Süddeutsche Zeitung

Freunde der Plassenburg:Wer kennt diese Lady?

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In Kulmbach wird mit großem Aufwand nach einer Dame gesucht. Dabei hat sie gar nichts angestellt.

Von Katja Auer

Es scheint eine Zeit der Suche zu sein gerade, das mag am Herbst liegen, von dem man ja weiß, dass "wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben". Mit Rilke halten es die Abgesandten von SPD, FDP und Grünen in Berlin wahrscheinlich nicht bei ihrer Suche nach der richtigen Koalition, aber lieber fänden sie wohl noch zueinander, als dass sie alleine "in den Alleen hin und her unruhig wandern, wenn die Blätter treiben". Die CDU sucht derweil nach Orientierung und nach einem neuen Parteichef und in Altusried, das wurde an dieser Stelle bereits beschrieben, ist man auf der Suche nach einem Experten für Vogelkot.

Schwierige Fälle allesamt, aber nicht ganz so rätselhaft wie die Suche, die Kulmbach gerade umtreibt. Dort suchen die Freunde der Plassenburg nach einer Dame. Der Verein, der sich mit Kulmbachs Heimatgeschichte beschäftigt, hat bei einer Auktion in München ein Porträt ersteigert. Franz Xaver Braunmiller soll es gemalt haben, etwa um 1930. Darauf ist im Hintergrund die Plassenburg zu erkennen, ein eindeutiger Heimatbezug also, und im Vordergrund eine vornehme Dame. Gut betucht, allem Anschein nach, mit Pelz am Unterarm und zweireihiger Perlenkette. Nur guckt sie ein bisschen missmutig.

Vielleicht ist sie eine Brauereichefin, was nicht ganz abwegig ist in der Bierstadt Kulmbach, und gerade als sie los wollte zum Maler, ist ihr der Gatte wieder einmal betrunken vor die Füße gefallen. Oder sie ist eine Metzgersfrau, die gerade eine ganze Ladung Kulmbacher Bratwürste ausgeliefert hatte, als sie merkte, dass Muskat fehlt. Da lächelt es sich nicht so einfach. Theorien jedenfalls gibt es viele und genau auf diese ist der Verein aus. Mit einem Suchaufruf per Fahndungsplakat und im Internet suchen die Plassenburg-Freunde nach Informationen.

Allerlei Namen sind schon genannt worden, eine richtig heiße Spur sei aber noch nicht dabei, sagt Freunde-Chef Peter Weith. Wobei, eine klingt viel versprechend: Mit den Guttenbergs könnte die Dame zu tun, vermutet jemand, wegen der Rosen. Solche hält die Frau in der Hand und die Guttenbergs tragen sie im Wappen. Eine adelige Großtante, Cousine dritten Grades? Eine nach München ausgewanderte Halbschwester, vom Heimweh geplagt? Guckt sie nicht irgendwie Franken-sehnsüchtig? Man wird ja wohl noch ein bisschen mitraten dürfen.

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SZ/mz/kafe
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