Süddeutsche Zeitung

Kulturförderung:Neue Museums-App für die Alte Pinakothek

Die Digitalisierung der bayerischen Museen schreitet langsam voran. Ein Beispiel für die Initiative geht nun Online, beim Flaggschiff des Freistaats, der Staatsgemäldesammlung.

Von Susanne Hermanski

Mit dem Programm "kultur.digital.strategie" unterstützt das bayerische Kunstministerium staatliche Kulturinstitutionen auf ihrem Weg in die digitale Transformation. Für die Jahre 2023 bis 2026 werden erneut rund 1,5 Millionen Euro bereitgestellt. Die Bayerische Staatsgemäldesammlung, das Bayerische Nationalmuseum, das Bayerische Staatsschauspiel, Die Neue Sammlung - The Design Museum, die Generaldirektion der Staatlichen Archive Bayerns, das Museum für Abgüsse Klassischer Bildwerke, das Museumspädagogische Zentrum, das Staatliche Museum Ägyptischer Kunst sowie das Zentralinstitut für Kunstgeschichte erhalten entsprechende Zuwendungen.

Alle neun Institutionen waren bereits Teil des Vorgängerprogramms. Deshalb haben sie in den vergangenen zwei Jahren digitale Strategien entwickelt, verschiedene Experimente im digitalen Raum gemacht und wertvolle Erfahrungen gesammelt sowie geteilt. Vor diesem Hintergrund der erzielten Erfahrungswerte sollen jetzt die Projekte professionalisiert werden. Bei allen neun Projekten steht die Kulturvermittlung im Vordergrund. Ein Beispiel bietet die Alte Pinakothek mit der App "Alte Pinakothek Unframed".

Sie soll neue individuelle Zugänge zur Sammlung schaffen. Das Publikum kann damit die Alten Meister bequem per Smartphone im Museum oder auch zu Hause entdecken beziehungsweise seine Eindrücke davon vertiefen. Kunstminister Markus Blume kann anlässlich der Vorstellung des Vermittlungstools ein Wortspiel nicht lassen: "App-soluter Wahnsinn" sei das Tool, sagt er.

Priscilla Pfannmüller ist seit April 2023 Projektleiterin für den digitalen Besuchsassistenten in der Alten Pinakothek. Zuvor war sie wissenschaftliche Volontärin an den Staatsgemäldesammlungen mit Stationen wie dem Armeemuseum und dem Bayerischen Nationalmuseum. In ihrem Blogbeitrag auf der Homepage der Pinakotheken erklärt sie, was es konkret mit "Unframed" auf sich hat. "Was die am häufigsten verwendete Farbe auf den Gemälden der Alten Pinakothek ist? Rot! Hätten Sie das gedacht? Nun, wir auch nicht. Das ist nur eine von vielen neuen Erkenntnissen, die wir durch die Verschlagwortung der ausgestellten Gemälde der Alten Pinakothek gewonnen haben."

Neben thematisch kuratierten Rundgängen gibt die App die Möglichkeit, selbst Touren nach eigenen Interessen zusammenzustellen und sie mit Freunden und Bekannten zu teilen. Besucherinnen und Besucher können auf Basis von personalisierten Empfehlungen Themen, die in den Gemälden der Alten Pinakothek verhandelt werden, erschließen und entdecken.

Damit man die Meisterwerke so entdecken kann, haben die Museumsmitarbeiter fast 700 Gemälde verschlagwortet mit Begriffen, die keine kunsthistorischen Vorkenntnisse erfordern wie "Frau", "Heilige", "Himmel", "Glück" oder auch "Schmerz". "Dieses Verschlagworten ist komplexer, als man denkt", sagt Pfannmüller, "denn jeder Mensch sieht (und empfindet) Kunst anders. Eine neutrale Beschreibung von Kunst ist also unmöglich." Doch wer die neue App testet, merkt schnell: Das Subjektive funktioniert hier überaus gut.

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