Süddeutsche Zeitung

Kinobranche:Disneys Kampf gegen sich selbst

Das Filmstudio verschiebt mehrere Filmstarts. Grund: Seit es den Konkurrenten 20th Century Fox gekauft hat, stauen sich die Megaproduktionen im Haus.

Falls Sie am 17. Dezember 2027 noch nichts vorhaben, hätte das Disney-Studio da einen Vorschlag: Wie wäre es mit einem Kinobesuch des Films "Avatar 5"? Am Dienstag gab Disney seinen Verleihplan für die kommenden knapp zehn Jahre bekannt, und so rasant wie das Studio in den vergangenen Jahren gewachsen ist, mussten die Verantwortlichen dafür ordentlich Blockbuster-Tetris spielen, um genügend Starttermine zu finden und sich nicht selbst Konkurrenz zu machen.

Denn vor allem seit Disney das Filmstudio 20th Century Fox aufgekauft hat, das zuvor zu den wichtigsten Konkurrenten in Hollywood gehört hat, arbeiten die Marketingstrategen eifrig daran, all die sündteuren Megaprojekte des Konzerns in eine sinnvolle Verleihreihenfolge zu bringen. Also nicht zu viele Marvel-Filme pro Jahr, aber auch nicht zu wenig, zwischendurch ein bisschen Pixar, nicht zu vergessen die vielen sogenannten "Live Action Remakes" der alten Disney-Trickklassiker, von denen als nächstes "Aladdin" und "König der Löwen" anstehen.

Nach Abschluss der aktuellen "Star Wars"-Trilogie wartet schon die nächste

Besonders heikel galt konzernintern das Austarieren zwischen den künftigen "Star Wars"-Filmen und den vier Fortsetzungen von "Avatar" (ehemals Fox), die James Cameron gerade dreht, und die seit Jahren immer wieder verschoben werden. Der neue Plan sieht vor, dass nach Abschluss der aktuellen "Star Wars"-Trilogie Ende dieses Jahres 2022, 2024 und 2026 eine neue Trilogie platziert wird. Dazwischen ist dann Platz für "Avatar", Teil 2 bis 5, die 2021, 2023, 2025 und 2027 ins Kino kommen sollen.

Dass diese fast schon manische Sequel-Strategie aufgeht, zeigt aktuell die Disney-Produktion "Avengers 4", die sich seit ihrem Kinostart vor zwei Wochen bereits auf Platz zwei der erfolgreichsten Filme aller Zeiten vorgearbeitet hat - weltweit wohlgemerkt. Auf Platz eins sitzt derzeit noch ein ehemaliger Konkurrent, der vielleicht bald von seinen eigenen Nachfolgern eingeholt werden könnte: "Avatar", Teil eins.

Insgesamt befinden sich unter den zehn erfolgreichsten Filmen aller Zeiten, eingerechnet der Zukäufe der letzten Jahre, aktuell acht Produktionen in Disneybesitz.

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