Süddeutsche Zeitung

Emnid-Umfrage:Zwei Drittel der Deutschen lehnen Kreuze in Behörden ab

  • Eine Mehrheit der Deutschen lehnt es einer Umfrage zufolge ab, in Behörden christliche Kreuze aufzuhängen.
  • Eine entsprechende Regelung wurde kürzlich von Bayerns Regierung erlassen.
  • Erstmals hat am Wochenende ein Mitglied des bayerischen Kabinetts Kritik an dem Beschluss geübt.

Eine deutliche Mehrheit der Deutschen lehnt einer Umfrage zufolge das Aufhängen von Kreuzen in Behörden ab. In einer repräsentativen Emnid-Umfrage im Auftrag der Bild am Sonntag gaben 64 Prozent der Befragten an, sie seien dagegen, dass in allen staatlichen Behörden in Deutschland christliche Kreuze aufgehängt würden. Dafür sprachen sich 29 Prozent aus, sieben Prozent hatten keine klare Meinung oder äußerten sich nicht.

Auch unter Katholiken und Protestanten überwiegt die Ablehnung - bei Katholiken sind dies 48 Prozent, bei Protestanten sogar 62 Prozent. Befragte anderer Konfessionen und Konfessionslose lehnen Kreuze in staatlichen Behörden mit großer Mehrheit ab - 87 Prozent der Befragten waren dagegen, nur 12 Prozent stimmten zu.

Das bayerische Landeskabinett hatte beschlossen, dass ab Juni in jeder Behörde des Bundeslandes ein Kreuz hängen muss. Dies soll nach Ansicht der Landesregierung die "geschichtliche und kulturelle Prägung" Bayerns zum Ausdruck bringen und "sichtbares Bekenntnis zu den Grundwerten der Rechts- und Gesellschaftsordnung" sein.

Kiechle hält Vorstoß für "keine besonders kluge Idee"

Der Vorstoß stieß deutschlandweit auf ein geteiltes Echo. Während Vertreter der katholischen Kirche ihn begrüßten, warnte der Zentralrat der Muslime vor Ausgrenzung. Grüne und Linke warfen der CSU populistisches und verfassungswidriges Handeln vor. FDP-Chef Christian Lindner warf Söder eine Profanierung des Kreuzes vor und kritisierte auch CSU-Generalsekretär Markus Blume, der Gegner der Entscheidung als "Religionsfeinde" bezeichnet hatte. Diese Kritik komme "wie ein Bumerang zurück", sagte Lindner der Passauer Neuen Presse: "Feinde der Religion sind nicht die Kritiker von Herrn Söder, Feind der Religion ist Herr Söder selbst." Denn er habe das Kreuz zum kulturellen Symbol erklärt "und damit von seiner christlichen Bedeutung getrennt".

Erstmals hat sich nun auch eine Ministerin aus Söders Kabinett kritisch geäußert. Bayerns Wissenschaftsministerin Marion Kiechle (CSU) bezeichnete den Vorstoß in der Talkshow "3 nach 9" als "keine besonders kluge Idee". Jetzt müsse man aber erst einmal auf die konkreten Ausführungsbestimmungen warten. Am Samstagabend stellte Kiechle klar, sie stehe "klar zum einstimmigen Beschluss des bayerischen Kabinetts", ein Kreuz in Behörden anzubringen. Das Kreuz stehe "für die christliche Tradition Bayerns".

Bestens informiert mit SZ Plus – 14 Tage kostenlos zur Probe lesen. Jetzt bestellen unter: www.sz.de/szplus-testen

URL:
www.sz.de/1.3961198
Copyright:
Süddeutsche Zeitung Digitale Medien GmbH / Süddeutsche Zeitung GmbH
Quelle:
SZ.de/AFP/dpa/KNA/tba/ghe
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über Süddeutsche Zeitung Content. Bitte senden Sie Ihre Nutzungsanfrage an syndication@sueddeutsche.de.