Süddeutsche Zeitung

Corona-Prävention:Polizei löst in Poing Grillparty auf

Am Samstag werden mehrere Verstöße gegen Ausgangsbeschränkungen zur Anzeige gebracht. Insgesamt verhalten sich die Landkreisbürger aber vernünftig

Nicht jeder kann oder will offenbar verstehen, was die derzeitigen Ausgangsbeschränkungen bedeuten. Die Polizei Poing hat bei ihren Kontrollen am Samstag jedenfalls mehrere Verstöße festgestellt. In Anzing wurde ein Münchner Pkw kontrolliert, der mit zwei Personen besetzt war. Das Pärchen gab auf Anfrage hin an, dass es gerade in Ebersberg gewesen sei, um mit einem Freund etwas zu besprechen. In Poing trafen sich im Mitterfeldring vier Personen - zwei Poinger, ein Plieninger und ein Erdinger - zu einer Grillfeier. Die Party wurde von der Polizei aufgelöst. Den Gästen wurde ein Platzverweis erteilt, sie wurden aufgefordert nach Hause zu fahren, was sie auch taten.

In Zorneding wurden drei junge Männer zwischen 18 und 20 Jahren im ehemaligen Steinbruch an der B 304 angetroffen. Sie hatten sich dort versammelt, um gemeinsam Bier zu trinken. Die Zornedinger wurden ebenfalls aufgefordert, nach Hause zu gehen. Die Verstöße werden nach Angaben der Poinger Polizei jeweils zur Anzeige gebracht.

Einige Fälle hat auch die Ebersberger Polizei zur Anzeige gebracht, laut einem Sprecher handelte es sich vor allem um Jugendliche, die sich trotz der Ausgangsbeschränkungen trafen. Bei den Kontrollen der beliebten Ausflugsziele - etwa die Seen in der Region - habe man lediglich hin und wieder Ermahnungen aussprechen müssen, weil der Mindestabstand nicht eingehalten worden sei, so ein Polizeisprecher. Insgesamt hätten sich die Menschen aber trotz des schönen Frühlingswetters recht vernünftig verhalten.

Ähnlich war es insgesamt in der ersten Woche der Ausgangsbeschränkungen. Beim Treffen des Krisenstabs im Landratsamt berichtete der Vertreter der Polizei ebenfalls, dass sich die allermeisten Landkreisbürger an die Regelungen hielten. Ein Bußgeldkatalog legt fest, in welcher Höhe Verstöße gegen die aktuellen Ausgangsbeschränkungen und Verhaltensregeln geahndet werden. Die Spanne liegt zwischen 150 Euro und 5000 Euro.

Was die aktuelle Situation angeht, hat sich die Lage nicht entspannt: Im Landkreis Ebersberg sind zum Stand Samstag 114 Menschen mit dem Coronavirus infiziert. In häuslicher Quarantäne befinden sich 414 Menschen. Seit Ausbruch der Pandemie wurden im Landkreis insgesamt 150 Menschen positiv auf das Coronavirus getestet. 36 von ihnen sind wieder gesund, wie das Landratsamt mitteilt. In der Kreisklinik werden, Stand Samstag, 15 infizierte Patienten behandelt, fünf von ihnen befinden sich auf der Intensivstation und müssen beatmet werden. Es gibt 24 Verdachtsfälle. Sie werden isoliert stationär behandelt. Nach wie vor gibt es ein großes Interesse am Bürgertelefon, das der Landkreis eingerichtet hat: Allein am Freitag haben sich 184 Landkreisbürger über die Telefonhotline (08092) 82 36 80 informiert, 21 Betriebe haben auf der für sie eingerichteten Hotline angerufen.

Im Diagnostikzentrum wurden am Freitag 122 Abstriche genommen. Die Kapazitäten reichen nach Einschätzung des Krisenstabs im Landratsamt für die angeordneten Untersuchungen und für die Untersuchungen von systemrelevanten Personen aus, sie könne jederzeit bis auf 200 Abstriche pro Tag erhöht werden. In der nächsten Woche soll ein weiteres privates Untersuchungslabor hinzukommen. Die Rückmeldungen der privaten Labore klappt innerhalb von 24 Stunden. Planmäßig verläuft die Einrichtung des Hilfskrankenhauses, Mitte kommender Woche sollen die Betten in die Turnhalle an der Realschule geliefert werden.

In den vergangenen Tagen wurden Gespräche mit den Betreibern von Alten- und Senioreneinrichtungen geführt. Sie alle werden in der nächsten Woche von Fachleuten aus dem Krisenstab des Landratsamtes besucht, um auf sie abgestimmte Konzepte und Notfallpläne zu erarbeiten. Der Schutz dieses besonders gefährdeten Personenkreises sei dem Landkreis Ebersberg ein besonders wichtiges Anliegen, heißt es in einer Pressemitteilung.

Landrat Robert Niedergesäß: "Die aktuelle Situation, die Beschränkungen bei sozialen Kontakten, die Einschränkungen unserer Bewegungsfreiheit sind eine große Herausforderung für jeden einzelnen von uns. Sie zeigen uns aber auch, wie wertvoll all das ist, was bisher selbstverständlich war. Wir sehen in dieser Situation auch, wie viele Menschen es gibt, die bereit sind andere zu unterstützen, zu helfen, mit dem was sie können. Das ist sehr beeindruckend und zeigt, dass wir uns aufeinander verlassen können, wenn es eng wird. Danke an alle, die sich engagieren und besonders an die, die sich melden für einen Einsatz bei der Pflege von erkrankten Menschen."

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SZ vom 30.03.2020
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