Süddeutsche Zeitung

SPD in Bayern:Sehr ungeschickt, Frau Kohnen!

Sie ist noch nicht nicht als bayerische SPD-Chefin gewählt, da benennt Natascha Kohnen schon ihren Generalsekretär. Damit verstößt sie gegen ihren eigenen Anspruch.

Kommentar von Katja Auer

Natascha Kohnen will Uli Grötsch als Generalsekretär, das wäre nach ihrer Wahl zur SPD-Landesvorsitzenden eine interessante Personalie. Vorher allerdings enthält die Nachricht eine gewisse politische Brisanz, weniger ihres Inhalts als des Zeitpunkts ihrer Veröffentlichung wegen. Denn noch ist Kohnen nicht die Chefin. Der Parteitag wählt am 20. Mai und vorher sind die 60 000 Mitglieder aufgerufen, über die sechs Kandidaten abzustimmen.

Das ist ein Novum in der Geschichte der Bayern-SPD, Natascha Kohnen selbst hat das Verfahren vorgeschlagen. Eine schöne Sache, die Kohnen zugleich als Beleg dafür anführen konnte, dass sie die SPD zu einer Mitmach-Partei formen will und dass sie die Stimme der Basis tatsächlich hören will. Dass sie nun, während die Befragung der Mitglieder noch läuft, ihren Generalsekretär benennt, ist mindestens ungeschickt. Oder zeugt sogar davon, dass es ihr doch nicht so ernst ist mit dem neuen Stil, den stets propagiert.

Freilich darf und muss sich ein potenzieller Landesvorsitzender Gedanken machen, mit wem er die Aufgabe angehen will, und es ist in der Politik durchaus üblich, schon im Wahlkampf Schattenkabinette zu präsentieren. Kohnen allerdings hatte erst kürzlich noch - explizit auf die Frage nach einem möglichen Generalsekretär - betont, "dass keiner von uns, bevor überhaupt der Ausgang der Urwahl klar ist, irgendein Anrecht hat, irgendwas zu benennen". Nun hat sie es doch getan und damit ihren eigenen Anspruch verletzt.

Natascha Kohnen ist nach wie vor die Favoritin für die Nachfolge von Florian Pronold und dass sie als Generalsekretärin dem Landesvorstand schon eine ganze Weile angehört, macht sie für das Amt nicht weniger geeignet, auch wenn das mancher Konkurrent so auslegen will. Politische Erfahrung schadet nicht. Dass sie als Landesvorsitzende aber tatsächlich einen neuen Stil prägen will, das muss sie erst noch beweisen. Mit ihrem Personalvorschlag zur Unzeit ist das nicht einfacher geworden.

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Quelle:
SZ vom 12.04.2017/vewo
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