Süddeutsche Zeitung

Landwirtschaft:Bauernverband erklärt:"Wir pflegen die Lunge der Erde"

Vertreter des Bauernverbands erklären, dass Landwirte einen großen Beitrag zum Klimaschutz leisten

Was hat Klimaschutz mit Landwirtschaft zu tun? Sehr viel, sagt der Bayerische Bauernverband und hat zu diesem Thema eine Broschüre erstellt, die den selbstbewussten Titel "Klimaschutz - wir sind Teil der Lösung" trägt. Um Klimaschutz und die Position, die der Bauernverband hierzu einnimmt, ging es auch in einer gemeinsamen Veranstaltung der BBV-Kreisverbände Dachau und Fürstenfeldbruck. Als Redner hatten Anton Kreitmair , Präsident des oberbayerischen Bauernverbands sowie Dachauer Kreisverbandsvorsitzender, und sein Fürstenfeldbrucker Kollege Georg Huber Andreas Buchner eingeladen, einen Mitarbeiter der BBV-Hauptgeschäftsstelle in München.

Seinen rund siebzig Zuhörern in Bergkirchen erklärte Andreas Buchner, warum sich die Landwirtschaft als "Teil der Lösung" beim Klimaschutz sieht. Zum einen, sagte er, weil sie die einzige Wirtschaftsbranche sei, die über die Produktion von Biomasse und die Bindung von CO2 in Böden oder Wäldern aktiv Klimaschutz betreibe, und zum andern, weil sie durch die Erzeugung von nachwachsenden Rohstoffen und Bioenergie dazu beitrage, fossile Energieträger zu ersetzen und Treibhausgase zu reduzieren. Gleichzeitig sei die Landwirtschaft auch ganz unmittelbar von Klimaänderungen - vermehrten Trockenperioden oder Niederschlägen zu falschen Zeiten - betroffen: "Wir erfahren", sagt Buchner, "die Klimawende am eigenen Leib".

Zu einer Reihe von Teilaspekten des Fragenkomplexes, wie Landwirtschaft zum Klimaschutz beitrage, nahm Buchner in seinem Vortrag explizit Stellung. Dabei spielte der Bereich des angestrebten Humusaufbaus durch den Anbau bestimmter dafür günstiger Pflanzen und die Frage, ob dies vom Staat gefördert werden solle, eine zentrale Rolle. Auch die Rinderhaltung nannte Buchner als positiven Faktor in Sachen Klimaschutz, da hierdurch Grünland und somit ganzjährige Bodenbedeckung erhalten werde. Zum Problem des Methanausstoßes durch Rinder erklärte er, man müsse versuchen, diesen möglichst niedrig zu halten - etwa durch vermehrte Grünfütterung. Die Entstehung des ebenfalls problematischen Lachgases müsse durch gute Düngepraxis und Vermeidung von Bodenverdichtung gering gehalten werden. Den Vorwurf, über Sojaimporte aus Südamerika an der Zerstörung des Regenwalds mit schuld zu sein, weist Buchner mit Verweis auf sinkende Importzahlen zurück. Als aktiven Beitrag sieht der BBV-Vertreter auch die Wald- und Forstwirtschaft: CO2 werde im Holz der Bäume gebunden und Sauerstoff produziert. "Wir pflegen die Lunge der Erde". Durch Verwendung von Holz etwa in der Bauwirtschaft werde CO2 dauerhaft gespeichert.

In der Diskussion ging es primär um die vielen Fragen rund um zu hohe, das Grundwasser und damit auch die Gesundheit von Umwelt und Menschen gefährdende Nitratwerte, die an Messstellen auch in Bayern festgestellt wurden, und damit um die von der EU geforderte Verschärfung der Düngeverordnung. Dort, wo der Nitratgehalt im Boden tatsächlich die Grenzwerte übersteige, müsse gezielt gehandelt werden. In Bergkirchen wurde deutlich, wie empfindlich man beim Bauernverband in diesen Fragen mittlerweile ist. Auf eine kritische Stellungnahme, mit der sich der Vorsitzende des Bayerischen Gemeindetags, Uwe Brandl, vor kurzem an Ministerpräsident Söder gewandt hat, reagierte Anton Kreitmair geradezu wütend. Die Aussage stelle "einen Angriff auf die Landwirtschaft" dar, der Mann sei "nicht mehr tragbar". Kreitmair sieht aber auch grundsätzlich ein "Abrücken von CSU und Freien Wählern von der Landwirtschaft" und beklagt zudem, dass die Ergebnisse wissenschaftlicher Studien nicht mehr in politische Entscheidungen einflössen. So sei etwa ein geplantes Verbot von Herbstdüngungen für Zwischenfrüchte wissenschaftlich nicht haltbar.

Umso wichtiger erscheint es den Vertretern des BBV, den postulierten Beitrag der Landwirtschaft zum Klimaschutz "ins rechte Licht zu rücken", wie es Buchner ausdrückte. "Wir müssen den Sinneswandel der Gesellschaft erkennen und schauen, wo können wir mitgehen", so Kreitmair.

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SZ vom 12.02.2020
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