerischen Serie Servus Baby. Bei Ulrich Thomsens US-Satire, die erst kurzfristig in die Agenda rutschte und damit dem Programm eine internationale Note verpasst, geht es buchstäblich um die Wurst: In einer amerikanischen Kleinstadt soll - oh no! - ein neues Lokal die Bratwurst aus Deutschland feiern (26.8., OmeU). Und Natalie Spinells Fortsetzung ihres beliebten TV-Mehrteilers über vier liebeshungrige junge Frauen läuft als München-Höhepunkt im Open-Air-Kino am Olympiasee (19.8.).

Filmfest München Pop-up, Mi., 15. Juli, bis Mi., 26. Aug., Pop-up-Autokino München, Lilienthalallee 29, und Kino am Olympiasee, Coubertinplatz 1, Infos: www.filmfest-muenchen.de, Tickets unter www.popup-autokino-muenchen.de, www.kinoamolympiasee.de

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SZ vom 09.07.2020
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