Süddeutsche Zeitung

Badesee:"Es ist schade, dass es den Sicherheitsdienst braucht"

Seit fünf Jahren patrouillieren Securitys am Karlsfelder See, um Müllsünder und illegale Griller abzuschrecken. 70 000 Euro gibt der Landkreis Dachau dafür jährlich aus. Was das bislang gebracht hat.

Von Anna Schwarz, Karlsfeld

Freitagabend, 17 Uhr, die Sonnenschirme am Karlsfelder See sind noch aufgespannt, zwei Sicherheitskräfte laufen rund um das Gewässer. Seit rund fünf Jahren ist dort in der Badesaison ein Sicherheitsdienst eingesetzt, die Entscheidung dafür hat der Kreistag gefällt. Grund dafür war die massive Müllverschmutzung am Ufer etwa mit Zigarettenstummeln, Glasscherben oder Essensresten, die nach Grillgelagen und Partys oft liegengeblieben sind. Die Securitys sollen die Badegäste darauf aufmerksam machen, ihren Müll wieder mitzunehmen beziehungsweise in die vorhandenen Müllbehälter zu werfen. Außerdem schalten sich die Sicherheitskräfte ein, wenn Badegäste außerhalb der ausgewiesenen Bereiche grillen oder das Naherholungsgebiet mit ihren Fahrzeugen befahren.

Das Landratsamt zieht eine positive Bilanz: In den vergangenen Monaten sei die Müllverschmutzung an dem Gewässer "offensichtlich deutlich zurückgegangen", auch deutlich weniger Glasscherben würden herumliegen, schreibt Landratsamt-Sprecherin Katharina Gall: "Wir führen das schon auf die hohe Präsenz des Sicherheitsdienstes zurück." Und den lässt sich der Landkreis auch etwas kosten: 70 000 Euro fallen dafür jährlich an.

Seit der Sommersaison 2018 geht der Sicherheitsdienst am Karlsfelder See auf Streife. Während der Badesaison sind laut Landratsamt, das für den See zuständig ist, mindestens vier Sicherheitsmitarbeiterinnen und Sicherheitsmitarbeiter im Einsatz, sie sind am Freitag sowie den Wochenend- und Feiertagen von elf bis 23 Uhr am See unterwegs. Die Einsatzzeiten seien je nach Besucheraufkommen und Wetterlage flexibel, bei Bedarf könnten bis zu vier weitere Sicherheitsmitarbeiter hinzugeholt werden, so das Landratsamt.

100 Euro Geldstrafe gibt es für Tiere füttern oder illegales Grillen

Rückmeldungen zum Sicherheitsdienst bekommt das Landratsamt nur selten: Hin und wieder beschwerten sich Bürgerinnen und Bürger, die vom Sicherheitsdienst wegen eines Vergehens aufgenommen wurden und dafür ein Ordnungsgeld bezahlen müssen, so Gall. Die häufigsten Ordnungswidrigkeiten sind: falsch geparkte Fahrzeuge, Grillen außerhalb der Grillplätze und Verstöße gegen das Glasverbot am See.

Bei jedem ersten Vergehen gilt laut Landratsamt ein Verwarngeld von 35 Euro. Bei einem weiteren Verstoß werden Wiederholungstäter mit Bußgeldern bestraft: Jeweils 100 Euro Geldstrafe gibt es für Tiere füttern, Vermüllung oder illegales Grillen. Außerdem gilt zwischen 1. Mai und 30. September ein generelles Hundeverbot am Karlsfelder See. Wer seinen Hund trotzdem mitbringt und ohne Leine laufen lässt, muss beim ersten Verstoß 150 Euro zahlen, beim zweiten sogar 300 Euro.

Es würden sich aber nicht nur Bürgerinnen und Bürger melden, die sich über die Ordnungsgelder ärgern, teilt das Landratsamt mit. Andere Badegäste wenden sich an die Behörde, weil sie sich eine noch "stärkere Präsenz des Sicherheitsdienstes wünschen, gerade an hochfrequentierten Tagen oder wenn zahlreiche feiernde Gruppen im Naherholungsgebiet sind", schreibt Gall.

Der Vorsitzende der Kreiswasserwacht Dachau, Oliver Welter, ist mit seinem Rettungsteam am Karlsfelder See vertreten. Er sagt: "Es ist schade, dass es den Sicherheitsdienst überhaupt braucht - aber ohne klappt es wohl nicht." Auch er habe das Gefühl, dass sich die Situation am Karlsfelder See verbessert habe, seitdem die Securitys dort Streife gehen. Die Probleme mit zerschmissenen Glasflaschen, Grillpartys im verbotenen Bereich oder Müllhalden auf den Liegewiesen hätten sich reduziert, so Welter. Allerdings sagt er auch: "Wenn die Leute wüssten, wie man sich aufführt, bräuchte man den Sicherheitsdienst nicht."

Am Waldschwaigsee muss der Sicherheitsdienst kaum einschreiten

Auch am Waldschwaigsee in Karlsfeld patrouillieren Sicherheitskräfte während der Badesaison und das schon seit über zwei Jahrzehnten, so die Gemeinde. "Für uns ist das eine Entlastung", sagt der Vorsitzende der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) Karlsfeld, Hermann Bendl. Denn dadurch könnten sich seine DLRG-Schwimmerinnen und Schwimmer auf ihre eigentliche Aufgabe, nämlich das Retten von Badegästen, konzentrieren.

Die Securitys wiederum kümmern sich darum, dass die Benutzungsregeln am See eingehalten werden: Sie ermahnen unter anderem Falschparker oder Badegäste, die ihren Hund mit an den Waldschwaigsee gebracht haben, obwohl die Tiere dort in der Badesaison verboten sind, sagt Bendl. Anders als am Karlsfelder See gebe es aber am Waldschwaigsee kaum Probleme mit liegengelassenem Müll. "Die Badegäste passen da sehr auf. Aber wenn etwas herumliegt, sprechen wir sie auch darauf an", sagt Bendl.

Laut der Gemeinde Karlsfeld sind im Haushalt rund 20 000 Euro für den Sicherheitsdienst eingeplant. Das Ordnungsamt teilt jedoch mit, dass am Waldschwaigsee kaum Ordnungswidrigkeiten anfallen. Am häufigsten komme es vor, dass die die Sicherheitskräfte Badegäste ermahnen müssen, die ihren Hund trotz Verbots an den See mitbringen: "Beim ersten Mal wird nur verwarnt, Ordnungsgelder bekommen nur die Wiederholungstäter."

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