Süddeutsche Zeitung

Neuer Sender für Sky Deutschland:Murdoch setzt auf Sofasportler

Mit einem Sportnachrichten-Kanal will die defizitäre Sky-Gruppe die dringend benötigten Abonnenten sammeln. Schon bald müssen schwarze Zahlen her.

Die neue Zentrale von Sky Deutschland in Unterföhring bei München ist ziemlich üppig geraten, noch immer stehen ganze Bürotrakte leer. Kein Wunder, sie war für bessere Zeiten geplant worden. Doch das soll sich nun ändern.

Sky-Deutschland-Chef Brian Sullivan, erst seit dem vergangenem April im Amt, will einen neuen Sportnachrichten-Kanal starten. Redaktion, Studio und Produktion sollen in Unterföhring sitzen, insgesamt dafür mehr als hundert Mitarbeiter eingestellt werden, davon etwa 50 Sportjournalisten. Auf Sendung soll der Kanal mit dem Namen Sky Sport News HD im Dezember gehen.

Das Geld für das Projekt soll vom Großaktionär kommen, teilte Sky Deutschland mit. Der News-Konzern und Rupert Murdoch werden dafür über eine Tochterfirma ein Gesellschafterdarlehen in Höhe von 48 Millionen Euro an Sky Deutschland geben.

Eine teure Finanzierung: Die Verzinsung beträgt immerhin zwölf Prozent, deutlich mehr als der Marktzins, Kredit und Zinsen werden zusammen 2014 fällig.

Spätestens dann ist klar, ob das teure Projekt ein Erfolg ist. "Das Angebot füllt eine Marktlücke in Deutschland und Österreich", glaubt Sullivan. Sieben Tage in der Woche und rund um die Uhr sollen Sportnachrichten gesendet werden.

Die Börse ist skeptisch

Der Sender soll hochauflösend, also in HD, produziert werden, ist aber auch über alle anderen Kanäle zu empfangen. Sky Deutschland spricht von einer Multi-Plattformstrategie, also einer Vermarktung auch über Internet, Smartphones, PC sowie in Hotels und Gaststätten.

Der Nachrichtenkanal wird aber ein reiner Bezahlsender und nicht frei empfangbar sein, heißt es. Alle Sky-Kunden werden ihn jedoch sehen können. Der neue Sender soll die Attraktivität von Sky erhöhen. Spiele, Dokumentationen und Call-in-Sendungen wie bei Nachrichtensendern im frei empfangbaren Fernsehen werde es nicht geben.

Sky verfüge zudem über genügend Programmrechte, so auch an Golf und der Formel1. Der Sender sei nicht auf Fußball konzentriert. Vermutlich wird Fußball aber einen wichtigen Schwerpunkt bilden. Bei der Bayerischen Landesmedienanstalt (BLM) wird demnächst eine Lizenz beantragt.

Murdoch und der News-Konzern (Times, Wall Street Journal) waren Anfang 2008 bei Premiere eingestiegen und hatten den Sender dann in Sky umbenannt. Seitdem mussten sie gleich mehrere Male erhebliche Summen in das Unternehmen stecken. Inzwischen kontrolliert Murdoch knapp 50 Prozent der Sky-Deutschland-Anteile.

Im vergangenen Jahr haben sich die Zahlen des siechen Senders etwas verbessert. So stieg die Summe der Abonnenten auf 2,65 Millionen Ende Dezember. Für Gewinne sind etwa 2,8 bis drei Millionen Kunden notwendig.

Positiv ist auch, dass der durchschnittliche Monatsumsatz pro Kunde auf 30,22 Euro gestiegen ist. Das ist auch darauf zurückzuführen, dass immer mehr Abonnenten HD-Kanäle beziehen.

Trotzdem machte Sky Deutschland nach wie vor sehr hohe Verluste. 2010 erreichte das Minus 406,6 Millionen Euro nach Steuern, das ist fast die Hälfte des Umsatzes von 882 Millionen Euro. Damit verlor der Bezahlsender immer noch mehr als eine Million Euro am Tag.

Für 2011 erwartet Sullivan sogar weitere operative Verluste. Dazu kommt: Die Verschuldung hat sich 2010 auf 319 Millionen Euro nahezu verdoppelt. "Es liegt noch jede Menge Arbeit vor uns", sagt Sullivan. Die Börse ist skeptisch: Die Sky-Aktie gab Donnerstag um knapp zehn Prozent nach.

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Quelle:
SZ vom 25.02.2011/tiq
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