Süddeutsche Zeitung

Naturschutz:Alois Glück warnt vor überzogenen Erwartungen

  • Alois Glück (CSU) dämpft die Erwartungen an den neuen runden Tisch zur Artenvielfalt in Bayern.
  • Ministerpräsident Söder (CSU) hatte einen Gesellschaftsvertrag zwischen Bauern und Umweltschützern angekündigt.
  • Zwar hält Glück einen solchen Vertrags ausdrücklich für sinnvoll. Dieser gehe jedoch "weit über die Möglichkeiten des runden Tisches hinaus".

Der CSU-Politiker Alois Glück warnt vor überzogenen Erwartungen an den neuen runden Tisch zur Artenvielfalt in Bayern. "Es wird vor allem darum gehen, was die Kommunen, die Landkreise und der Freistaat, aber auch die Kirchen tun können, um die Artenvielfalt auf den vielen Flächen in ihrem Besitz zu fördern", sagt der frühere Landtagspräsident vor dem Treffen am Montag. "Denn wenn man es Ernst meint mit der Bewahrung der Schöpfung, dann ist auch auf diesen Grundstücken ein Umdenken notwendig und nicht nur in der Landwirtschaft." Als Beispiele nennt Glück die Grünstreifen an Gemeinde-, Kreis- und Staatsstraßen. "Sie können einen wertvollen Beitrag zum Artenschutz liefern, wenn Kommunen, Kreise und Freistaat sie nicht kurz halten und dort auf chemische Pflanzenschutzmittel verzichten."

Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hatte bei der Ankündigung des neuen runden Tisches das Ziel sehr viel höher gehängt. Man müsse über einen neuen Gesellschaftsvertrag zwischen Bauern und Naturschützern sprechen und gegenseitige Vorbehalte ausräumen, erklärte Söder da. Der Ministerpräsident hatte einen runden Tisch unter Glück erstmals nach dem fulminanten Sieg des Volksbegehrens "Artenvielfalt - Rettet die Bienen" im Februar einberufen. Eingeladen waren nicht nur Umweltverbände und landwirtschaftliche Organisationen, sondern auch Kommunalverbände und die Kirchen. Unter Glücks Leitung arbeiteten sie zahlreiche Vorschläge für mehr Artenschutz aus. Umgesetzt wurden bislang nur die Ideen für einen besseren Naturschutz in der Landwirtschaft. Der Grund für Söders Ankündigung eines Gesellschaftsvertrags am neuen runden Tisches dürften die massiven Proteste der Bauern gegen immer mehr Auflagen und die angeblich immer geringere Wertschätzung ihrer Arbeit gewesen sein. "Ich kann mir Bayern ohne Bauern nicht vorstellen", sagte Söder. Die Politik müsse Bauern und Umweltschützern helfen.

Zwar hält Glück Söders Idee eines neuen Gesellschaftsvertrags ausdrücklich für sinnvoll. "Die Stimmung auf den Bauernhöfen ist am Boden", sagt der 79-jährige Politiker, der gelernter Landwirt ist und bei Bauern und Umweltschützern gleichermaßen hohes Ansehen genießt. Aber er warnt zugleich: "So ein Gesellschaftsvertrag geht weit über die Möglichkeiten des runden Tisches hinaus." Allein schon, weil die immer neuen Auflagen für Landwirte etwa im Grundwasserschutz Sache des Bundes sind. Auch die Erwartung vieler Bauern, angemessen honoriert zu werden, könne der runde Tisch nicht erfüllen. Dazu sei vor allem die Aufklärung der Verbraucher notwendig. "Das müssen die Bauern und die Verbraucher unter sich ausmachen", sagt Glück. "Sie müssen aufeinander zugehen und miteinander reden."

Für Glück steht von Montag an die konkrete Arbeit für den Artenschutz im Vordergrund. "Bisher sind die Forderungen des Volksbegehrens ,Artenvielfalt - Rettet die Bienen' an die Landwirtschaft umgesetzt worden", sagt Glück. "Nun geht es um die Verwirklichung der Vorschläge in den Arbeitsgruppen Wald, Siedlungen und Städte." Als Beispiele nennt er Beratungen für Eigenheimbesitzer, die ihren Garten naturnah gestalten wollen. Oder Schulungen für Bauhof-Arbeiter, die auf chemischen Pflanzenschutz verzichten sollen. Oberstes Ziel müssten tatsächliche Verbesserungen im Artenschutz sein. "Wir müssen weg von der Unverbindlichkeit. 2020 muss das Jahr der Umsetzung werden", sagt Glück. "Ich will Ende 2020 eine Bilanz ziehen, was wir geschafft haben."

Bei den Grünen und der ÖDP herrscht derweil weiter tiefe Verärgerung, dass ihre Vertreter nicht an dem neuen runden Tisch teilnehmen dürfen. Söder hatte bei seiner Ankündigung erklärt, dass von nun an politische Parteien von der Mitarbeit in dem Gremium ausgeschlossen seien. "Wir gehören zum Trägerkreis des Volksbegehrens Artenvielfalt", sagt Agnes Becker. Sie ist nicht nur ÖDP-Vizechefin, sondern war auch die Sprecherin des Volksbegehrens. Auch der Chef der Landtags-Grünen, Ludwig Hartmann, war ein Sprecher des Volksbegehrens. "Wir sind im Frühjahr nicht als Parteien oder Oppositionspolitiker an den runden Tisch eingeladen worden", sagt Becker. "Sondern als die Sprecher des Volksbegehrens." Als solche wollen sie weiter in dem Gremium vertreten sein. Der Trägerkreis des Volksbegehrens hat deshalb bereits in der Staatskanzlei interveniert. Bisher allerdings ohne Erfolg.

Bestens informiert mit SZ Plus – 14 Tage kostenlos zur Probe lesen. Jetzt bestellen unter: www.sz.de/szplus-testen

URL:
www.sz.de/1.4709414
Copyright:
Süddeutsche Zeitung Digitale Medien GmbH / Süddeutsche Zeitung GmbH
Quelle:
SZ vom 05.12.2019/zara
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über Süddeutsche Zeitung Content. Bitte senden Sie Ihre Nutzungsanfrage an syndication@sueddeutsche.de.