Süddeutsche Zeitung

Neumarkt/Oberpfalz:Tierschützer bemängeln "katastrophale Zustände" im Jura-Zoo

  • Verletzte Vögel, verhaltensgestörte Affen, verdreckte Gehege, nackter Betonboden, stinkende Wasserkloaken: Das ist die Mängelliste, die Tierschützer im Jura-Zoo in Neumarkt zusammengetragen haben.
  • Das Veterinäramt der oberpfälzischen Stadt kann die Vorwürfe nicht nachvollziehen und berichtet nur von kleinen Beanstandungen.
  • Der Zoo ist seit 1989 in Betrieb, er galt als Institution in der Region.

Von Lisa Schnell, Neumarkt/Oberpfalz

An der Seite eines weißen Vogels klafft eine rosa Wunde. Ein kleiner Affe rennt in seinem Käfig hin und her, hin und her, immer den gleichen Weg. Zwischen Apfelstücken auf dem Betonboden liegt Kot. Es sind Bilder, die viele verstören. Fast 100 000 Leute haben das Video der Bürgerinitiative "Aktionsgruppe Tierrechte Bayern" auf Facebook gesehen.

Die Vorwürfe richten sich gegen den Jura-Zoo Neumarkt in der Oberpfalz. Seit 1989 ist er in Betrieb, kaum ein Kind in Neumarkt, das den Zoo nicht kennt. Seinen Gründer, den 2007 gestorbenen Fritz Pelech, sah man oft mit einem Affen auf der Schulter. Jetzt führt sein Sohn die Geschäfte.

In den Augen von Tierschützer Simon Fischer ist aus dem als Institution geltenden Jura-Zoo der "wohl schlimmste Zoo in der Oberpfalz" geworden. Die Liste der "katastrophalen Zustände" sei lang: Verletzte Vögel, verhaltensgestörte Affen, verdreckte Gehege, nackter Betonboden, stinkende Wasserkloaken. Neun Seiten füllen die angeblichen Verstöße, die gemeinsam mit einer Anzeige gegen den Zoo an das Veterinäramt Neumarkt gingen.

Dort kann man die Vorwürfe nicht nachvollziehen. Mehr als zweimal im Jahr werde der Zoo unangekündigt kontrolliert. Es habe nie mehr als kleinere Mängel zu beanstanden gegeben. Die massiven Vorwürfe der Tierschützer seien jetzt während einer halbtägigen Besichtigung geprüft worden. Manches sei in der Form nicht zutreffend, sagt Michael Gottschalk vom Landratsamt Neumarkt. Den Affen etwa gehe es gut, auch das Wasserbecken im Waschbär-Gehege sei keine "Kloake", sondern werde jeden Tag mit frischem Wasser gefüllt.

Ein paar kleinere Verstöße gebe es aber: Die Gehege seien nicht ordnungsgemäß beschildert, eines von ihnen zu klein. Auch könne der Kot etwas schneller weggekehrt werden. Man zweifele nicht daran, dass der Besitzer schnell nachbessern werde. "Der Zoo muss auf keinen Fall geschlossen werden", sagt Gottschalk. Einen neuen Anstrich aber könne er durchaus vertragen. Optisch mache der Zoo nicht den besten Eindruck.

Hilfe kann der Zoo-Besitzer immer brauchen

Ein paar Gehege seien schon sehr alt, sagt Besitzer Dieter Pelech. Das habe aber nichts mit Tierschutz zu tun. An den Vorwürfen sei "nichts dran". Die Verletzung am Flügel eines Vogels sei keine offene Wunde. Vielmehr seien die neuen Federn beim Mausern nicht richtig durchgekommen. Das schaue nicht schön aus, der Vogel sei aber weder behindert noch flugunfähig. Auch wehrt sich der 47-Jährige gegen den Vorwurf, er sei überfordert. Pelech betreibt den Zoo im Nebenerwerb, hauptberuflich ist er Produktionsleiter in einem Unternehmen in Neumarkt. Von 14 Uhr an aber könne er sich um die etwa 200 Tiere kümmern, die bei ihm auf 7500 Quadratmetern leben. Seine Mutter und seine Freundin seien außerdem die ganze Zeit dort.

Hilfe aber könne er trotzdem immer gebrauchen. Über das Angebot einiger Leute, ihm bei der Renovierung der Gehege zu helfen, habe er sich sehr gefreut. Geld verdiene er mit dem Zoo nicht. Auch die Erträge aus der angegliederten Wirtschaft würden für den Erhalt des Tierparks verwendet. "Der Zoo ist eigentlich mein Leben", sagt Pelech. Er war fünf, als die ersten Affen kamen. Das Wohl der Tiere, mit denen er aufgewachsen sei, liege ihm am Herzen.

Das glaubt ihm Tierschützer Fischer, aber nicht, dass er für das Wohl der Tiere wirklich sorgen könne. Fischer kann nicht nachvollziehen, dass das Veterinäramt nur kleinere Mängel festgestellt hat. Gegen den betroffenen Mitarbeiter werde man eine Dienstaufsichtsbeschwerde einreichen und sich an höhere Stellen wie das Landesamt für Gesundheit oder das Umweltministerium wenden.

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Quelle:
SZ vom 27.07.2017/vewo
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