Süddeutsche Zeitung

TV: "Ihre erste Afrika-Story":Schmalz der Finsternis

Thema des Films "Ihre erste Afrika-Story" soll ein Flüchtingsjunge aus Darfur sein. Doch Afrika dient lediglich als Kulisse, in der sich zwei Europäer in Szene setzen.

Die Frau ist selbstbewusst, hübsch, mitfühlend und vor allem eine Nervensäge. Seit zehn Jahren arbeitet Claire (Toinette Laquière) als Journalistin bei einer Frauenzeitschrift in Frankreich, und jetzt, nach mehreren gescheiterten Beziehungen und vielen langweiligen Texten, bricht die 30-Jährige zum ersten Mal nach Afrika auf, genauer gesagt in den Tschad, um endlich mal eine richtige, eine große, eine relevante Reportage zu schreiben: Sie will einen Flüchtlingsjungen aus Darfur, der im Nachbarland Tschad bei einem Bauern als Wasserträger schuften muss, zu seinen Eltern zurückbringen - stellvertretend für alle Kriegs- und Flüchtlingskinder aus dem Sudan.

Dabei trifft sie immer wieder auf den erfahrenen französischen Afrika-Korrespondenten Pierre, der ihre Art von Journalismus als "naiv", ja auch als "bösartig" empfindet. Für ihn ist sie eine gefühlsduselige Reporterin von außen, die voller Egozentrik ihre Vorstellungen von Mitgefühl ausleben möchte - und dabei keine Ahnung hat vom Land, von den Leuten und davon, was im Tschad wirklich vor sich geht. Und das soll ja, geht es nach dem Regisseur Gilles de Maistre, auch das Hauptthema des Films sein: Was dürfen Auslandskorrespondenten in Entwicklungsländern? Was sollen sie machen? Und warum machen sie es so, wie sie es machen?

Das wäre eigentlich ganz spannend, auch für Nicht-Journalisten, zumal der Fernsehfilm ja wirklich im Tschad gedreht wurde, mit recht aktuellen Bildern, wie zum Beispiel Nicolas Sarkozy und Carla Bruni in der Hauptstadt Ndjamena empfangen werden, wie elend es in den Flüchtlingslagern jetzt aussieht und wie inzwischen an der Grenze zu Darfur die Militärs aufmarschiert sind.

Aber der Film scheitert an einem Phänomen, an dem schon viele Filme, die in Afrika spielen, gescheitert sind. Es geht nicht um Afrika, es geht nicht um das Flüchtlingskind, und es geht die meiste Zeit auch nicht um Journalismus und um das, was er darf. Der Kontinent dient lediglich als Kulisse, in der sich zwei Europäer in Szene setzen.

Natürlich verlieben sich die beiden dann auch noch gegen Ende des Films, und natürlich werden bis dahin auch alle Klischees vom "schwarzen Kontinent", vom "Herz der Finsternis" und vom vermeintlichen Desinteresse an Afrika inszeniert. Lediglich der Schluss ist wirklich hübsch. Claire findet nämlich nach einer schier endlosen Odyssee den Vater des Flüchtlingsjungen - und scheitert trotzdem so wunderbar, wie man nur als engagierter, blauäugiger Journalist in Entwicklungsländern scheitern kann.

,,Ihre erste Afrika-Story'', Freitag, 4. Dezember, Arte, 21 Uhr.

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SZ vom 05.12.2009/iko
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