Süddeutsche Zeitung

Karin Seehofer im Gespräch:"Wir mussten da alle hineinwachsen"

Als Landesmutter kam Karin Seehofer bei den Menschen in Bayern so gut an, dass ihr Mann sogar ein wenig eifersüchtig gewesen sein soll. Was sie in den vergangenen zehn Jahren erlebt hat - und was jetzt kommt.

Von Katja Auer und Wolfgang Wittl

Karin Seehofer gibt eigentlich keine Interviews, aber weil es nun bald vorbei ist mit der Amtszeit ihres Mannes als bayerischer Ministerpräsident, macht sie für die Süddeutsche Zeitung eine Ausnahme. Sie hat in ihr Büro in der Staatskanzlei geladen, ein solches hat sie als Landesmutter - auch wenn sie ein Amt ausübt, das es offiziell gar nicht gibt. Der Blick geht in den Hofgarten, die Möbel stammen aus dem früheren Arbeitszimmer von Edmund Stoiber. Auf den Kommoden stehen Fotos der europäischen Königspaare, die sie in vergangenen zehn Jahren getroffen hat.

Karin Seehofer engagierte sich für soziale Projekte und übernahm Patenschaften im ganzen Freistaat, etwa für die Blindeninstitutsstiftung Würzburg oder das Kinderpalliativzentrum der Münchner Universitätsklinik. Sie kam gut an bei den Menschen im Land, so gut, dass ihr Mann sogar ein wenig eifersüchtig gewesen sein soll. In Berlin sei es "nicht üblich, dass die Frau eines Ministers mit einer eigenen Rolle in Erscheinung tritt", sagt Karin Seehofer: "Meinem Mann war gar nicht bewusst, welche vielfältigen ehrenamtlichen Aufgaben auf die Frau des Ministerpräsidenten zukommen."

Bei den ersten Grußworten sei sie "richtig nervös" gewesen, sagt sie. Eine Schulung für dieses Amt gibt es nicht. Auch als Frau des Ministerpräsidenten sei Karin Seehofer einfach sie selbst geblieben, sagen Beobachter, die sie lange kennen. Im Gespräch mit der SZ lacht sie viel, Allüren sind ihr fremd.

Als sie Horst Seehofer während ihrer Ausbildung zur Verwaltungsfachangestellten im Landratsamt Eichstätt kennenlernte, ahnte sie noch nicht, dass sie ein Leben an der Seite eines Spitzenpolitikers führen würde. Seehofer wurde Bundestagsabgeordneter, Staatssekretär, Minister - seine Frau managte die Familie mit den drei Kindern. "Wir mussten da alle hineinwachsen, aber für uns war das nie eine Belastung", sagt sie. Anders war es, als Berichte über ein uneheliches Kind Horst Seehofers publik und damit Familienangelegenheiten politisch instrumentalisiert wurden. "Fürchterlich", sei diese Phase gewesen, erinnert sich Karin Seehofer. "Aber wir haben das sehr gut in den Griff bekommen."

In den vergangenen zehn Jahren, als ihr Mann Ministerpräsident war, hat sie so viel Zeit mit ihm verbracht wie lange nicht. Vor allem im Auto. Der Alltag daheim funktioniert dennoch auch ohne Horst Seehofer, daraus macht Karin Seehofer keinen Hehl. Wer bei Seehofers den Rasen mäht? "Solche Sachen mache ich." Aber ein paar Dinge gibt es durchaus, die Horst Seehofer selber anpackt im Haushalt.

Als der Machtkampf in der CSU tobte, hat Karin Seehofer mit ihrem Mann mitgelitten, das gibt sie offen zu: "Das Ganze hat schon weh getan." Aber so sei das eben in der Politik, und nicht nur dort. "Politik ist halt öffentlich." Wenn sie jetzt Abschied nimmt von ihren Aufgaben, ist sie schon ein kleines bisschen wehmütig, aber "alles hat seine Zeit", sagt sie, da ist Karin Seehofer pragmatisch. Zumal sie nun wieder mehr Zeit hat für ihre Freundinnen. Und zum Tennisspielen.

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