Süddeutsche Zeitung

Kommunalwahl in Dachau:In Ruhe das Kreuzchen setzen

Lesezeit: 3 min

Die Bürgerbüros und Wahlleiter im Landkreis Dachau rechnen mit mehr Briefwählern bei der bevorstehenden Kommunalwahl am 15. März als noch im Jahr 2014. Grund dafür ist unter anderem die Größe der Wahlunterlagen.

Von Julia Putzger, Dachau

Ein idealer Küchentisch für vier Personen ist ungefähr 120 Zentimeter lang und 80 Zentimeter breit - und hat somit beinahe exakt dieselben Maße, wie der Stimmzettel für die Kreistagswahl in Dachau. Das trifft sich gut, denn immer mehr Bürger setzen ihre Kreuzchen bequem zuhause und nutzen die Briefwahl. Schon jetzt haben rund ein Viertel aller Wahlberechtigten Briefwahlunterlagen beantragt.

Die Beliebtheit der Briefwahl ist ein Trend, der sich schon bei vergangenen Wahlen beobachten ließ. Bei den Kommunalwahlen 2014 lag der Anteil der Briefwähler im Landkreis Dachau bei fast 45 Prozent, bayernweit bei knapp 49 Prozent. Dahingegen waren es 1960 in ganz Bayern gerade einmal 1,3 Prozent. Seitdem ist der Anteil der Briefwähler stetig gewachsen: 1978 waren es rund 13 Prozent und 2008 bereits fast 30 Prozent. Für die Kommunalwahlen wird dementsprechend erneut mit einem Anstieg gerechnet. Diejenigen, die sich in den Gemeinden um die Abläufe rund um die Wahl kümmern, sind darauf vorbereitet: Es gibt mehr Briefwahlbezirke als 2014 und mehr Wahlhelfer, die für die Briefwahl zuständig sind.

Allerdings muss man beim Vergleichen der Zahlen aufpassen: Während zur Kommunalwahl 2014 natürlich bereits endgültige Zahlen über die Anzahl der Wahlberechtigten, Wähler und Briefwähler vorliegen, gibt es zur diesjährigen Kommunalwahl nur einen, sich ständig verändernden Status Quo. So zählte beispielsweise die Gemeinde Altomünster am Montag rund 2000 Briefwahlanträge, bei insgesamt rund 6300 Wahlberechtigten macht das schon fast 32 Prozent aus. Da naturgemäß aber schlussendlich nicht alle Wahlberechtigten ihre Stimme abgeben, wird der Anteil der Briefwähler bei der anstehenden Kommunalwahl voraussichtlich den Wert von 2014 erreichen oder gar überbieten: Damals wählten 2080 Bürger per Briefwahl, was 52 Prozent aller Stimmen in Altomünster ausmachte.

Seit einer Woche trudeln die Briefwahlanträge in den Bürgerbüros ein

Seit einer Woche trudeln die Briefwahlanträge in den Bürgerbüros der Landkreisgemeinden ein. Noch bis zum Freitag vor der Wahl können sie entweder online, per Post oder direkt vor Ort im Bürgerbüro gestellt werden. In Markt Indersdorf, aber auch in anderen Landkreisgemeinden, bevorzugt rund die Hälfte der Antragsteller den Gang zum Bürgerbüro der Heimatgemeinde: "Vor allem ältere Menschen holen sich die Briefwahlunterlagen bei uns ab. Das liegt vor allem daran, dass sie das online nicht tun wollen oder gar nicht können", informiert Andrea Günther aus dem Indersdorfer Bürgerbüro. Das bedeutet einen regelrechten Ansturm auf die Bürgerbüros: In Indersdorf haben bisher rund 2200 Bürger Briefwahlunterlagen beantragt, Andrea Günther schätzt, dass insgesamt fast die Hälfte der etwa 8500 Wahlberechtigten in Indersdorf die Briefwahl nutzen werden.

Doch nicht nur in ländlicher geprägten Gemeinden, in denen der Weg zum Wahllokal länger ausfallen kann, ist die Briefwahl beliebt. Auch im Bürgerbüro der Stadt Dachau waren am Wochenbeginn bereits rund 8700 Briefwahlanträge eingegangen - das entspricht gut einem Viertel aller Wahlberechtigten. Thomas Held, Wahlamtsleiter der Stadt Dachau, vermutet aber, dass die Entfernung zum Wahllokal nicht in jedem Fall ausschlaggebend ist: Es habe schon immer diejenigen gegeben, die sagten: "Erst in die Kirche, dann zur Wahl und dann zum Frühschoppen."

Die Verantwortlichen im ganzen Landkreis sind sich jedenfalls einig: Bei der diesjährigen Kommunalwahl wird es deutlich mehr Briefwähler geben als 2014. Den Grund dafür vermuten sie übereinstimmend in der Größe des Stimmzettels: "Bei ein Meter zwanzig Breite für den Kreistagsstimmzettel, wie soll man da in der Wahlkabine durchblicken?", gibt Held die Bedenken zahlreicher Bürger wieder. "Es ist fast ein Ding der Unmöglichkeit den Stimmzettel in der Wahlkabine überhaupt auszubreiten", sagt auch Andrea Rauch aus dem Bürgerbüro in Altomünster. Die Möglichkeit, seine Kreuzchen zuhause in Ruhe zu setzen, sei darum für viele der Hauptgrund, die Briefwahl zu nutzen. Außerdem ist es - wie bereits 2014 - nicht mehr nötig, einen wichtigen Grund zu nennen, aus dem man am Wahlsonntag nicht zur Urne gehen kann. "Früher haben viele einfach gesagt, dass sie auf Urlaub sind, das ist jetzt nicht mehr so", weiß Astrid Simkaitis, die in Karlsfeld für Briefwahl zuständig ist.

Wahlamtsleiter Thomas Held von der Stadt Dachau glaubt zwar, dass der Großteil der Anträge bereits in den Bürgerbüros eingegangen ist, gibt aber zu Bedenken, dass sich beispielsweise das Coronavirus noch massiv auf den Anteil der Briefwähler auswirken könnte. Denn sollte es auch in Dachau demnächst Krankheitsfälle oder gar Quarantänemaßnahmen wie in Norditalien geben, würde niemand mehr in ein öffentliches Wahllokal gehen, so Held. Für den Fall, dass die Anzahl der Briefwahlanträge plötzlich noch sprunghaft steigt, müssten dann noch entsprechende Unterlagen nachbestellt werden, denn beispielsweise in der Stadt Dachau rechnet man derzeit mit insgesamt höchstens 12 000 Briefwählern. Generell gehen die Verantwortlichen aber davon aus, gut vorbereitet zu sein. "Wir sind darauf eingestellt, weil das bereits bei vergangenen Wahlen absehbar war", sagt Regina Scholtyssek, Teamleiterin des Bürgerbüros in Petershausen.

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SZ vom 06.03.2020
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