Süddeutsche Zeitung

Landtagswahlen in Bayern:Zwei Männer vom BRK für die SPD

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Die Sozialdemokraten des Unterbezirks Dachau schicken Hubert Böck, Leiter des Rettungsdienstes in Freising, als Direktkandidaten für die Landtagswahl 2023 ins Rennen. Dennis Behrendt, Geschäftsführer des Rotkreuz-Kreisverbands Dachau, bewirbt sich um das Bezirkstagsmandat.

Von Walter Gierlich, Dachau

Braucht die Dachauer Kreis-SPD Hilfe vom Rettungsdienst des Roten Kreuzes? Das könnte durchaus vermuten, wer sich ansieht, wen die Sozialdemokraten im kommenden Jahr in die Landtags- und Bezirkstagswahl schicken: Mit Hubert Böck, dem Leiter des BRK-Rettungsdienstes in Freising als Direktkandidaten geht der SPD-Unterbezirk Dachau in die Landtagswahl 2023, während sich der Geschäftsführer des Rotkreuz-Kreisverbands Dachau, Dennis Behrendt, um das Mandat für den Bezirkstag Oberbayern bewirbt. Beide hatten keine Gegenkandidaten oder -kandidatinnen.

Der 57-jährige Böck aus Markt Indersdorf wurde am Freitagabend von den Delegierten der Stimmkreiskonferenz im Schützensaal des Dachauer Gasthofs Drei Rosen mit 90,4 Prozent gewählt. Böck, der im Gemeinderat seines Heimatorts und im Kreistag sitzt, gab sich in seiner Vorstellungsrede durchaus optimistisch, da er nicht nur auf Stimmen aus dem Landkreis Dachau, sondern auch aus dem benachbarten Freising hofft, wo er als Leiter des Rettungsdienstes arbeitet.

Ob das reichen wird, ist dennoch fraglich: Bei der Bundestagswahl 2021 wurde die SPD zwar deutschlandweit stärkste Partei und konnte das Kanzleramt erobern, im Landkreis Dachau jedoch blieben die Genossen damals bei 15,3 Prozent stecken. Dennoch war das ein kleiner Erfolg, war die Partei doch bei der Landtagswahl 2018 gerade noch auf lediglich 10,6 Prozent gekommen. Selbst der langjährige Abgeordnete Martin Güll war mit 12,7 Prozent nur auf Platz vier bei den Direktkandidaten gelandet.

Max Eckardt prognostiziert einen harten Wahlkampf

In seiner Begrüßungsrede am Freitag wies der Co-Vorsitzende des Unterbezirks, Max Eckardt, darauf hin, dass "nie eine Bundesregierung nach ihrem Amtsantritt so einen Packen Probleme gehabt hat". Er prognostizierte einen harten Wahlkampf, was CSU-Ministerpräsident Markus Söder bereits jetzt mit heftigen Attacken auf die SPD-geführte Ampelkoalition beweise, mit denen er "vom eigenen Versagen ablenken will". Als Beispiele dafür nannte Eckardt unter anderem die Blockade von Stromleitungen aus dem Norden, die 10-H-Regelung für Windräder oder den Lehrermangel im Freistaat.

Nachdem seine Kollegin an der Kreisverbandsspitze, Arlette Amend, als Versammlungsleiterin die Formalien erklärt hatte, ergriff Böck das Wort. Er erklärte zunächst, warum er 2020 nach nicht einmal eineinhalb Jahren den UB-Vorsitz abgab, den er erst im März 2019 von Martin Güll übernommen hatte. Er sei beruflich im Rettungsdienst wegen der Corona-Pandemie zu sehr gefordert gewesen. Allerdings habe er durch die vielen Aufgaben zur Bewältigung der Pandemie im Landkreis Freising zahlreiche Kontakte geknüpft, so dass er sich dort eine Menge Zweitstimmen erhoffe: "Jetzt haben mich die Themen wieder gefunden". Denn beim Roten Kreuz gehe es um Gesundheit, aber auch Soziales und Kinderbetreuung, Bereiche in denen es nach seiner Ansicht im Freistaat massiven Handlungsbedarf gibt.

"Es gibt genügend Punkte, die wir anpacken müssen"

Vor allem lägen ihm die Ganztagsbetreuung und die Sozialarbeit an Schulen am Herzen. Mit Blick auf den Fachkräftemangel will sich der ehrenamtlich als Baseballtrainer tätige SPD-Mann für die Entlastung von Kita- und Pflegepersonal ebenso stark machen wie für Kultur- und Sportförderung: "Es gibt genügend Punkte, die wir anpacken müssen", rief er den Delegierten zu und erklärte: "Wir sind der soziale Kern und wir kümmern uns um die Menschen."

Starke Unterstützung bekam Böck von der Fraktionsvorsitzenden im Kreistag, Marianne Klaffki. Sie erinnerte an den früheren Wahlslogan ihrer Partei "Bayern - aber gerechter", der nichts von seiner Aktualität eingebüßt habe. Hubert Böck sei mit seinem beruflichen Schwerpunkt im Gesundheits- und Sozialbereich genau der richtige Mann, um für mehr Gerechtigkeit einzutreten. Bei der Aufstellung des Landtagskandidaten, an der 42 Delegierte teilnahmen, gab es für Böck dann 38 Ja-Stimmen, eine Nein-Stimme und drei Enthaltungen.

Auch der 29 Jahre alte Dennis Behrendt ist ein Rotkreuz-Mann durch und durch. Er war, wie er seiner Bewerbungsrede berichtete, schon in seiner Jugend ehrenamtlich bei der Wasserwacht, später im Rettungsdienst tätig. Seit 2012 arbeitet er hauptamtlich beim BRK-Kreisverband Dachau, zunächst als Notfallsanitäter, danach dank seiner kaufmännischen Ausbildung als Bereichsleiter Verwaltung und Leiter des Rettungsdienstes. Am 1. Juni 2022 wurde er Geschäftsführer des Kreisverbands.

Den Weckruf, sich politisch zu engagieren, habe er 2017 erhalten, als mit der AfD erstmals eine rechtsradikale Partei in den Bundestag eingezogen sei. "Ich möchte gerade in schwierigen Zeiten anpacken", betonte er mit Blick auf die Dringlichkeit von Klimaschutz, Energie- und Verkehrswende. 2020 wurde Behrendt in den Dachauer Stadtrat und den Kreistag gewählt. Im Bezirkstag Oberbayern möchte er sich besonders für den Ausbau der Versorgung psychisch Kranker stark machen, insbesondere auch für die psychiatrische Versorgung Jugendlicher im Landkreis. Bei der Wahl konnte Behrendt 40 von 42 Stimmen erringen, dazu gab es eine Nein-Stimme und eine Enthaltung.

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