Süddeutsche Zeitung

"The Mandalorian"-Star:Pedro Pascal - endlich ohne Helm

Dank "The Mandalorian" stieg Pedro Pascal in die Riege der großen Stars auf - trotz Helm. In zwei neuen Filmen zeigt er nun sein Gesicht.

Von Tobias Kniebe

Die globale Unterhaltungsindustrie zu dominieren, ohne überhaupt sein Gesicht zu zeigen - dieses Kunststück dürfte selten einem Schauspieler gelungen sein. Genau das aber hat Pedro Pascal in diesem Jahr geschafft - dank dem Erfolg der Fernsehserie "The Mandalorian" aus dem "Star Wars"-Universum, in der er den Titelhelden spielt. Vor allem "The Mandalorian" wird zugeschrieben, dass der neu gestartete Streamingservice Disney+ im Jahr 2020 alle Erwartungen in Sachen Abonnentenzahlen übertreffen konnte. In der Folge kündigte Disney jede Menge Ableger und weitere "Star Wars"-Serien an, was den Börsenkurs des Studios trotz massiver Verluste in der Pandemie auf neue Rekordhöhen schnellen ließ.

Nicht schlecht für einen Star, der die allermeiste Zeit in der Serie hinter einem Helm aus einem unzerstörbaren Metall verbringen muss, der vom Design her an ein elegantes Art-déco-Objekt erinnert. Auch zuvor war der amerikanische Schauspieler mit chilenischen Wurzeln allerdings kein Unbekannter. In der Serie "Game of Thrones" spielte er den Kämpfer Oberyn Martell alias die "Rote Viper", damals mit vollen Einsatz seiner Gesichtszüge - Fans feierten seinen gefährlich anmutenden Sexappeal. Danach tauchte er prominent in "Narcos" auf, als ein Agent der amerikanischen Drogenfahndung auf den Spuren des kolumbianischen Kartellchefs Pablo Escobar.

Inzwischen hat der 45-Jährige, der sich jahrzehntelang mit Theaterauftritten und Nebenrollen durchschlug und erst spät seinen Durchbruch feiern konnte, nicht mehr nur eine kämpferische, sondern auch eine überraschend väterliche Ausstrahlung. Die ist wichtig in "The Mandalorian". Seine Figur in der Hightech-Rüstung gehört dem fast untergegangenen Volk der Mandalorianer an, dessen Ruf als geborene Krieger und unbesiegbare Soldaten an die Spartaner erinnert. Seine Aufgabe in der Serie ist es aber vor allem, eine kindliche Kreatur mit spitzen Ohren und zerknittertem Gesicht zu beschützen, die zwar anders heißt, von allen aber nur "Baby Yoda" genannt wird.

In den wenigen Szenen, in denen Pedro Pascal seinen Helm abnehmen darf, geht es folglich auch um die starke emotionale Bindung der beiden - der ewige Krieger darf seine weiche Seite zeigen. Das geht Zuschauern aller Länder und Altersgruppen ans Herz, und es scheint bereits Auswirkungen auf Pascals nächste Rollen zu haben. Aktuell ist er (mit vollem Gesicht) in dem Netflix-Film "We Can Be Heroes" zu sehen, inszeniert von Robert Rodriguez, einem der "Mandalorian"-Regisseure.

Da spielt er einen Superhelden, aber auch hier steht eher seine väterliche Seite im Vordergrund. Als seine Figur und andere Beschützer unrühmlich von Aliens gekidnappt werden, muss seine Tochter ein Team von Superkindern zusammenrufen, damit die Eltern gerettet werden können. Auch der zweite aktuelle Film mit Pascal, "Wonder Woman 1984", gehört zum Genre der Comic-Verfilmungen. Er ist aber pandemiebedingt derzeit nur in Teilen der Welt zu sehen, in Deutschland steht kein Starttermin fest. Pascal spielt hier den schurkischen Gegner der Titelheldin, zeigt aber ebenfalls empathische Züge.

Geboren wurde Pedro Pascal 1975 in Santiago de Chile, seine Eltern waren Anhänger des gestürzten Präsidenten Salvador Allende und flohen bald nach seiner Geburt aus der Militärdiktatur Augusto Pinochets. Aufgewachsen ist er in Kalifornien und Texas, studiert hat er in New York an der Tisch School of the Arts. "New York ist eine Stadt, die dich zerfleischen oder berühmt machen kann", hat er einmal gesagt. "Und es gibt wirklich nichts dazwischen."

Lange sah es für ihn selbst eher nach Zerfleischtwerden aus. Betrachtet man aber die Tendenz von "Star Wars" und anderen Comic-Universen, in neuen Abonnementmodellen zu wuchern und endlose Serien hervorzubringen, dürfte Pedro Pascal heute ausgesorgt haben.

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