Süddeutsche Zeitung

Nürnberg:Platz soll nach NSU-Opfer Enver Şimşek benannt werden

In keiner anderen Stadt ermordeten die Rechtsterroristen so viele Menschen wie in Nürnberg. Nun soll ein Platz an das erste Opfer des NSU erinnern.

Von Olaf Przybilla, Nürnberg

Die Stadt Nürnberg plant, einen Platz an der Liegnitzer Straße nach dem ersten Mordopfer des "Nationalsozialistischen Untergrunds" (NSU), Enver Şimşek, zu benennen. An diesem Mittwoch will der Stadtrat in Nürnberg darüber abstimmen, bereits vorab zeichnet sich eine Mehrheit dafür ab. Ziel des entsprechenden Antrags sei es, "das Gedenken an seine Person als Opfer rechtsextremistischer terroristischer Gewalt unmittelbar sichtbar" werden zu lassen. Der erste nach Enver Şimşek benannte Platz wäre dies indessen nicht. Bereits im September 2020 hat die Stadt Jena in jenem Stadtteil, in dem die Täter des NSU aufgewachsen sind, einen Platz nach ihm benannt.

In Nürnberg hatten in der Vergangenheit zahlreiche zivilgesellschaftliche Organisationen gefordert, Straßen an den drei Tatorten nach den jeweiligen Opfern zu benennen. Keine andere Stadt hatte so viele Opfer der rechtsextremistischen Terrorserie beklagen müssen wie Nürnberg. Enver Şimşek, Abdurrahim Özüdoğru und Ismail Yaşar waren in den Jahren 2000, 2001 und 2005 ermordet worden. Im Jahr 2013 hatte die Stadt einen Gedenkort für die Opfer des NSU eingeweiht. Zusätzlich sollen an sämtlichen Tatorten künftig Gedenktafeln angebracht werden. Vor wenigen Tagen, anlässlich des zwanzigsten Jahrestages der Ermordung von Abdurrahim Özüdoğru, wurde bereits eine solche Tafel enthüllt. Auch plant die Stadt, die Gedenkorte künftig durch einen virtuellen Rundgang miteinander zu verbinden.

Die ebenfalls in Rede stehende Umbenennung von Straßennamen an den beiden anderen Tatorten stößt in der Stadtverwaltung dagegen auf weniger Gegenliebe. Die Gyulaer Straße etwa "transportiere auch eine wichtige Geschichtserzählung", heißt es auf einen entsprechenden Prüfauftrag hin. Die Straße erinnere an den Geburtsort des Vaters von Albrecht Dürer in Ungarn. Diese Benennung und der Verweis auf dessen migrantische Wurzeln seien 1928 "ein mutiges Bekenntnis" des damaligen OBs gewesen.

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SZ vom 21.07.2021/berk
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