Süddeutsche Zeitung

SPD in Bayern:Nicht maulen, sondern machen!

Dieser Aufruf gilt den Kritikern von Natascha Kohnen. Denn dass die SPD-Politikerin Partei kann, hat sie bereits bewiesen.

Kommentar von Lisa Schnell

Natascha Kohnen kann Partei. Das hat sie mit ihrem Vorschlag, die Parteibasis über ihre Kandidatur für den Landesvorsitz entscheiden zu lassen, gezeigt. Es ist der richtige Schritt. Damit hat sie ihre Kritiker geschwächt, die anmerkten, Kohnen könne nach acht Jahren in der Parteiführung nicht für einen Neuanfang stehen. Denn schon am ersten Tag ihrer Bewerbung zeigt sie einen anderen Politikstil als der Noch-Landesvorsitzende Florian Pronold.

Der hatte immer betont, wichtige Entscheidungen müssten gemeinsam in den Parteigremien getroffen werden. Am Ende aber preschte er vor und sprach noch vor der Vorstandsklausur mit der Presse über seinen Rückzug. Und er offenbarte auch noch, dass er entgegen seinen öffentlichen Beteuerungen nie vorgehabt habe, bis 2019 im Amt zu bleiben. Anders Natascha Kohnen: Sie lässt sich nicht öffentlich feiern, sondern stellt sich erst mal intern dem Parteivorstand vor.

Und sie macht den Vorschlag, der Basis mehr Mitsprache einzuräumen. Kann sein, dass diese Arbeitsteilung zwischen Pronold und Kohnen abgesprochen war, aber sie wirkt. Durch Kohnens Vorschlag, die Basis zu befragen, könnte aus einem verstolperten Neuanfang sogar so etwas wie Aufbruchstimmung werden. Mitgliederbefragungen motivieren die Basis, bringen Aufmerksamkeit und im besten Fall gute Ideen. Wettbewerb kann aber nur entstehen, wenn es mehr als einen Kandidaten gibt.

Deshalb müssen die Kritiker von Kohnen jetzt nicht nur maulen, sondern auch machen. Es ist ihre Chance zu zeigen, was und wen sie unter einem wirklichen Neuanfang verstehen. Drei Wochen haben sie Zeit, um einen ernsthaften Gegenkandidaten zu finden. Das dürfte in der vor Talenten nicht gerade überquellenden Bayern-SPD durchaus eine anstrengende Suche werden.

Der bis jetzt hinter den Kulissen gehandelte Landtagsabgeordnete Florian von Brunn aus München ist ein solches Talent. Aus der zweiten Reihe gleich nach dem Landesvorsitz zu greifen, ist allerdings auch ein hohes Risiko.

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Quelle:
SZ vom 06.02.2017/bhi
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