Süddeutsche Zeitung

Miesbach:Streit im Mangfalltal wegen Münchens Trinkwasser

  • Schon seit dem Ende des 19. Jahrhunderts fließt Wasser aus dem Mangfalltal nach München.
  • In den 1960er-Jahren legte man dann die ersten Schutzzonen fest, damit das Trinkwasser für die Landeshauptstadt klar bleibt.
  • München will nun neue Schutzgebiete für seine Trinkwasserversorgung festsetzen lassen. Doch Bauern in betroffenen Gegenden befürchten, dass die neuen Schutzzonen im Mangfalltal sie ruinieren.

Diese Woche werden die Landwirte aus dem Mangfalltal es noch einmal versuchen. Sie werden vor dem Landratsamt in Miesbach ihre Beschwerden über die neuen Regeln vorbringen, sie werden von den knappen Flächen erzählen und dem Vieh ohne Weide. Sie klagen, dass sie mit den neuen Regeln so vieles verlieren würden, während alleine München gewinne - und sie hoffen, dass sie die neuen Vorschriften doch noch abwenden können. Es geht wieder einmal ums Wasser.

Wenn man in München einen Hahn aufdreht, kommt das Wasser mit hoher Wahrscheinlichkeit aus dem Mangfalltal im Süden der Stadt, aus dem Landkreis Miesbach. Von dort stammen um die 80 Prozent des Münchner Trinkwassers, seit Jahrzehnten streiten die Landwirte und die Stadt darum. Es ist jetzt 55 Jahre her, dass in dieser Zeitung folgende Sätze gedruckt wurden: "Zahlreiche Bauern im Mangfalltal fürchten um ihre Höfe. Die Stadt München will neue Schutzgebiete für ihre Trinkwasserversorgung festsetzen lassen." Die Nachricht vom 29. Juli 1963 gilt letztendlich noch immer. Auch jetzt fürchten die Landwirte im Mangfalltal um ihre Höfe. Auch jetzt soll es neue Schutzgebiete geben.

Die Bauern werfen den Münchner Stadtwerken vor, dass diese insgeheim planen, in den kommenden Jahren für noch mehr Menschen noch mehr Wasser zu fördern, und deshalb die neuen Schutzgebiete ausweisen - die Stadtwerke wiederum verweisen auf die gesetzlichen Vorschriften, nach denen es neue Schutzzonen brauche. Rainer List, bei den Stadtwerken für das Wassermanagement zuständig, sagt: "Ich würde mich als ein Herr Fuchs auch ärgern, aber wir haben Alternativen angeboten." Mit Herrn Fuchs meint er den Bauern Alois Fuchs. Dessen Hof läge teils in der neuen Schutzzone mit Namen "Zwei A".

Um zu verstehen, was das bedeutet, muss man einige Jahre zurückblicken: Schon seit dem Ende des 19. Jahrhunderts fließt das Wasser aus dem Mangfalltal nach München, in den 1960er-Jahren legte man dann die ersten Schutzzonen fest, damit das Trinkwasser klar bleibt. Die sogenannte erste Schutzzone um die Brunnen ist eingezäunt, die darf niemand betreten. In der zweiten Schutzzone konnten Bauern bisher unter bestimmten Bedingungen arbeiten, jetzt soll diese Zone unterteilt werden - in der Zone Zwei A gälten dann strengere Regeln, zum Beispiel dürften Bauern kein Vieh mehr halten, da das Wasser nur wenige Meter unter der Erde fließt. In der Zone Zwei B würde sich nach den Aussagen der Stadtwerke für Landwirte nichts ändern, genau wie in der neuen Schutzzone Drei, die es bisher nicht gab. Dort wären in Zukunft zum Beispiel keine größeren Eingriffe in den Boden mehr erlaubt. "Ich traue es mich gar nicht zu sagen, aber für die Landwirte ändert sich wirklich nicht viel", sagt List.

Von Montag an werden die Landwirte und alle anderen Gegner der neuen Schutzzonen ihre Beschwerden im Landratsamt Miesbach vortragen

Dem Bauern Alois Fuchs allerdings reichen schon die neuen Regeln in der Zone Zwei A, um seinen Hof bedroht zu sehen. Er besitzt etwa 17 Hektar Land, etwa vier Hektar davon wären betroffen - auf denen weide sein Jungvieh. Die Stadtwerke hatten ihm eine Fläche zum Ausgleich angeboten, sagt Fuchs, die aber wäre mehr als fünf Kilometer weit weg gewesen. Jeden Tag hätte er da mit dem Auto zu den jungen Milchkühen fahren müssen, das hätte sich wirtschaftlich nicht gelohnt. Sein Sohn, 19 Jahre alt, wollte eigentlich Landwirt werden, jetzt aber mache er vorsichtshalber eine Ausbildung zum Landwirtschaftsmechatroniker, falls das mit dem Hof nicht klappen sollte. In der neuen Zone Zwei A liegen noch zwei weitere Höfe, die Besitzer des einen haben die angebotene Ausgleichsfläche ebenfalls abgelehnt - auf dem anderen Hof werden keine Tiere gehalten.

Von Montag an werden die Landwirte und alle anderen Gegner der neuen Schutzzonen ihre Beschwerden im Landratsamt Miesbach vortragen, dort wird dann entschieden werden, ob Alois Fuchs sich einen neuen Platz für seine jungen Kühe suchen muss. Im Jahr 1963 hatten sich damals mehrere Leute zu einem "Verein der Wasserschutzgeschädigten" zusammengeschlossen, um gemeinsam zu kämpfen. Eine ähnliche Vereinigung gibt es jetzt wieder. Im Juli hat sich die Initiative "Heimatwasser" gegründet. Alois Fuchs ist beigetreten.

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SZ vom 24.09.2018/smb
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