Süddeutsche Zeitung

Zorneding:Ein Hauch von Champions League in der Kreisklasse

Der TSV Zorneding bekommt eine Videowand für Heimspiele, die man eher in der Profiliga erwarten würde. Premiere ist am Sonntag beim Lokalderby.

Zuerst ein verschmitztes Lächeln, dann ein kurzes Winken mit der Hand - so ganz sicher wirkt der Fußballer Manuel Krauss noch nicht bei dem, was er da machen soll. Der Stürmer des TSV Zorneding musste - wie alle anderen Spieler - für einen kurzen Videoclip posieren, der künftig nach jedem Torerfolg im heimischen Sportpark eingespielt wird. Möglich macht das eine Videowand, die an diesem Sonntag beim Heimspiel gegen den FC Falke Markt Schwaben zum ersten Mal im Einsatz ist. Damit betritt der Kreisklassist absolutes Neuland im Amateurfußball in der Region, denn eine solche technische Ausstattung gibt es eigentlich nur im Profibereich.

Davon sind die Kicker aus dem westlichen Landkreis zumindest auf dem Platz aber meilenweit entfernt. Vor drei Monaten hat die Niederlage nach Elfmeterschießen im Relegations-Rückspiel bei Hajduk München den direkten Wiederabstieg aus der Kreisliga besiegelt. Nun will die junge Truppe von Trainer Ralph Pöpperling eine Etage tiefer wieder angreifen - und das mit einem Hauch von Champions League an der Seitenlinie. Denn durch die Videowand abseits des Platzes sollen die Zuschauer jederzeit mit Informationen rund um das Spielgeschehen versorgt werden - ganz so wie in den großen europäischen Fußballtempeln.

Auch am Zornedinger Sportplatz werden nach Toren künftig kurze Wiederholungssequenzen über den Bildschirm flimmern und die Torschützen mit Videoclips gefeiert. Möglich gemacht hat das federführend Michael Jäger, Stadionsprecher und Vorstand des Fußballfördervereins. In dieser Funktion ist er Ende vergangenen Jahres im Gemeinderat vorstellig geworden, um seine Idee zu bewerben - und um nach einer kleinen Finanzspritze zu fragen. Denn die drei mal fünf Meter große Videowand war nicht ganz billig. Die 18 000 Euro, die der Förderverein dafür aufbringen musste, stammen überwiegend aus Spenden. 3000 Euro hat schließlich die Gemeinde dazugegeben. Allerdings erst nach einer etwas längeren Debatte, denn auch in der Sitzung kam die Frage auf: Braucht's das überhaupt?

Braucht's das überhaupt?

Wenn man Michael Jäger fragt, dann lautet die Antwort ganz klar: ja. Auf der Suche nach einer Anzeigetafel sei man auf die Videowand gestoßen, die dem Fördervereins-Chef zufolge viele Vorteile hat: "Sie ist leicht zu transportieren und man kann sie auch für andere Zwecke verwenden." Jäger denkt dabei etwa an ein Open-Air-Kino in der Gemeinde. Auch der Aufbau an den Spieltagen gehe recht schnell von der Hand, sei mit zwei Leuten gut zu stemmen und dauere lediglich eine halbe Stunde. Die 60 Einzelpaneele und das Stahlgerüst werden zu den Heimspielen neben dem Platz aufgestellt. Unter der Woche wird die Videowand zerlegt in einem Anhänger gelagert.

Während der Partien hält die Anlage Jäger künftig ordentlich auf Trab. Neben seiner Funktion als Stadionsprecher, muss er auch dafür sorgen, dass die richtigen Clips angezeigt werden und die Wiederholungssequenzen rechtzeitig zu sehen sind. "Da muss man schon auf den Punkt arbeiten. Währenddessen bin ich dann auch nicht ansprechbar", sagt er. Noch filmt Jäger das Spiel mit seinem Handy, deswegen werden zunächst auch nur die Tore der Heimmannschaft eingeblendet. Künftig sollen dann aber zwei Kameras ermöglichen, dass auch die Gästefans die Tore ihres Teams nochmals auf der Leinwand bejubeln können.

Von denen soll es in der kommenden Spielzeit allerdings nicht allzu viele geben. Nach dem Abstieg hat der TSV Zorneding durchaus Ambitionen, in den oberen Tabellenregion ein Wörtchen mitzureden - und Jäger traut das seinem Team auch zu. "In den nächsten Spielen können wir uns einen Schub für die Saison holen." An der technischen Ausstattung jedenfalls sollte dieses Vorhaben nicht scheitern.

TSV Zorneding gegen FC Falke Markt Schwaben, Anpfiff am Sonntag, 14.30 Uhr, im Zornedinger Sportpark. Dauerkarten anlässlich des 100-jährigen Bestehens zum Sonderpreis von 19,20 Euro.

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SZ vom 31.08.2019/koei
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